Vorbereitungen zur 35. Auflage von "Morsum helau" / Proben laufen bereits seit Oktober / Erste von zwei Prunksitzungen am Sonnabend

 - 09.02.2012

Im Zeichen des Wilden Westens

Von mareike beeneken
In farbenfrohen und ausgefallenen Verkleidungen feiern Menschen weltweit Karneval. Aus dem heidnischen Brauch zur Vertreibung des Winters sind höchst unterschiedliche Feste der Ausgelassenheit und Lebensfreude geworden. Vor 35 Jahren hat die fünfte Jahreszeit auch die Morsumer Bürger erstmals in ihren Bann gezogen. Seitdem wird traditionell "Morsum helau" gefeiert.

Thedinghausen-Morsum. Bereits seit Herbst des vergangenen Jahres sind die Akteure des Morsumer Festkomitees und die Bühnenkünstler mit den Vorbereitungen für Karneval beschäftigt. Die erste Prunksitzung steigt am kommenden Sonnabend, 11. Februar, 20 Uhr. Wie in jedem Jahr wird das Fest im örtlichen Gasthaus "Döhlings" veranstaltet. Dieses Mal unter dem Motto des Wilden Westens. Die zweite Vorstellung der Morsumer Karnevalisten ist am Sonntag, 19. Februar, 13 Uhr, nach dem Frühstücksbüfett ab 11 Uhr.

"Zu Jahresbeginn haben wir mit der Gestaltung des Saals und der Bühne, aus denen der Innenraum eines Planwagens sowie ein Saloon werden sollen, begonnen", erklärt Karnevals-Präsident Volker Clausen, besser bekannt als Volli. Hölzerne Dachstreben aus Pappe, Plakate mit der Aufschrift "Wanted" und andere Dekorationen mussten zu diesem Zweck angefertigt werden. Doch anders als die Organisation und Betreuung der Gruppen und die Planung der Karnevalstage, gehöre die Saalgestaltung zu den weniger zeitaufwendigen Vorbereitungen. "Bei unseren ersten Treffen im September haben wir erst einmal grundlegende Planungen in Angriff genommen", berichtet der alteingesessene Präsident, der das Amt nun schon seit neun Jahren bekleidet. Sämtliche Fragen, wie "Wer übernimmt die Rolle des Prinzenpaares?", "Welche Gruppen nehmen teil?" und "Wie soll der grobe Ablauf aussehen?" mussten geklärt werden.

Fest verwurzelt im Programm ist der Empfang der Narrenschar durch den Präsidenten und Elferrat sowie die Rede des Prinzenpaares, dieses Jahr verkörpert durch Prinz Horst II., Horst Wolters, und Prinzessin Katja I., Katja Thalmann. Nicht fehlen darf der Auftritt der Prinzengarde und abschließend der Tanz des Prinzenpaares zu den Beats der Partyband "eXXited".

Ins Leben gerufen wurde die närrische Zeit in Morsum 1972. "Einige mutige Männer des Spielmannszuges haben damals den Entschluss gefasst, Karneval auch einmal in Morsum feiern zu wollen. Und aus diesem einen Mal wurde eine 35-jährige Tradition", erzählt Volli. Aus seiner Sicht ist die fünfte Jahreszeit nicht mehr aus der Historie Morsums wegzudenken - "Besonders, wenn man berücksichtigt, dass wir hier nicht im Rheinland sind."

Als Veranstalter des Karnevals nimmt der Morsumer Spielmannszug sowohl beim Schauspiel als auch bei der Organisation eine wichtige Rolle ein. Denn einige der insgesamt 28 Mitglieder aus Morsum und umzu sind auch im Festausschuss aktiv. Zu ihnen zählt zum Beispiel die Vereinsvorsitzende Inge Hartwich. "Dass es hinter der Bühne hektisch zugeht, ist für mich keine Seltenheit", meint die Blenderanerin. Während der Spielmannszug bei der Sonnabendveranstaltung lediglich ein Stück zum Einmarsch des Prinzenpaares und zwei Stücke auf der Bühne performt, ist bei der zweiten Prunksitzung Luft für mehr musikalische Beiträge. Partyhits wie "Cowboy und Indianer", "Das rote Pferd" oder "Viva Colonia" gehören zwar zum Standardrepertoire der Kapelle, werden jedoch in jedem Jahr wieder bis zur Perfektion geprobt.

"Im Oktober haben wir uns alle 14 Tage für eineinhalb Stunden getroffen, seit Januar üben wir wöchentlich", berichtet Tambourmajor Joachim Zyriacks. Jede Altersgruppe von 14 bis 70 Jahren ist im 1957 gegründeten Spielmannszug mit Marschtrommeln, Becken und Querflöten vertreten.

