| Zwölf Fragen zum Sportjahr 2011 » |
Glückwunsch zur Berufung als DHB-Trainer. Haben Sie sich am Sonntagabend noch ein Gläschen Sekt gegönnt?
Frank Carstens: Nee. Dafür stecken wir zu sehr in der Arbeit. Aber natürlich freue ich mich über die Berufung.
Es scheint, als hätten Sie 2009 als Bester Ihres Trainerlehrgangs beim DHB mächtig Eindruck hinterlassen...
(Lacht) Weiß ich nicht... Ich denke, dass die Berufung in erster Linie durch die Ergebnisse meiner Trainerarbeit in Hannover und in Magdeburg im vergangenen Jahr zustande gekommen ist.
Im Ernst: Wie kommt man an so einen Posten? Schreibt der DHB ihn aus, und Sie haben sich darauf beworben?
Nein. Martin Heuberger hat mich angerufen, schon früh im Sommer, und mich gefragt, ob ich sein Nachfolger werden könnte. Das musste ich ablehnen, weil Martin noch für die Junioren und die Militärauswahl zuständig war und dieses Aufgabenfeld für mich deutlich zu groß gewesen wäre. Der SCM ist meine Priorität. So war nur die Tätigkeit des Co-Trainers möglich.
Gab es denn besondere Berührungspunkte zwischen Ihnen und Martin Heuberger?
Wir hatten ein paar Mal miteinander zu tun - vor allem wegen Tim Hornke, der bei mir in Magdeburg spielt. Aber Martin hatte mich in Hannover auch schon zum DHB-Stützpunkttrainer ernannt. Danach haben wir uns immer mal wieder getroffen und unterhalten zu unterschiedlichsten Themen. Ganz sicher lagen wir da auf einer Wellenlänge.
Mal ehrlich: Wie stolz sind Sie nach dieser Berufung?
Das ist eine große Ehre für mich und Anerkennung für meine bisher geleistete Arbeit. Auch als Co-Trainer von Martin Heuberger werde ich ja eine gewisse Verantwortung tragen. Gerade wenn man jetzt die nächsten Aufgaben sieht mit der EM und der damit verbundenen Möglichkeit, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, ist es natürlich für den deutschen Handball unglaublich wichtig, diese Ziele auch zu erreichen.
Wann werden wir Sie erstmals auf der DHB-Bank sehen können?
Der Jahresplan steht natürlich. Die erste Maßnahme ist ein Trainingslager vom 2. bis 6. Oktober, danach Ende Oktober, Anfang November der Supercup.
Sie haben in der Bundesliga gerade einmal zwei Spielzeiten als Trainer hinter sich. Können Sie Ihren kometenhaften Aufstieg nach einem Jahr bei der TSV Hannover-Burgdorf und einem Jahr beim SC Magdeburg überhaupt schon fassen?
(Atmet tief durch) Schwer zu sagen...
Oder ist das Tempo gar nicht so atemberaubend, erscheint das vielleicht nur Außenstehenden so?
Ja, könnte sein. Wenn man sich mitten drin im Geschehen befindet, nimmt man das gar nicht so wahr. Natürlich ist das alles großartig, eine tolle Sache. Aber man muss halt jeden Tag wieder seine Aufgaben lösen, von daher kehrt immer wieder ganz schnell der Alltag ein.
Ihr Engagement beim DHB ist zunächst bis zum Ende der EM im Januar 2012 in Serbien befristet. Wissen Sie schon, welche Aufgaben als Heuberger-Assistent auf Sie zukommen werden?
Es gibt eine klassische Aufteilung. Mir sind eher die Aufgaben für den Trainingsalltag zugedacht - zum Beispiel Außenspieler und Torhüter zu betreuen, wenn auf der anderen Seite im taktischen Bereich gearbeitet wird. Das zweite Aufgabenfeld ist Spielstatistik und Spielanalyse allgemein. Ich bin Gesprächspartner für den Bundestrainer sowohl in Sachen Personalsichtung als auch in Sachen Taktikentscheidung, um so möglichst zur optimalen Entscheidung für die Mannschaft zu kommen.
Werden Sie auch internationale Spiele beobachten?
Nein. Das ist mit der Tätigkeit in Magdeburg nicht zu vereinbaren. Aber im Rahmen meiner Tätigkeit in der Bundesliga gehört die Beobachtung sowieso zu meinen Aufgaben.
Besteht die Gefahr, dass Ihre Tätigkeit für den SC Magdeburg unter Ihrer künftigen Doppelbelastung leiden könnte?
Sicher ist es eine große Anforderung, alles so zu organisieren, dass genau das nicht passiert. Klar ist, dass ich zuerst für den SCM da bin; mit dem Verein habe ich mein Arbeitsverhältnis. Aber da mir mein Co-Trainer Dirk Pauling aus Hannover, der mich schon im Rahmen meiner A-Lizenz-Ausbildung vertreten hat, jetzt auch in Magdeburg zur Seite steht, glaube ich, dass wir das auch hier gut hinbekommen werden.
