Trainingsgast bei den Rugby-Damen von Union 60

 - 18.07.2011

Ein blauer Fleck als Souvenir

Von Liane Janz
Peterswerder. Nach einigem Suchen auf der großen Sportanlage bin ich am Ziel. Mit den Worten „Hier komm’, zieh’ dir mal das Trikot an. Das T-Shirt reißt bloß“ empfängt mich Nina Corda. Im Rugby geht es eben nicht gerade zimperlich zu, und die Trikots, die die Damen tragen, halten doch einiges mehr aus, als mein herkömmliches Baumwollshirt. Nina gibt mir dann auch noch eine Hose zum Trikot, die ich einfach über meine Jogging-Hose ziehe. Eine andere Spielerin leiht mir noch Stollenschuhe – und dann kann es losgehen.
WESER-KURIER-Mitarbeiterin Liane Janz beim Rugby
WESER-KURIER-Mitarbeiterin Liane Janz beim Rugby

Nina spielt Rugby bei Union 60 und das probiere ich auch mal aus. Das Training leitet Coach Gerd Gessler. Zunächst geht es mit einfachem Passen los. Alle acht Spielerinnen, Gerd und ich – stellen sich im Kreis auf und werfen sich den Ball zu. Gerd steht neben mir. „Wenn du deine Hände offen nebeneinander hältst, die Daumen zueinander, dann kannst du den Ball besser annehmen“, sagt er mir und zeigt auch gleich, was er meint. Außerdem soll ich den Ball beim Fangen und Passen vor dem Bauch führen – also beispielsweise mit beiden Händen auf Höhe der rechten Taille annehmen und über den Bauch nach links weiterspielen. So weit, so gut.

Dann bringt Gerd noch einen zweiten und später einen dritten Ball ins Spiel. Gepasst wird reihum. „Jetzt mal alle durcheinander. Nennt den Namen von der Spielerin, zu der ihr passen wollt“, sagt Gerd plötzlich. Und jetzt bekomme ich ein Problem. Nina kenne ich ja, weil sie mich ausgestattet hat. Mit Lena habe ich den Termin vereinbart und Kim habe ich am Spielfeldrand bei einigen Herrenspielen kennengelernt. Den Rest habe ich zwar auch schon mal irgendwann gesehen, aber bisher sind die Frauen für mich nur Gesichter ohne Namen. Anna, Anne, Nadine, Feline und Nathalie stellen sich mir vor – und mein Kurzzeitgedächtnis arbeitet auf Hochtouren. Letztlich funktioniert das aber besser als meine Zielgenauigkeit. Zwar fällt mir meistens der richtige Name zu einem Gesicht ein, doch der Ball landet trotzdem woanders. Na ja, jeder fängt mal an.

Diese Übung war noch vergleichsweise einfach, zum Aufwärmen sozusagen. Gerd Gessler teilt uns nun in zwei Teams ein. Jedes Team soll für sich das Passen während des Laufens trainieren. Alle stehen hintereinander in einer Reihe. Die Erste hat den Ball. Die Zweite sagt an, zu welcher Seite die Erste den Ball passen soll. Und dann heißt es: Laufarbeit. „Rechts“ ruft die Nummer zwei. Alle Spielerinnen dahinter müssen sich nun zum einen nach rechts auffächern und zum anderen nach vorn laufen und Anschluss halten. Dann wird durchgepasst und ich merke wieder einmal, dass Leichtathletik noch nie meine Stärke war. Ich bin die Letzte in der Reihe, verliere den Anschluss an Kim und muss sprinten, um den Ball noch zu bekommen. Das Spielchen wiederholt sich einige Male. Nur wenn ich an zweiter oder dritter Stelle stehe, gelingt das Zuspiel. Wenn die Letzte den Ball hat, geht’s von vorn los.

So laufen wir einige Male über den Platz, bis Gerd zur nächsten Trainingseinheit aufruft: Tackling. Davor hatte ich mich ein wenig gefürchtet.

Nina übernimmt das Tackle-Kissen. Wir sollen in sie hineinlaufen. „Du gehst tief. Dann legst du dich hin und schiebst den Ball raus, damit dein Support ihn aufnehmen kann“, erklärt mir Gerd. Aber erst hinlegen und dann den Ball wegschieben, nicht vorher schon den Ball fallen lassen. So weit die Theorie.

In der Praxis habe ich zum einen Hemmungen, Nina aus vollem Lauf zu rammen – daran ändert auch das Kissen nichts – und zweitens fällt mir der Ball etliche Male bereits aus der Hand, bevor ich am Boden liege. Dann legt Nina das Kissen weg, die Übung bleibt die gleiche, nur dass ich nun vorher den Ball im Lauf zugespielt bekomme und hinter mir zwei weitere Spielerinnen laufen, um mich zu unterstützen und den Ball zu sichern. Nina wird versuchen, ihn mir wegzunehmen.

„Du kannst ruhig richtig in mich reinlaufen. Das macht mir nichts aus“, versichert sie mir. Angst ihr weh zu tun, habe ich trotzdem. Und deshalb brauche ich auch ein paar Anläufe, bis ich mich tatsächlich richtig in sie reinwerfe.

Wenn ich in sie reingeknallt bin, muss ich versuchen, mich auf den Boden zu legen und im besten Fall ziehe ich sie mit runter. Dadurch kann sie den Ball dann auch nicht spielen. Allerdings ist Nina wesentlich kräftiger als ich und es gelingt ihr einige Male, mich so festzuhalten, dass ich nicht zu Boden gehen kann. Gleichzeitig zerren wir beide heftig am Ball. Diese Art von Kraft musste ich bisher noch nie aufwenden.

Nach dieser Übung trainieren wir auf Sand weiter. Gerd zeichnet eine Fläche in den Sand. Feline und ich knien uns dort hinein, den Ball in der Mitte. Dann sollen wir miteinander ringen, um den Ball zu erobern und ihn hinter der Auslinie ablegen zu können. Das macht in dem Moment sogar Spaß, die Auswirkungen merke ich erst einen Tag später: Als ich die Treppen im Pressehaus herunterlaufe, knackt es ordentlich in beiden Knien.

Zum Abschluss des Trainings spielt Gerd mit uns Beach-Rugby. Drei gegen drei. Nina schenkt mir einen Mundschutz, der allerdings mehr stört als schützt, weil er noch nicht angepasst ist. „Den musst du kurz in heißes Wasser halten und dann fest an deinen Oberkiefer drücken, um ihn anzupassen“, erklärt Anne mir. „Mach das mal und dann kommst du wieder“, sagt Nina zum Abschied.

Und ich muss gestehen, dass das Training nicht halb so brutal ist, wie es die Herrenspiele vermuten lassen. Klar habe ich einen blauen Fleck als Souvenir – beim Tackle-Training ist mir jemand auf mein Bein getreten – aber Spaß hat es trotzdem gemacht.

Interessierte Frauen, die den Sport einmal ausprobieren möchten, können dienstags um 19.30 Uhr in der Pauliner Marsch mittrainieren. Die Rugby-Damen spielen in der Regionalliga und sind immer auf der Suche nach Verstärkung. Weitere Informationen im Internet unter www.rugby-bremen.de.






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