Als Garde, die das Prinzenpaar zur Bühne geleitet, nehmen auch die Funkenmariechen eine ganz besondere Stellung in der Morsumer Narrenzeit ein. Bestand die Prinzengarde zu Hochzeiten schon mal aus bis zu 20 Tänzern, so sind in diesem Jahr nur acht Mädchen und junge Frauen mit den blauen Kostümen bekleidet. "Doch diese Acht hauen voll rein", meint der Karnevals-Präsident.

Trainiert werden die Mädels von Lena Wulfers. "Im September haben wir mit ersten Überlegungen zu Musik und Choreographie angefangen", berichtet die Trainerin, die selbst acht Jahre lang für die Prinzengarde getanzt hat. Allein einen Monat habe es gedauert, bis die passende Musikwahl getroffen war. "Die Choreographie gestaltete sich da schon einfacher", spricht Wulfers aus Erfahrung. Sie bestehe im Wesentlichen aus Standardbewegungen, wie dem Beineschwingen, dem Rad und vor allem dem Spagat. Doch da gerade dieser den 13- bis 21-Jährigen bis zum Schluss schwerfiel, haben sie sich im Januar zwei bis drei Mal pro Woche für rund zwei Stunden zum Trainieren im Morsumer Kindergarten getroffen. Sogar ein Wochenende nutzten sie für ein Trainingscamp.

In diesem Jahr üben die Jugendlichen jedoch nicht nur für ihren Auftritt als Prinzengarde, sondern erstmals auch für den als Tanzgruppe. "Anders als bei der Choreographie für die Prinzengarde hatten wir bei unserer Performance für die Tanzgruppe vielmehr Spielraum", erklärt Sina Meyer-Nienstädt. Drei Tänze musste die bisher noch namenlose Gruppe einstudieren: Einmarsch, Haupttanz und Zugabe. Für Inspiration und Kreativität sorgten dabei Cheerleaderin Jill Becker und Turnerin Leonie Rogowski sowie die langjährigen tänzerischen Erfahrungen von Nele Wulfers und Annika Ebell. "Und das Ergebnis, eine Jazz-/Popperformance, kann sich sehen lassen", meint die Trainerin.

Nicht zu vergessen sind auch die anderen Tanz- und Sketchgruppen. In diesem Jahr bereits zum siebten Mal dabei sind "Die Einmaligen", eine Gruppe aus neun Männern. Unter der Leitung von Bastian Beuße treffen sich die Morsumer seit Ende Dezember zwei Mal pro Woche im Saal des Gasthauses. Entstanden ist die Gruppe vor sieben Jahren auf einer Hochzeit. "Mit einem Überraschungsauftritt haben wir damals für so herrliche Stimmung gesorgt, dass wir uns dachten: ?Das müssen wir auch unbedingt einmal beim Karneval aufführen!'", erzählt Michael Vöge, Choreograph der Gruppe. Dass es sich bei der Vorstellung vor sieben Jahren nur um eine einmalige Angelegenheit handeln sollte, ist heute längst vergessen. Mittlerweile sind "Die Einmaligen" fester Bestandteil des Karnevalsprogramms. Dass die Gruppe im Kern noch aus denen besteht, die auch bei der Premiere auf der Hochzeit dabei waren, sei jedoch nicht nur auf den Spaßfaktor zurückzuführen. Volker Schote: "Wir möchten verhindern, dass Karneval in

Morsum ausstirbt und dafür sorgen, dass er auch in den nächsten Jahrzehnten zur Tradition gehört." Während "Die Einmaligen" im letzten Jahr als Synchronschwimmer aufgetreten sind, führen sie diesmal eine fedrige Performance im Dunkellicht auf. "Doch bevor es dazu kommt, heißt es traditionell erstmal: Extraschichten", sagt Vöge.

Auf einer Hölzernen Hochzeit aufgetreten und schließlich beim Karneval gelandet sind auch die sechs Männer der "Feinripp-Gang". Zum sechsten Mal in der Morsumer Karnevalsgeschichte bieten sie den weiblichen Gästen unterm Publikum eine heiße Showeinlage. "Als wir im letzten Jahr mit Tigerfell auf die Bühne gekommen sind, konnten wir den Herzschlag zahlreicher Frauen förmlich hören. Das zu übertreffen ist schon eine Kunst", scherzt Heiner Albrecht. Seit Oktober ging es deshalb ans Eingemachte: Erste Vorschläge zu Thema, Musik und Kostüm wurden besprochen und mit der Hilfe von Managerin Margret Hoopmann in die Tat umgesetzt.

