| Zwölf Fragen zum Sportjahr 2011 » |
Obwohl sie bisher nie international aufgelaufen sind, greifen die Bremer erst in der dritten Runde des Wettbewerbs ins Geschehen ein. Die Qualifikationsrunden zuvor blieben den Werderanern erspart, weil sie - ja weil sie einfach zu gut besetzt sind. Hinter den topgesetzten Franzosen von Chartres ASTT und dem deutschen Konkurrenten 1. FC Saarbrücken wurden die Hansestädter, zusammen mit Victoria Moskau, auf Position drei aller 57 teilnehmenden Vereine platziert. Das zeigt die Qualität des Teams, das zumindest unter die besten Acht des Wettbewerbs kommen möchte. "Das ist jedenfalls unser Ziel", sagt Teamchef Sascha Greber.
Dabei muss man wissen, dass Werder am Freitag in der Runde der letzten 16 steht, im Erfolgsfall also ins Viertelfinale einziehen würde. Mit einem weiteren Sieg würde Werder dann eigentlich das Halbfinale erreichen, doch diese Runde wird, wie im Fußball in der Europa League, aufgestockt durch die Drittplatzierten der Champions-League-Gruppen.
Adrian Crisan trägt Mitschuld daran, dass die Bremer über eine so hohe Qualität verfügen. Nach zehn Jahren in Ochsenhausen, nach neun Teilnahmen an der Champions League, wechselte der Rumäne zu Saisonbeginn als Nummer eins zu Werder. Anfangs nur eingeschränkt, inzwischen aber sehr erfolgreich. "Es war eine große Umstellung für mich", sagt der 30-Jährige. Nun scheinen die Probleme abgestellt, fühlt sich die Nummer 31 der Weltrangliste in Bremen und speziell in der Östlichen Vorstadt, wo er wohnt, endgültig angekommen. Mit Fingerzeig auf seine Nase und Hinweis auf eine abklingende Erkältung macht Adrian Crisan deutlich, dass er auch schon Erfahrung mit dem herbstlichen Schmuddelwetter gesammelt hat.
Im ETTU-Cup nur Einzelduelle
Am Freitag aber, da ist er sicher, wird er fit am Tisch stehen. Ob an Position eins oder zwei, wird sich noch zeigen. Mit Jens Lundqvist hat Trainer Cristian Tamas nämlich einen zweiten Topmann im Kader, der sich in den vergangenen Wochen in starker Verfassung präsentierte. Crisan und der Schwede sollten die Garanten eines Bremer Erfolges sein über einen Gegner aus Prag, dessen beste Akteure, Michal Bardon (147) und Lubomir Jancarik (193), in der Weltrangliste viel weiter hinten stehen.
Position drei jedenfalls ist bei Werder fest vergeben an Adrian Dodean, der zwei weitere Wochen den verletzten Lars Hielscher vertreten muss. "Bei Lars geht es noch nicht wieder", sagt Sascha Greber. Das Knie des Nationalspielers ist immer noch nicht voll belastbar, frühestens in der nächsten ETTU-Pokalrunde Mitte Dezember sei mit Hielscher wieder zu rechnen. Am Freitag stehen - im Gegensatz zum Liga-Spielbetrieb - nur Einzel an; maximal fünf, wenn vorher nicht schon eine Mannschaft drei Siege eingefahren hat.
Für Sascha Greber und Cristian Tamas ist das Spiel gegen Vrosovice der nächste Schritt auf dem Weg nach oben. Bundesliga-Aufstieg vor fünf Jahren, nun ETTU-Cup, und in der Liga erstmals die realistische Chance aufs Erreichen der Play-off-Runde der besten Vier: Werder ist, zumindest im Tischtennis, voll auf Kurs.
Crisan hat Niederlage nicht vergessen
Als Fußball-Anhänger von Werder leidet Adrian Crisan augenblicklich zwar wie alle anderen Fans, doch als Tischtennis-Spieler strotzt er vor Selbstvertrauen. Kuriosum am Rande: Gegen Jancarik hatte der Rumäne Anfang der 90er-Jahre bei den Ungarn Open für Schüler seine erste internationale Partie überhaupt bestritten - und verloren. Hat er da nicht noch eine Rechnung offen? Adrian Crisan stutzt für einen Moment, um dann herzhaft zu lachen. Diese Niederlage, so sagt er, habe er zwar nicht vergessen, aber Angst bereite sie ihm nun auch nicht.






