Ein Plan der Arbeitsgruppe "Schulentwicklung im Ostkreis" sorgt derzeit für Gesprächsstoff bei Kommunalpolitikern und Eltern aus der Gemeinde Grasberg: Gingen sie bislang davon aus, dass die Realschüler der Findorffschule ihre Schullaufbahn ungeachtet der neuen Integrierten Gesamtschule (IGS) in Grasberg fortsetzen können, sieht die Lage nun anders aus. Vorgesehen ist, dass die Klassen des siebten bis neunten Jahrgangs zum Schuljahr 2012/2013 sukzessive zur Schule in Worpswede ausgelagert werden. Begründung: Platzmangel.
Der Grasberger Grünen-Abgeordnete Jürgen Backhaus war es, der das Thema am Dienstag im Schulausschuss des Kreistages zur Sprache brachte. Auch er hatte bislang offenbar fest damit gerechnet, dass die Grasberger Realschüler weiter wie gehabt vor Ort unterrichtet werden - unabhängig von der Außenstelle der IGS, die ab dem kommenden Schuljahr in Grasberg mit einem ersten Jahrgang Fünftklässler an den Start gehen soll. Genau so war es nach seinem Verständnis im vergangenen Jahr im Schulausschuss schriftlich von der Kreisverwaltung angekündigt worden. In einer Sitzungsvorlage und dem darin enthaltenen Ausblick für das weitere Verfahren hieß es: "In jedem Fall werden die bisherigen Haupt- und Realschüler in Grasberg, Worpswede und Lilienthal in den nächsten Jahren noch an ihren jeweils bisherigen Standorten unterrichtet". Dass es nun anders kommen soll, findet Kommunalpolitiker Jürgen Backhaus alles andere als witzig: "Wir sollten den Grasberger Realschülern jetzt nicht das Gefühl geben,
Verschiebemasse zu sein. Auch die letzten Jahrgänge haben einen Anspruch darauf, in ihren Interessen ernst genommen zu werden. Die Schülerinnen und Schüler sollten ihre Schullaufbahn dort beenden können, wo sie eingeschult wurden", meint Backhaus.
Dass sie die Interessen der Schüler nicht ernst nehmen, diesen Vorwurf dürften die Verantwortlichen der Planungsgruppe weit von sich weisen. Die Schulleiter der drei beteiligten Haupt- und Realschulen in Lilienthal, Grasberg und Worpswede, Vertreter der Gemeinden und des Landkreises Osterholz sowie der Landesschulbehörde treffen sich regelmäßig, um zu gucken, wie es mit den bestehenden Haupt- und Realschulen und den Schülern auch nach der Einrichtung der IGS im Ostkreis weitergeht. "Dabei geht es um inhaltliche und räumliche Konzepte, die zum Ziel haben, für die Schüler befriedigende Lösungen zu finden", sagt Kreisdezernentin Heike Schumacher. Sie bestätigt die Pläne der Arbeitsgruppe, den siebten, achten und neunten Jahrgang der Gasberger Realschule nach Worpswede zu schicken, während die Hauptschule sowie der sechste und zehnte Jahrgang in Grasberg verbleiben sollen.
Nicht genügend Räume
Dass die älteren Realschüler nach Worpswede umziehen sollen, hat mit den begrenzten Räumlichkeiten an der Findorffschule und den Voraussetzungen in Worpswede zu tun. Alle fünften Klassen der IGS und die sechs Klassen der Realschule könnten in Grasberg nicht parallel untergebracht werden. "Ich sehe nicht, dass beide Schulen vollständig nebeneinander in Grasberg beschult werden können. So viele Räume haben wir nicht", sagt Heike Schumacher. Sie verweist darauf, dass die IGS als Ganztagsschulbetrieb geplant sei, für den unter anderem auch in Grasberg eine Mensa eingerichtet und auch Freizeitbereiche geschaffen werden müssten. Die Planungsgruppe sieht in der Verlagerung nach Worpswede die Chance, dass die Realschüler auch dort weiterhin ein gutes Angebot erhalten. So könne dort wegen der besseren räumlichen Möglichkeiten auch eine größere Auswahl an Wahlpflichtangeboten gemacht werden. Von "Verschiebemasse" könne keine Rede sein.
Die Arbeitsgruppe hat sich laut Schumacher intensiv mit den Inhalten befasst, um jedem Schüler eine gute Beschulung bieten zu können. Wo der Unterricht stattfinde, diese Frage habe nicht oberste Priorität, sagt Heike Schumacher.
Verabredet worden ist, dass es vor einer endgültigen Entscheidung eine Begehung mit betroffenen Eltern, Lehrern, Politikern und der Planungsgruppe durch die Findorffschule geben soll. Dabei sollen sich die Beteiligten ein Bild davon verschaffen, welche Räume zur Verfügung stehen und ob eventuell Reserven vorhanden sind. Einen Termin für den Rundgang gibt es noch nicht.
Im Grasberger Rathaus wird die Entwicklung aufmerksam beobachtet. Bürgermeisterin Marion Schorfmann legt Wert darauf, dass die neue IGS von Anfang an einen guten Start hinlegt. Zugleich dürften aber die jetzigen Schüler der Haupt- und Realschule nicht das Gefühl bekommen, hinten runter zu fallen und an einer Schule unterrichtet zu werden, die als "Auslaufmodell" stiefmütterlich behandelt wird. "Die jungen Leute sollen die Schule mit dem Eindruck verlassen, dass man sich für sie noch einmal richtig reingehängt hat", meint Schorfmann.
Den Zeitraum, all das vernünftig bis zu den Ferien zu organisieren, hält Schorfmann für ziemlich knapp bemessen - zumal viele Fragen noch nicht beantwortet werden können. Sie warnt davor, Entscheidungen übers Knie zu brechen. Es gelte, Eltern, Lehrer und Schüler auf dem gemeinsamen Weg mitzunehmen.



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