Werders Bundesliga-Mannschaft

 - 05.04.2011

Tischtennis-Team setzt Aufstieg fort

Von Jörg Niemeyer
Bremen. 6 - 12 - 17: Drei Zahlen, die für drei Positionen in der Spieler-Rangliste der am Sonntag beendeten Saison in der Tischtennis-Bundesliga stehen. 6 - 12 - 17: Diese Zahlen stehen für Adrian Crisan, Sharath Kamal Achanta und Jens Lundqvist. Dieses rumänisch-indisch-schwedische Trio, vom Rumänen Constantin Cioti zum Quartett erweitert, wird in der kommenden Spielzeit für den SV Werder Bremen auflaufen. Zumindest statistisch gesehen haben die Werderaner gute Chancen, dann erstmals in die Playoff-Spiele um die deutsche Meisterschaft einzuziehen.
Trainer Cristian Tamas
Werder Bremens Trainer Cristian Tamas

Am Sonntag, nach dem überzeugenden 3:1-Erfolg über den SV Plüderhausen, hat Werders Nummer eins Adrian Crisan vorsichtig angedeutet, dass Platz vier das nächste Ziel seines Klubs sein müsste. Kamal Achanta, mit einer 17:10-Bilanz Topmann des Absteigers TSV Gräfelfing, hatte schon kurz nach der Bekanntgabe seines Wechsels an die Weser erklärt, dass er mit den Bremern ins DM-Halbfinale will. Sein künftiger Trainer hält sich diesbezüglich mit Prognosen noch zurück. "Es macht jetzt keinen Sinn", sagt Cristian Tamas, "solange ich nicht weiß, was sich personell bei der Konkurrenz getan hat, kann ich unsere Chancen nicht ernsthaft einschätzen."

Lassen wir also noch einmal Zahlen sprechen: 7 - 11 - 15 geben die aktuellen Platzierungen des 1. FC Saarbrücken wieder, und der zieht als Dritter in die Playoff-Spiele um die deutsche Meisterschaft am 10. und 23. April gegen den Tabellenzweiten TTF Ochsenhausen (5 - 7 - 10). Dem Vierten, TTC Grenzau, reichten 3 - 20 - 22 - 28, um sich gegen den ungeschlagenen Vorrunden-Sieger Borussia Düsseldorf (1 - 2 - 4 - 23) für die DM-Vorschlussrunde zu qualifizieren. Sollten Patrick Baum, Timo Boll, Christian Süß und Janos Jakab die Meisterschaft nicht gewinnen - es wäre die Sensation des Jahres.

Mit Platz sechs zufrieden

Für Werder ist die Saison 2010/11 seit zwei Tagen beendet. Platz sechs macht die Verantwortlichen, Cristian Tamas und Teamchef Sascha Greber, nicht wirklich glücklich. Aber zufrieden mit dem Erreichten sind sie schon - aus zwei Gründen: Erstens dämpfte das Verletzungspech von Lars Hielscher frühzeitig die Hoffnungen auf nationale und, ja, erstmals auch internationale Erfolge; und zweitens hat der SV Werder in seinem Bemühen, das Umfeld der Bundesliga-Mannschaft zu verbessern, Riesenfortschritte gemacht.

Die neue Halle wurde im Vorjahr schon eingeweiht, im kommenden Sommer wird die ersehnte hochkarätige eigene Trainingsgruppe ihre Arbeit aufnehmen. Mit Crisan, Achanta und Cioti werden erstmals seit Bundesliga-Zugehörigkeit der Werderaner drei Mannschaftsmitglieder in der Hansestadt leben. Zudem hat sich Lundqvist verpflichtet, künftig eine Woche vor den Partien nach Bremen zu kommen, wo der ehemalige deutsche Meister Peter Franz, Werders bisherige Nummer vier Adrian Dodean, Alexandru Petrescu, Irfan Beganovic und Philipp Flörke als Trainingspartner warten. "Wir haben ein Team, von dem ich vor Jahren nur geträumt habe", sagt Cristian Tamas und freut sich riesig auf die neuen Möglichkeiten.

Mit ein wenig mehr Glück hätten die Bremer schon in der abgelaufenen Spielzeit die nächste Stufe auf der Erfolgsleiter erklimmen können. "Lars Hielscher hat uns alles in allem 18 Wochen wegen Verletzung gefehlt", resümiert der Trainer, "so gesehen ist es sogar eine gute Saison geworden." Für Lars Hielscher kam Adrian Dodean zum Einsatz, der seine Sache gut machte, den erfahrenen Nationalspieler aber nicht ersetzen konnte. Und weil Adrian Crisan nach zehn Jahren in Ochsenhausen verständlicherweise einige Anlaufschwierigkeiten in Bremen hatte, startete Werder mit 2:6 Punkten aus den ersten vier Spielen. Crisan verlor vier seiner ersten sechs Einzel - am Saisonende lautet seine Bilanz in 26 Einzeln 19:7. "Adrian hat unter dem Strich eine grandiose Saison gespielt", sagt Cristian Tamas. "Wir müssen die nächste Spielzeit nur besser anfangen", sagt Adrian Crisan - und meint dabei sicherlich auch sich selbst.

Strahlend wie selten präsentierte sich nach dem letzten Auftritt auch Jens Lundqvist. Der Schwede, der sich über die Spanish Open ab morgen und über die WM im Mai in Rotterdam noch für Olympia 2012 in London qualifizieren möchte, gewann als Nummer eins gegen Plüderhausen beide Einzel und bestätigte damit seinen Aufwärtstrend der vergangenen Monate. Der 31-Jährige wirkt fitter als zu Saisonbeginn, er hat ein bisschen abgenommen. "Ich fühle mich hervorragend", sagt er - nicht zuletzt ein Ergebnis seiner neuen Zusammenarbeit mit einem Fitnesstrainer in seiner Heimat. Für eine Olympia-Teilnahme muss Lundqvist Ende Mai zweitbester Schwede in der Weltrangliste sein - derzeit ist er hinter Per Gerell Dritter. "Ich kann es noch schaffen", gibt er sich kämpferisch wie am Sonntag, als es zunächst auch nicht gut für ihn aussah.

Verpatzte Europacup-Premiere

Licht und Schatten gab es für Werder auch auf europäischer Bühne. Erstmals für den ETTU-Cup qualifiziert, übersprangen die Bremer zwei Hürden souverän, bevor sie sich im Januar national wie international eine Krise nahmen. Das enttäuschende 0:3 gegen AS Pontoise Cergy im Viertelfinal-Hinspiel zerstörte den Traum vom Halbfinale - das 3:1 im Rückspiel in Paris war nur ein schwacher Trost.

In der Bundesliga verloren die Werderaner im Januar vier von fünf Partien. Diese Niederlagen bedeuteten das frühzeitige Ende der Bremer Playoff-Ambitionen, die jedoch mit der Zusammenstellung der Mannschaft für 2011/12 rasch wieder aufleben werden. Das Werder-Publikum ist dankbar, wie 700 Besucher beim Saison-Kehraus erkennen ließen. Aber es hat auch Appetit bekommen auf Mehr. Wie Werders Verantwortliche, auch wenn die sich offiziell in Zurückhaltung üben.






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