| Zwölf Fragen zum Sportjahr 2011 » |
Im Prinzip verfolgen alle das gleiche Ziel, nur: Nicht für alle liegt es zu Füßen des Rolands, wo der Bremen-Marathon auch diesmal wieder beginnt und endet. Sabine Böhrer-Tietjen beispielsweise trainiert für die 42,195-Kilometer-Strecke in Berlin am 25. September. Dreimal ist die 48-Jährige in Bremen gelaufen, einmal in New York - in diesem Jahr startet sie in der Hauptstadt. "Berlin soll ja die schnellere Strecke haben", sagt Sabine Böhrer-Tietjen mit einem Augenzwinkern.
Bei ihren bisherigen vier Marathons hat sie die Laufzeit von 3:45 Stunden verpasst - am übernächsten Sonntag soll es nun klappen. Wie in den vergangenen Jahren baut Sabine Böhrer-Tietjen wieder auf die Unterstützung von Frank Mäusner. Der 46-Jährige - mit Marathon-Bestzeit von 2:34 Stunden - hat nach 25 Jahren Schluss gemacht mit dem Leistungssport und führt im neunten Jahr mit großem Engagement Läufer zur Marathon-Reife. Die zu erreichen, erfordere ein Höchstmaß an Disziplin. "Einen Marathon bekommt man nicht geschenkt. Den verdient man sich", sagt Frank Mäusner. Die Aussage ist ihm wichtig - wohl deshalb fällt sie an diesem Abend gleich mehrfach. So befindet sich in der insgesamt 48- köpfigen Gruppe, die Mäusner in den zwölf Wochen bis zum 2. Oktober betreut, auch kein Aktiver ohne Lauferfahrung.
Stammtischredner unerwünscht
Eine Schnapsidee am Stammtisch reicht nicht, um bei Mäusner unterzukommen. Die Trainingsgruppe wäre zu unterschiedlich in ihrem Leistungsvermögen. Außerdem wäre, so warnt der Ex-Leistungssportler, die Verletzungsgefahr bei Untrainierten aufgrund der Überbelastung zu groß. Wer jedoch 10-Kilometer-Volksläufe und auch schon ein paar Halbmarathons in den Beinen hat, ist ein geeigneter Kandidat für Mäusner und Söhngen, der sich als Trainer um die 21,1-Kilometer-Läufer kümmert.
Dietrich Krätschell passt in dieses Anforderungsprofil. Vor über 20 Jahren war der 44-Jährige Leistungsradsportler, schaffte es als Amateur immerhin bis zu den A-Fahrern. Krätschell hielt sich immer fit, stieg aber erst 2009 ernsthaft in den Laufsport ein. Wie Sabine Böhrer-Tietjen schloss er sich dafür der Mäusner-Trainingsgruppe an. 2010 in Hannover lief er seine Bestzeit im Halbmarathon - gute 1:31:58 Stunden. "Wenn du mit Halbmarathon anfängst und Lust auf Grenzerfahrung hast, musst du einfach Marathon laufen", sagt er mit spürbarer Vorfreude auf seine Premiere am 2. Oktober. Sich darauf allein vorzubereiten, käme ihm nicht in den Sinn. "Frank spricht jeden von uns ganz persönlich an und fragt ständig den Leistungsstand ab", lobt Krätschell seinen Trainer, und nebenbei finde man auch noch Gruppenanschluss.
Fast zehn von zwölf Vorbereitungswochen liegen inzwischen hinter der Trainingsgruppe. Mindestens vier Einheiten pro Woche gehören zum Plan, sie finden allerdings nicht immer im Kollektiv statt. "Muss auch nicht", sagt Frank Mäusner, der aber ein detailliertes Angebot für seine Schützlinge vorhält. Montags Athletikschulung, dienstags Ausdauer-Intervalle, freitags Tempotraining und sonntags klassisch der lange Lauf bis zu 35 Kilometern Länge: So sieht, verkürzt dargestellt, der Übungsbetrieb aus. Manche Trainer bevorzugen eine zehnwöchige Vorbereitung, Mäusner liebt's länger, denn: "In zwölf Wochen kann man auch mal zwei, drei Tage pausieren, ohne die Form zu verlieren."
So eine Pause könne nötig sein, weil es körperliche Probleme gibt. "Manch einer hat in dieser Phase aber auch mentale Schwierigkeiten", sagt der Trainer. Meistens seien diese nach Einzelgesprächen aus der Welt geschafft. Von übertriebenen Entbehrungen während der Marathon-Vorbereitung hält Mäusner nichts. Natürlich müsse man auf die Ernährung achten, viel trinken. Man sollte viel Obst und Gemüse essen. Wer Fleisch mag, sollte am besten auf Geflügel umstellen; und Alkohol sollte man weitgehend meiden, weil er grundsätzlich leistungshemmend sei. Verbieten würde Frank Mäusner jedoch nichts - außer den Verzicht aufs Frühstück vor einem Lauf. "Ohne Frühstück geht's nicht", sagt er und empfiehlt zwei bis drei Toasts mit Honig und Tee.
Von den Läufern ist inzwischen niemand mehr da. Noch ruhiger als sie ihr Trainingsprogramm absolviert haben, sind sie in den wohlverdienten Feierabend gegangen.









