Landkreis Osterholz. Gleich beim Betreten der Scheune auf Gut Sandbeck wird den Zuschauern bewusst: Heute ist vieles anders. Wo normalerweise bei Aufführungen des Theaters in OHZ die letzten Zuschauerreihen auf einer Erhöhung stehen, finden sich unzählige Wäscheständer aufgereiht. Das Technikhäuschen ist mit einer weißen Wand verkleidet. Einige Zuschauer nehmen auf der eigentlichen Bühne Platz. Die verdrehte Welt bei der letzten Premiere der Scharmbecker Speeldeel dieser Saison hat einen einfachen Grund. Die Inszenierung des niederdeutschen Stücks "Goot gegen Noordwind" braucht Platz. Den gibt es auf Gut Sandbeck nur im Scheunenraum selber.
"Wir haben das schon ein wenig reduziert. In Oldenburg hatten die Kollegen noch viel mehr Trockner aufgestellt", verrät Karl-Heinz Fürst, der federführend für die Technik zuständig ist. Bereits im November hatte das Schauspiel dort Premiere. Jetzt wird die Kooperationsproduktion 14 Mal in Osterholz-Scharmbeck aufgeführt. Es ist wieder ein ungewöhnliches Experiment, das die Laientheatertruppe wagt. "Goot gegen Noordwind" ist keine leichte Kost, auch wenn es sehr kurzweilig und zuweilen auch witzig erscheint. Das Bühnenbild folgt modernen Trends, besteht nur aus besagten Wäscheständern, unzähligen Röntgenbildern und einer kahlen Wand, die für Projektionen verwendet wird. In diesem Gewirr agieren nur zwei Schauspieler, die zu keiner Sekunde körperlich zusammen kommunizieren. Die Akteure schicken sich E-Mails, die Story wird ausschließlich über den Textinhalt dieses zeitgemäßen Kommunikationsmittels transportiert. Keine leichte Aufgabe für Carsten Mehrtens von der Scharmbecker Speeldeel
und Elske Burkert von der August Hinrichs Bühne in Oldenburg, die sie mehr als souverän meistern. Anhaltender Beifall, Getrappel und Begeisterungszurufe zeigen die Zustimmung des Premierenpublikums. Das Wagnis scheint sich zu lohnen.
Allerdings sind auch einige Äußerungen zu hören, die leichtes Unverständnis oder Verwunderung zum Ausdruck bringen. Das Stück ist kein lustiges Volksstück, das einfach einen Abend Unterhaltung bietet. Es ist anspruchsvolles Theater, das auch die Handschrift des professionellen Theaters erkennen lässt. Die Kooperation mit dem Oldenburgischen Staatstheater lotet die Grenzen des Laientheaters genau aus und verrückt sie vielleicht auch ein wenig.
"Solche Dinge muss man wagen", findet Frank E.W. Fromme, der selber häufig auf der Bühne in Osterholz-Scharmbeck steht und als Zuschauer vom Stück schwärmt. So könne das Theater in OHZ auch junge Zuschauer gewinnen, hofft er. Das Risiko, andere Zuschauer ein wenig zu enttäuschen, bestehe allerdings.
Intensives Spiel
"Goot gegen Noordwind" von Ulrike Zemme und Daniel Glattauer fußt auf dem Buch "Gut gegen Nordwind", das ein Bestseller war. Emmi möchte ein Abo per Mail beenden, landet aufgrund eines Schreibfehlers aber bei Leo Leike. Daraus entwickelt sich ein reger Mailverkehr über einen langen Zeitraum. Mehrtens und Burkert geben den Schreibern ein Gesicht, vermitteln Gefühle zwischen Hoffnungen, Bangen, Zuneigung und Wut. Es ist vor allem ihr intensives Spiel, das "Goot gegen Noordwind" sehenswert macht. Dabei könnte die leichte Überarbeitung auf die begrenzten Möglichkeiten dem Stück sogar gut tun. Alles wird gedrängt und etwas intimer. Das Publikum ist nah dran, wenn die Beziehung sich langsam zuspitzt und sich alle gebannt fragen, was aus Emmi und Leo wird.
Viel Zeit hatte Dramaturgin Cornelia Ehlers nicht, um die Inszenierung von Regisseur Dominik von Gunten umzustellen. Die meiste Arbeit hatte das Technikteam. So einen Aufwand haben sie selten. "Wir hatten noch nie einen Beamer im Einsatz", sagt Fürst. Drei Leute sind nötig, um Licht, Projektionen und Musik passend zu steuern. Natürlich profitierten sie auch von der Vorarbeit der Kollegen aus Oldenburg.
Das Stück ist bis zum 22. Februar noch 13 mal in Osterholz-Scharmbeck auf Gut Sandbeck zu sehen. Karten sind unter der Telefonnummer 04791/17317 erhältlich. Auch im Internet gibt es weitere Informationen: www.theater-in-ohz.de.



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