Ihr Engagement für die närrische Zeit beschreiben die sechs Männer, die mehr als nur Karnevalskameraden sind, so: "Für uns ist Karneval Teil der Dorftradition. Und um Traditionen zu erhalten, muss man sich für sie einsetzen."

Ein Unterhaltungsgarant ist außerdem das "Bagaluten Duo", verkörpert von Inge Hartwich und ihrer Tochter Laura. "Die Grundidee besteht darin, sich über eine prominente Person oder Gruppe zu belustigen", erklärt die Neunzehnjährige. Im Playbackverfahren und mit allerlei unterschiedlichen Kostümen, Perücken und sonstigen Gegenständen präsentiert das Gespann in diesem Jahr eine lustige Geschichte über zwei freundliche Mannskerle aus dem Süden Hessens. Mit den Vorbereitungen haben Mutter und Tochter, die beide auch im Spielmannszug aktiv sind, schon seit November zu tun. "Da die Musik in unserer Show wortwörtlich den Ton angibt, haben wir viel Zeit damit verbracht, die passenden Lieder auszusuchen und zusammenzuschneiden", erklärt Hartwich. Erst danach wurde sich der Choreographie und den Kostümen gewidmet. Traditionell werden Sänger und Bands der unterschiedlichsten Genres zu hören sein - darunter Modern Talking, Udo Lindenberg und Snoop Dogg.

Mit dem Karnevalstrubel vertraut, ist Inge Hartwich schon seit vier, ihre Tochter seit drei Jahren. "Damals sind Silke Freiermut und ich als Ersatz für eine andere Gruppe eingesprungen. Und da es uns so gut gefallen hat, haben wir beschlossen auch im nächsten Jahr wieder mitzumachen", berichtet die Karnevalistin. Doch aus persönlichen Gründen konnte Freiermut nicht antreten, so dass ein Ersatz her musste. Sofort habe sich Laura angeboten. Beide finden: "Wir sind ein tolles Team - ob in der Küche oder auf der Bühne."

Eine Show zwischen Comedy und Tanz bieten auch die "Flowers". Während die zwölf Frauen und Männer im letzten Jahr ein Duell zwischen Ghostbusters und Mumien, zwischen Gut und Böse präsentiert haben, zeigen sie in diesem Jahr eine einfallsreiche Vorstellung, bei der sich acht Erwachsene auf sonderbare Weise in vier kleine Menschen verwandeln. Unterstützt von zwei "Zauberern" und einer "Badenixe" üben sich diese vier witzigen "Sonderlinge" unter anderem im chinesischen Kampfsport, Ballett und Hiphop. Mit der Arbeit für ihre Show legte die Gruppe Anfang Dezember los. Schnell war eine Grundidee gefunden. "In Eigenregie haben wir ein Bühnenbild gestaltet und unsere Ausrüstung Woche für Woche zusammengesammelt", erklärt Marco Brüns. Tatkräftige Unterstützung erhielten die Frauen und Männer dabei auch von anderen Morsumern.

Zusammengefunden haben die "Flowers" 1998 durch die Beharrlichkeit von Nele Katz und Nadine Klintworth. "Ich wurde in den Karneval reingeboren. Als Kind war ich Mitglied im Kinderkarneval und als junge Frau Prinzessin. Und auch heute möchte ich Teil der fünften Jahreszeit in Morsum sein", erzählt Katz. Zudem gefalle den zwölf Mitgliedern das Beisammensein. "Karneval ist in jedem Jahr wieder ein guter Anlass, Zeit mit alten Freunde zu verbringen", meint Maren Jacobsen.

Für Unterhaltung sorgt zudem Manni Zupke, der erst vor kurzem den Nachwuchspreis "Bremer Comedy" gewonnen hat. Mit einem Wortbeitrag wird er das Publikum amüsieren.

Das Engagement aller Mitwirkenden weiß Präsident Volli sehr zu schätzen. "Mit ihren verschiedenen Ideen lassen sie das Karnevalsprogramm erst zu dem werden, was es heute ist." Ebenso wie die Gäste, denn seit Jahren würden sie "wie selbstverständlich" kostümiert erscheinen und das ohne Kostümzwang.

Für die Abendvorstellung gibt es Karten im Vorverkauf für 12,50 Euro bei Mathias Lührs unter Telefon 04204 / 7417 und für 15 Euro an der Abendkasse. Das Brunchbüfett mit Vorstellung am Sonntag kostet 18 Euro, wer nur die Vorstellung sehen möchte, muss neun Euro zahlen.





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