Die Motivation für diese Erfindung war ziemlich profan. 'Als Hobby-Triathlet brauchte ich ein neues Rennrad, denn mein 30 Jahre altes Stahlrad war einfach zu schwer.' Allerdings ließ es seine Berufsehre nicht zu, einfach ein 'x-beliebiges Carbonrad' zu kaufen. 'Das kann ja jeder. Ich wollte ein wirklich nachhaltiges Fahrrad haben. Also beschloss ich, es selbst zu bauen.' Der Nachteil von Carbon sei die Herstellung, bei der man Kohlefasern auf 1400 Grad Celsius erhitzt. 'Dabei wird viel Energie verschwendet.' Beim Grillen mit Kollegen seines neu gegründeten Unternehmens 'ONYX composites' kam ihm dann aus einer Bierlaune heraus die Idee, bei der Konstruktion seines neuen Rennrads statt auf herkömmliches Carbon auf Hanf zu setzen. Schon sein Vorbild Henry Ford habe 1941 ein Auto aus Hanf gebaut. Leider hatte sich diese Innovation nicht durchgesetzt, doch Ingenieur Meyer dachte sich: Wenn es schon ein Hanfmobil gab, wieso soll es dann kein Hanfrad geben?
Meyer, der schon als Zweijähriger mit Legosteinen gespielt und als Student Sicherheitszellen für Rennwagen gebaut hat, erklärt: 'Es musste Hanf sein, weil der fast genauso leicht ist wie Carbon, aber dafür viel nachhaltiger'. Schon vor seinem Maschinenbau-Studium an der Fachhochschule Osnabrück hatte er jahrelang als Industriemechaniker mit leichten Faserverbundwerkstoffen experimentiert. Dadurch wusste Meyer, das Hanf dieselbe Zugfestigkeit wie Aluminum hat. 'Ich habe gelernt, in Seilen zu denken', sagt der Ingenieur. 'Ich dachte mir, wenn ich es schaffe, den Rahmen so zu verformen, dass er unter Zugspannung steht, dann wird er auch meine 70 Kilo Körpergewicht tragen.'
Von der Idee bis zum fertigen Prototyp verging im Sommer 2009 nur ein Monat. Und der zahlte sich aus. Mit dem Hanfrad gewann er den mit 10000 Euro dotierten Unternehmensgründerpreis 'Durchstarter 2009'. Genau soviel hatte er in die Entwicklung gesteckt. Gewinn macht er zwar erst, wenn ihm eine Firma das Konzept abkauft - aber das sei nur eine Frage der Zeit, glaubt Meyer. Dazu beitragen soll die hannoveraner Messe 'Effizienter - Innovativer - Nachhaltiger', wo er sein Hanfrad ab 19. April präsentieren wird. 'Der Schauplatz in Halle 6, Stand B 26, kostet normalerweise mehrere Tausend Euro. Doch auch den habe ich gewonnen - mit dem zweiten Platz beim Wettbewerb ,Best of Campusgründungen?', erzählt er beiläufig.
Beim Protoyp I, der aus 65 Prozent Hanf, 15 Prozent Bambus und 20 Prozent Carbon sowie Aluminium besteht, soll es nicht bleiben. Sein Ziel ist es, mit seinen sieben studentischen Mitarbeitern einen komplett kompostierbaren Fahrradrahmen zu fertigen. Sarah Maschkötter schreibt daher bei Meyer ihre Bachelorarbeit. 'Ich will das Rad so weiterentwickeln, dass der Rahmen nachher komplett in den Komposter kann.' Voraussetzung ist, dass der Hanf statt in rohölhaltiges Epoxidharz in sojaölhaltiges Harz getränkt wird. Erst dadurch wird der Rahmen kompostierbar. Das Problem: Sojaölbasiertes Harz ist unberechenbar und härtet nicht wie Rohöl-Harz bei exakt 120 Grad aus. Die 25-Jährige ist dennoch zuversichtlich, auch dieses Problem bis zur Abgabe ihrer Arbeit im Sommer zu lösen.
'Bis das erste komplett kompostierbare Fahrrad der Welt, fertiggestellt ist, wird es noch mindestens ein Jahr dauern', schätzt Meyer. Diese Zeit lohnt es sich zu warten. Obwohl das Hanfrad den Konkurrenten aus Carbon im Preis nie schlagen kann, möchte er Kunden wenigstens die Chance geben, selbst zu wählen: Entscheide ich mich für oder gegen die Umwelt? Meyer glaubt fest daran: 'Die bessere Energie-
bilanz wird dem Kunden der höhere Preis wert sein. Daher weiß ich: Das Material der Zukunft ist Hanf.'



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