| Zwölf Fragen zum Sportjahr 2011 » |
Für Werders Nummer drei, Kamal Achanta, war die Partie am Freitag eine kleine Reise in die Vergangenheit. Vier Jahre hatte Werders Neuzugang für San Sebastian gespielt, ehe er nach Deutschland zum TSV Gräfelfing wechselte und nun mit seinem aktuellen Klub auf seine alten Kameraden traf. "Das ist schon eine befremdliche Situation, wenn du plötzlich gegen einen Freund spielen musst", sagte Achanta, nachdem er die für ihn nicht leichte Aufgabe souverän gemeistert hatte.
In seiner spanischen Zeit hatte der Inder drei Jahre mit Alfredo Carneros ein Zimmer geteilt - sie waren dick befreundet, standen immer auf der gleichen Seite. Gestern nicht. Nur einmal zuvor, in Peking bei den Olympischen Spielen 2008, hatte es so eine Situation gegeben, auch damals behielt Achanta die Oberhand. "Gegen Spieler, die ihn nicht kennen, ist Alfredo richtig stark", lobt der Werderaner seinen Kumpel. Der allerdings hatte das Pech, dass Achanta ihn nach wer-weiß-wie-viel gemeinsamen Trainingseinheiten richtig gut kennt. Was der 32-Jährige gnadenlos ausnutzte. Erst beim 10:4 gestattete sich der Werderaner einen kleinen Durchhänger, um trotzdem glatt mit 11:7 zu gewinnen. Im zweiten Satz führte der Spanier sogar mit 8:5, um noch mit 9:11 zu verlieren. Ein Punktverlust zum 8:6 wegen falschen Aufschlags hatte Carneros jedoch sichtlich aus der Fassung gebracht. Der Rest war Formsache: Achanta, seit Wochen in aufsteigender Form, ließ nichts mehr zu und sicherte dem Bundesligisten 82 Minuten nach dem ersten Ballwechsel den Einzug in die 4. Runde, in der Werder Anfang Dezember das französische Team Vaillante Angers (3:1 gegen Olimpia Grudziadz) empfängt.
Lundqvist legt Grundstein zum Sieg
"Achanta hat erneut stark gespielt", sagte Trainer Cristian Tamas. Für den Inder galt letztlich dasselbe wie zuvor für Jens Lundqvist und Adrian Crisan: Sie zeigten gegen ihre Kontrahenten jeweils überzeugende Vorstellungen. Dass darunter die Spannung litt und das Publikum nicht so auf seine Kosten kam wie gewohnt - man sollte es den überlegenen Siegern nicht vorwerfen. In der Tat herrschte vor nur gut 100 Besuchern eine komische Stimmung. Braves Klatschen, nicht mehr, als die Gastgeber soeben immerhin in einem europäischen Wettbewerb triumphiert hatten.
Den Grundstein zum Erfolg legte Jens Lundqvist. Da es in der Frühphase des ETTU-Cups pro Runde nur ein Spiel gibt, wird ausgelost, wer auf dem Spielberichtsbogen Heimvorteil hat. Das Los entschied gegen Werder, sodass der Schwede als Nummer zwei gegen San Sebastians Besten, Shiwei Dong, starten musste. Und das machte Lundqvist glänzend. Hochkonzentriert gewann er die ersten beiden Sätze, ehe er im Gefühl des scheinbar sicheren Sieges nachließ und schließlich mit ein bisschen Glück und zwei hervorragenden Angriffsbällen nach dem 9:9 im vierten Satz die Begegnung für sich entschied.
"Das war eine gute Vorgabe für mich", freute sich Adrian Crisan. Mit dem 1:0 im Rücken spielte er gegen den jungen Alvaro Robles seine ganze Routine aus und erhöhte in einer guten Viertelstunde auf 2:0. "Das gibt uns Rückenwind für die Bundesliga-Partie am Sonntag", resümierte Crisan. Zufrieden war auch Cristian Tamas: "Wir haben den Gegner nicht ins Spiel kommen lassen." Die Form der Werderaner stimmt also, aber TTF Ochsenhausen wird morgen um 15 Uhr in der Werder-Halle vermutlich ein anderes Kaliber darstellen als es die Spanier gestern waren.






