Werder Bremen

 - 11.03.2011

Marin würde auch gegen Gladbach jubeln

Von Thorsten Waterkamp
Bremen. Mesut Özil tat es einst gegen die Türkei. Julian Schieber tat es kürzlich gegen seinen Stammverein VfB Stuttgart. Miroslav Klose tat es im Januar gegen den Ex-Klub Werder. Sie alle trafen und taten dann...nichts. Kein Jubelschrei, kein Sprung, Hüpfer oder hochgerissene Arme - aus einer Herzensangelegenheit, aus alter Verbundenheit oder schlichtweg aus Respekt. Morgen spielt Werder gegen Borussia Mönchengladbach, und Marko Marin, der Ex-Gladbacher, hält's anders: Nur keine Hemmung - er würde jubeln.
Freude und Erleichterung bei Marko Marin nach seinem Tor zum 3:1 gegen den SC Freiburg.
Freude und Erleichterung bei Marko Marin nach seinem Tor zum 3:1 gegen den SC Freiburg. Gegen seinen Ex-Verein Gladbach würde er genauso jubeln.

Dabei wäre die Situation für Marin durchaus schwierig - für die Gladbacher ist die Partie im Weserstadion noch wesentlich mehr ein Abstiegsendspiel als für Werder. Jedes Tor gegen den Letzten der Liga wäre ein kleiner Todesstoß, jeder Treffer würde die Borussia ein Stückchen mehr in die zweite Liga stoßen. Aber weil Werder nun einmal - dem zarten Aufschwung zum Trotz - ebenso noch am Rande des Abstiegs wandelt, fühlt sich Marko Marin der Gegenwart verbundener als der verklärten Vergangenheit. Einen selbst auferlegten Jubel-Zölibat gegen den Klub, bei dem er als Profi groß geworden ist? Nicht mit ihm: "Wenn ich treffe, werd' ich mich ganz normal freuen", sagt er, "und ich hoffe, dass ich treffe." Womit er zumindest schon einmal einen verbalen Volltreffer gelandet hat, mitten ins Gladbacher Herz.

Damit ist sich Marin nur selbst der Nächste. "Natürlich ist das für mich ein interessantes Spiel, weil es gegen meinen Ex-Verein geht", gesteht er - ganz ohne Herzblut geht's dann doch nicht angesichts des einst gemeinsam gefeierten Klassenerhalts 2009. Perfekt wurde der erst in Marins allerletztem Spiel als Gladbacher.

Rehabilitation in Freiburg

Aber andererseits geht es morgen auch um Marko Marin selbst, um seine kurzfristigen Perspektiven. Gegen Leverkusen fand er sich nebst Marko Arnautovic und Aaron Hunt auf der Bank wieder, aussortiert alle drei wegen fehlender Leistungsnachweise in den Partien zuvor. Und weil die Rechnung von Trainer Thomas Schaaf vor zwei Wochen aufging, hatten die Degradierten in Freiburg erst einmal das Nachsehen und einen Platz auf der Bank bekommen.

Marins (und Arnautovics) Rehabilitation in Freiburg begann ab Minute 59 mit ihrer Einwechslung. Wichtig sei gewesen, "dass wir Zug zum Tor aufgenommen haben", erklärte Schaaf gestern, "das lag an beiden eingewechselten Spielern". Marin stach dabei mit der Vorbereitung des 2:1-Führungstreffers und mit seinem Tor zum 3:1 in der Nachspielzeit hervor - fand auch Schaaf in der Retrospektive: "Seine Aktionen waren ja wichtig."

So viel Lob war in dieser Saison bislang eher Mangelware für Marko Marin. Der dribbelstarke Offensive übertrieb oft den Alleingang, dribbelte sich fest, aus der Eins-gegen-eins-Situation wurde dann schon mal schnell eine Eins-gegen-drei-Situation und ein Ballverlust. Wird er mit dieser Feststellung konfrontiert, reagiert Marin allerdings gewohnt forsch. Ob's denn da eine Statistik drüber gebe, wollte er gestern grinsend wissen, als die Frage gestellt wurde. "Ich glaube, von der Effektivität her sieht das bei mir ähnlich aus wie letztes Jahr", korrigierte er den Fragesteller.

Die gute Vorstellung im Breisgau war augenscheinlich ein guter Nährboden für das Selbstbewusstsein des ohnehin forschen Offensivspielers. Die Zeit auf der Bank soll, wenn möglich, schon gegen Mönchengladbach wieder beendet sein. "Ich hoffe, dass ich Samstag von Anfang spiele", sagt Marin. Damit er Zeit genug hat für ein Tor. Und für den Jubel.






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