Unter dem Motto "Nicht die gemeinsame Schule für alle, sondern die richtige Schule für jeden" hatten die CDU-Ortsverbände aus Lilienthal, Grasberg und Worpswede zu einer Informationsveranstaltung in die Gaststätte Rohdenburg in Trupermoor eingeladen. Der sachlich und ideologiefrei geführten Diskussion über die Zukunft des Bildungssystems in Niedersachsen und speziell zwischen Wümme, Wörpe und Hamme folgten zirka 25 interessierte Eltern und Parteimitglieder.
Auf dem Podium saßen neben den beiden christdemokratischen Fraktionschefs aus Grasberg und Worpswede, Heinz Warnken und Stephan Kück-Lüers, Jörn Schneider als Schulexperte der Lilienthaler Union sowie als Gast der Bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Dr. Karl-Ludwig von Danwitz aus Schneverdingen. Durch die öffentliche Parteiveranstaltung führte Axel Miesner, der örtliche Landtagsabgeordnete.
Miesner machte deutlich, dass mit der n Oberschule für Haupt- und Realschüler die Durchlässigkeit der Schullaufbahnen von den Klassen fünf bis zehn sichergestellt werde. Denkbar seien zudem Abituroptionen nach 13 Jahren. Im Gegensatz zur IGS als Angebotsschule, an der nur ein Standort möglich sei, hätte die Oberschule als so genannte Regelschule den Vorteil, dass Grasberg und Worpswede weiterhin ihre Schulen erhalten könnten - eventuell als gemeinsamen Schulverbund. Den gab?s übrigens schon vor langer Zeit mit Orientierungsstufe sowie Haupt- und Realschule.
Sorge um Schulstandort
Heinz Warnken betonte, dass es ihm egal sei, wie die Schule heißt, wichtig sei allein, dass Grasberg als Schulstandort erhalten bleibt, um junge Familien weiterhin in die Gemeinde zu holen. Sein Parteifreund Kück-Lüers sagte, dass Worpswede gegenwärtig die Schüler wegliefen - rund 50 besuchten inzwischen die IGS in Hambergen oder die KGS in Tarmstedt. Eine Oberschule gemeinsam mit der Nachbargemeinde Grasberg könnte diesem Trend entgegenwirken. Das gelte ihm zufolge auch für die demografische Entwicklung. Laut Statistik wurden im Vorjahr im Ostkreis lediglich 237 Kinder geboren, die ab 2015 eingeschult werden: 132 in Lilienthal, 55 in Grasberg und 50 in Worpswede. Der Lilienthaler Christdemokrat Jörn Schneider stellte klar, dass seine Gemeinde zwar genügend Schüler hat, um im Alleingang eine IGS auf den Weg zu bringen. Aber auch aus Solidarität mit den beiden Nachbargemeinden werde seine Partei beantragen, die Ganztagsschule in eine Oberschule umzuwandeln. Damit habe
man keineswegs vor, dem Gymnasium, das seit 35 Jahren besteht, Konkurrenz zu machen.
Karl-Ludwig von Danwitz zufolge soll den kommunalen Schulträgern bereits ab dem nächsten Jahr die Wahlmöglichkeit zugestanden werden, sich für die in ihrer Gemeinde beste Schulform zu entscheiden. Oberschulen, so der Bildungsexperte, kenne man von früher. Damals seien es Gymnasien gewesen. In Zukunft könnten Haupt- und Realschulen sowie Gesamtschulen entweder allein oder im Verbund als neue zwei- oder mehrzügige Schulform bestehen: mit Kurssystem, gymnasialem Zweig, Nachmittagsangeboten sowie sozialpädagogischen Kräften zur Unterstützung der Lehrkräfte. Besonders hob der CDU-Politiker bei diesem Modell die Chance für so genannte Spätstarter hervor, die in der Oberschule mehr Flexibilität und Durchlässigkeit erwartet. Dies gelte speziell für die Hauptschulen, die im bisherigen dreigliedrigen Schulsystem nicht mehr zeitgemäß seien und in denen kaum noch Schüler unterrichtet würden.
Zum parlamentarischen Ablauf teilte von Danwitz mit, dass der Gesetzentwurf der Landesregierung bereits Mitte Dezember im Bildungsausschuss zur Sprache kommen werde. Im Interesse der Kinder und Eltern hoffe seine Fraktion auch auf die Akzeptanz bei den Oppositionsparteien, die bislang ausschließlich das IGS-Modell favorisierten. Im Januar stehe die Verbandsanhörung mit Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern auf dem Plan. Zur Abstimmung kommen solle das neue Schulgesetz dann im März im Landtag, damit es ab Sommer 2011 in den Kommunen in die Praxis umgesetzt werden kann. Parallel dazu werden sämtliche Informationen den örtlichen Schulträgern zur Beratung zugestellt.
Während der Diskussion überwog im Plenum die Zustimmung zu einem Schulmodell, mit dem sich ausgerechnet die Union - hauptsächlich wegen des Ausblutens von Hauptschulen - von ihrem lange Zeit favorisierten dreigliedrigen Schulsystem verabschiedet. Von Seiten der Zuhörer wurde der integrative Ansatz bei Oberschulen begrüßt. Auch konnten Warnken und Kück-Lüers in Sachen eigener Schulstandort die Skepsis von einigen Eltern ausräumen. Überdies stellte Bildungsexperte von Danwitz klar, dass es sich bei der neuen Oberschule um etwas anderes handelt als nur um eine Namensänderung.



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