Die Wintergerste mag keinen spontanen Frost. Ebenso geht es dem Raps. "Die Saaten brauchen Zeit, um sich auf kältere Temperaturen einzustellen", erklärt Kreislandwirt Joost Meyerholz. "Diese Zeit hatten sie nicht." Mit entsprechender Sorge beobachten die Landwirte die anhaltende Kälte. "Es fehlt einfach die schützende Schneedecke. Wenn wir Pech haben, erfriert die Saat", fürchtet Meyerholz.
Betriebe, die statt vom Ackerbau von der Viehzucht leben, müssen die Klauen ihrer Tiere bei eisiger Witterung je nach Haltung verschärft im Auge behalten. Grund dafür sind vereiste Exkremente, die nicht wie in wärmeren Monaten durch die Spaltenböden abfließen, sondern an der Oberfläche festfrieren. "Die Stallgebäude sind von ihrer Bauweise her eher auf mildere Winter eingestellt", so Meyerholz. Häufig seien sie nur durch sogenannte Windnetze geschützt. "Bei minus zehn Grad und Ostwind wird's dann schon mal schwierig."
Auch auf die Futterversorgung der Vierbeiner könnte sich eine hartnäckige Kälteperiode auswirken. Denn ein Großteil des Futternachschubs kommt auf dem Wasserweg. Die Binnenschiffer, so Meyerholz, haben Probleme mit zugefrorenen Flüssen. Ein Großteil des im Landkreis verfütterten Weizens komme von weit her - aus der Ukraine und aus Russland. "Wenn die Schiffe unterwegs steckenbleiben, kann sich das auch auf die Futterpreise auswirken."
Wie so vieles hat der Kälteeinbruch auch eine positive Seite. "Die Schädlinge kriegen bei diesem Wetter eins auf den Deckel", freut sich der Kreislandwirt. Insekten, die für die Übertragung vieler Viruserkrankungen verantwortlich seien, würden bei eisigen Temperaturen getötet.
Auch für die Bodenstruktur seien ein paar knackige Tage durchaus von Vorteil, weiß Amalie Lohmann. Für die Gemüsebäuerin aus Westen und ihre Familie bedeutet der starke Dauerfrost aber in erster Linie Dauerstress. Ein wichtiges Standbein des Biobetriebs ist der Lauchanbau. Bei zweistelligen Minusgraden wird es für den aber kritisch. Also hieß es für die Gemüsebauern in den Tagen vor dem Kälteeinbruch: So viel wie möglich ernten, bevor der Boden gefroren ist. Ein Teil wanderte ins Lager, gut ein Drittel blieb auf dem Feld zurück. "Um die Pflanzen zu schützen, haben wir teure Vliese angeschafft", erzählt Lohmann. Die sollen die fehlende Schneeschicht ersetzen. Ob's reicht? "Wir können's nur hoffen."
Die Ausbeute der Blitzernte lagert in einer Halle, die der anhaltenden Eiseskälte allerdings nicht viel entgegenzusetzen hat. "Der Lauch liegt jetzt gefroren auf den Hängern. Um ihn für den Verkauf fertigmachen zu können, haben wir quasi über Nacht eine Halle in der Halle gebaut, die wir mit Gasstrahlern heizen." Dort tauen die Porreestangen hinter Holzwänden und Planen langsam Lage für Lage auf, werden geputzt und in Form gebracht, um ihren Weg in den Handel antreten zu können.
Der verbleibende Lauch auf den Hängern tut das seine, damit der Stress für Familie Lohmann nicht weniger wird - er wächst. Ebenso wie Tulpen vermag er auch ohne Bodenkontakt weiter an Länge zuzulegen. Aber das tut der Lauch nicht nach DIN-Vorschrift, "er wird krumm." Wie hoch die Einbußen für den Betrieb sein werden, vermag noch niemand zu sagen. Sicher ist schon jetzt für Familie Lohmann, dass ihr regionaler Porree mit dem Angebot aus dem noch frostfreien Süden Europas preislich in nächster Zeit nicht wird mithalten können.



Regenwahrscheinlichkeit: