Tischtennis-Bundesligist Werder Bremen

 - 10.03.2011

Sympathieträger Hielscher muss gehen

Von Jörg Niemeyer
Bremen. Lars Hielscher und Werder Bremen - das passt. Seit über dreieinhalb Jahren schlägt der Tischtennis-Profi für den Bundesligisten auf. Werders Aufschwung in der deutschen Eliteliga: Er ist zu einem guten Teil auch Lars Hielscher zu verdanken, der zuverlässig punktete. Wenn er denn konnte... In dieser Saison konnte er verletzungsbedingt viele Wochen nicht.
Lars Hielscher spielt seine vierte und letzte Saison für Werder Bremen.
Lars Hielscher spielt seine vierte und letzte Saison für Werder Bremen.

Jetzt ist Lars Hielscher zwar wieder gesund und wurde am vergangenen Sonntag in Bamberg an der Seite von Bastian Steger (Saarbrücken) auch neuer deutscher Meister im Doppel. Doch sein Vertrag an der Weser läuft aus - und wird nicht verlängert. "Nicht seine sportliche Leistung ist ausschlaggebend", sagt Sascha Greber, "aber er war zuviel verletzt." Es gebe keinen anderen Grund, versichert Werders Teamchef, auch der Nationalspieler sieht nur diesen einen. Und der sei, so räumt der 31-Jährige offen ein, durchaus nachzuvollziehen. "Mein Pech ist, dass ich vier Wochen zu spät wieder fit geworden bin." Diese Zeit fehlte Lars Hielscher, um nach seiner langwierigen Knieverletzung den Beweis anzutreten, wieder "der Alte" zu sein.

Am Sonntag in Bamberg hat er viele Sätze spielen müssen, bis sein vierter Doppel-Titel schließlich perfekt war. Hielscher und Steger, 2006 schon gemeinsam deutsche Meister, benötigten gegen ihre jungen Nationalmannschaftskollegen Patrick Franziska und Philipp Floritz (Hanau/Plüderhausen) sieben Sätze und die Verlängerung des letzten, um mit 4:3 (-2, 3, -8, 6, 7, -9, 10) zu gewinnen. "Die DM war ein Härtetest", sagt Hielscher, "bei dem ich gemerkt habe: Auch bei voller Belastung hält das Knie." Zu diesem Zeitpunkt stand allerdings schon fest, dass er in Werders kommender Bundesliga-Spielzeit nicht mehr dabei sein wird. "Uns war das Risiko einfach zu groß", sagt Sascha Greber. Als er vor fast genau vier Jahren Lars Hielscher verpflichtete, hatte der gerade seine erste lange Verletzungspause hinter sich gebracht. Damals überwog bei den Werderanern das Vertrauen, diesmal sind sie skeptischer. An der Wertschätzung des Spielers lässt der Teamchef indes keinen Zweifel. "Er ist bei uns ein absoluter Sympathieträger." Ein Akteur, der gern geblieben wäre und der nicht ausschließt, eines Tages wieder in Diensten Werders zu stehen.

Während Sascha Greber und Trainer Cristian Tamas die Zukunft des Teams ohne Lars Hielscher planen, zählt der Rechtshänder aktuell natürlich noch zum Personal. Das steht, nachdem es in der Meisterschaft das Erreichen der Play-off-Runde verpasst hat, immer noch vor wichtigen Aufgaben. In der Liga, in der am Sonntag um 15 Uhr gegen Herne das vorletzte Heimspiel ausgetragen wird, will es mindestens Sechster werden, um sich erneut für den europäischen ETTU-Pokal zu qualifizieren. Und in eben diesem Wettbewerb gibt es morgen um 19 Uhr in Paris das undankbare Viertelfinal-Rückspiel gegen AS Pontoise Cergy. Undankbar, weil der Gegner Mitte Januar das Hinspiel in Bremen mit 3:0 gewann und dabei nur vier Sätze abgab.

"Es wäre vermessen zu sagen, dass wir noch eine große Chance aufs Halbfinale haben", sagt Sascha Greber, zumal bei Cergy Adrien Mattenet und Peter Franz zuletzt ganz starke Form bewiesen und Zoltan Fejer-Konnerth als Dritter im Bunde ebenfalls sehr hoch einzuschätzen ist. Andererseits besteigen die Werderaner heute ihr Flugzeug nach Paris zumindest mit einem Fünkchen Hoffnung auf eine Sensation. Ein 3:0 bei insgesamt nur drei abgegebenen Sätzen - und die Bremer zögen doch noch ins Halbfinale ein. Warum nicht? Neben Hielscher sicherte sich am Wochenende auch der Rumäne Adrian Crisan seinen (neunten) nationalen Meistertitel im Einzel, Jens Lundqvist wurde in Schweden Dritter. Werders Trio ist offenbar bereit für ein Wunder.





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