SC Magdeburg, DHB und Frank Carstens wollen sich im Januar 2012 zusammensetzen, um die weitere Zukunft zu planen. Kann es sein, dass Sie ab 1. Februar 2012 nur noch für den DHB arbeiten?
Nein. Ausgeschlossen.
Anders herum gefragt: Sehen Sie sich schon als erfahren genug an, um Auswahlteams zu trainieren?
Es ist ein neues Feld für mich, ich habe noch nie mit Auswahlteams zu tun gehabt. Aber ich freue mich sehr darauf und denke, dass ich mich nicht verstecken muss und meine Qualitäten ins DHB-Trainerteam einbringen kann.
Mit dem SC Magdeburg haben Sie mit zwei Siegen aus drei Spielen einen guten Bundesliga-Start hingelegt. Welche Ziele visieren Sie mit dem Team an?
Wir sind sehr gut gestartet. Wir hatten ein schweres Auftaktprogramm und auch bei der Niederlage gegen die Füchse Berlin haben wir gut gespielt. Wir wollen Platz sieben aus der Vorsaison bestätigen, haben mit dem EHF-Cup aber auch eine zusätzliche Belastung in dieser Saison. Das Final Four im Pokal ist immer ein Ziel, das allerdings auch extrem vom Losglück abhängt.
Urplötzlich sind Sie ein Olympia-Kandidat geworden. Haben Sie schon mal daran gedacht, dass Sie - wenn bei der EM alles gut geht - mit der DHB-Auswahl im Sommer 2012 nach London reisen werden?
Natürlich träumt man davon. Aber jetzt steht erst einmal die Aufgabe EM in Serbien an.
Wie fühlen Sie sich bei dem Gedanken, dass Sie sich künftig möglicherweise auf den ganz großen Handball-Bühnen der Welt bewegen?
Ich glaube, wenn jemand wie Sie von draußen draufguckt, muss das unglaublich wirken. Ganz ehrlich: Im täglichen Geschäft ist das einfach meine Arbeit. Ich glaube, auch die Bundesliga ist eine ganz große Bühne. Da erfolgreich zu arbeiten, ist mein großes Ziel gewesen. Auch die Tätigkeit als Co-Trainer ist natürlich etwas Tolles, aber ich empfinde das nicht unbedingt als nochmalige Steigerung.
Was trauen Sie der Nationalmannschaft in dieser Saison zu?
Ich hoffe, dass wir den nächsten Schritt in Richtung Olympia-Qualifikation schaffen.
So wie die Terminplanung abgestimmt ist, scheint es, als stünde Ihre Karriere beim DHB in engem Zusammenhang mit dem Abschneiden der Nationalmannschaft bei der EM. Kann man das so sehen?
Nein, die Tätigkeit ist - das glaube ich jedenfalls - nicht nur erfolgsabhängig. Vielmehr müssen wir erst mal sehen, wie diese Doppelbelastung zu organisieren ist und wie wir zusammenarbeiten. Da ist so eine Probezeit das Beste, ein kurzes Intermezzo mit einem wichtigen Turnier gut, um dann zu sehen, wie wir sozusagen unter Feuer kooperieren. Denn das Wichtigste ist die Zusammenarbeit zwischen Martin und mir und nicht, in welchem Vertragsverhältnis ich stehe.
Unabhängig vom aktuellen Stand: Sie werden in der kommenden Woche 40 - erst 40. Sie stehen immer noch am Anfang Ihrer Trainerlaufbahn. Welche sportlichen Ziele visieren Sie persönlich noch an?
Kurzfristig mit dem SCM erfolgreich sein. Mit dem Klub möchte ich in Europa spielen, mittel- bis langfristig gedacht vielleicht mal einen europäischen Titel gewinnen. Kurzfristig ist natürlich auch die Olympia-Qualifikation mit der Nationalmannschaft ein großes Ziel.
Zur Person: Frank Carstens, Sohn des früheren Wilhelmshavener Bundesliga-Trainers Jürgen Carstens, wechselte nach insgesamt acht Jahren beim TV Grambke Bremen im Jahr 2000 vom damaligen Handball-Zweitligisten zum Erstligisten GW Dankersen Minden, bei dem er bis 2003 zum Kader gehörte. Bis 2006 lief Carstens für den OHV Aurich auf, den er nach seiner aktiven Laufbahn für ein Jahr trainierte. Es folgte das Traineramt bei der TSV Hannover-Burgdorf, die Carstens 2009 in die Bundesliga führte. Anfang 2009 hatte der Coach die A-Lizenz als Lehrgangsbester erworben. Nach dem geglückten Klassenerhalt verließ Carstens, der am 26. September 1971 in Rotenburg/Wümme zur Welt kam, 2010 Burgdorf mit Ziel SC Magdeburg. 2011 folgte nun die Verpflichtung zum Co-Trainer der Nationalmannschaft. In Bremen lernte Frank Carstens seine Frau Svenja kennen, mit der er vier Kinder hat.






