| Zwölf Fragen zum Sportjahr 2011 » |
Bremen. Tomas Seyler steht auf der dreieckigen Bühne. Daumen und Zeigefinger hat er fest um den Pfeil gepresst. Seine Fingerkuppen färben sich bereits weiß. Um ihn herum wird es still. Er setzt zum Wurf an. Sekunden später ist es geschafft. "Gameshot and the match to Shorty Seyler", ruft Sprecher Phil Harrison, der "Master of Ceremonies". Mit geballter Faust verleiht Seyler seiner Freude Ausdruck. Und auch das Publikum scheint erlöst. Hatte man doch kaum zu atmen gewagt, während auf der hell erleuchteten Bühne ein Finale der Extraklasse ausgespielt wurde.
Nur gelegentlich erklang von den Zuschauerrängen ein "Los Digger, du schaffst das". Gemeint war natürlich "Shorty" Seyler. Er verbuchte beim Einzelwettbewerb in der Halle des TuS Komet Arsten einen Sieg, der in die Geschichte des Gold Cups eingehen wird. Mit einer imposant starken und vor allem konstanten Leistung bezwang er Gegner um Gegner und siegte im Finale auch gegen den Belgier Geert de Vos mit 3:1. Der zweimalige PDC-WM-Teilnehmer durfte sich über wertvolle Punkte in der Einzelrangliste des Deutschen Dart-Verbandes (DDV) und ein Preisgeld in Höhe von 700 Euro freuen. "Ich habe konstant gespielt", sagte der gebürtige Bremerhavener nach dem Finale. Für die knapp 200 Zuschauer stand fest: "Es gibt nur einen Shorty Seyler." Und sie feierten ihren Helden minutenlang.
Rund 600 Meldungen gingen beim ausrichtenden Bremer Landesverband HBDV ein, allein in der Herrenkonkurrenz waren 400 Darter am Start. Darunter auch der aktuelle BDO-Weltmeister Christian Kist (Niederlande) und Titelverteidiger Thomas Junghans (Schweiz). Im Feld der Damen, das von der Weltranglistenzweiten Irina Armstrong angeführt wurde, waren ebenfalls Aktive aus ganz Europa angereist.
"Es kommen Spieler, die ein gewisses Niveau haben", weiß Sportwart Oliver Hinz. Er weiß aber auch, dass das im Vergleich zum Vorjahr wieder gestiegene Meldeniveau mit dem Ende des Turniers in Bremen zusammenhängt. "Die Tendenz der Teilnehmerzahlen in den letzten Jahren ist rückläufig", sagt Hinz und ergänzt: "Bevor unsere Mitglieder einen zusätzlichen Beitrag leisten müssten, haben wir uns entschieden aufzuhören." Nun trifft sich im März das Präsidium, um nach einem neuen Austragungsort für das zweitgrößte Ranglistenturnier Deutschlands zu suchen. Für Bremen - so viel steht fest - ist nach fast 30 Jahren Schluss. Ein Großereignis dieser Art ist finanziell nicht mehr tragbar - auch wenn es jahrelang die Elite des Dartsports an die Weser lockte. "Wir haben uns fast ausschließlich über die Gastronomie finanziert", betont Hinz.
Frühes Aus für Weltmeister Kist
Generell scheint 2012 für die Bremer Dartsportszene ein Jahr des Abschieds zu sein. Klaus Wagner, gebürtiger Bremer und langjähriger "Caller" bei verschiedenen DDV-Ranglistenveranstaltungen, moderierte das Gold-Cup-Damenfinale und beendet seine Karriere im Februar mit einem letzten Auftritt in Berlin. "Ich mache das nun schon seit 30 Jahren. Dazu gekommen bin ich wie die Jungfrau zum Kind", verrät er und lacht. Jetzt möchte er den Platz räumen.
War das Herrenfinale eine recht ausgeglichene Angelegenheit, so ging es zuvor bei den Damen deutlich einseitiger zu. Titelverteidigerin Aileen de Graaf setzte sich gegen die russische Weltranglistenzweite Irina Armstrong glatt mit 2:0 (2:1, 2:0) durch. Erfolgreichste Bremerinnen waren Verena Ritze von den Grambker "Devils" und die amtierende Landesmeisterin Bianca Bober, die beide das Feld der letzten 16 erreichten.
Viel erwartet wurde vom aktuellen Weltmeister Christian "Lipstick" Kist, der für seinen WM-Titel in England vor wenigen Wochen noch 100000 britische Pfund Preisgeld kassiert hatte. Der BDO-Weltmeister siegte zum Auftakt gegen Vorjahressieger Thomas Junghans aus der Schweiz, musste sich dann aber bereits im nächsten Duell seinem Landsmann Jac Proosten mit 1:3 geschlagen geben. Der zweite Bremer Lokalmatador Michael "Mecki" Klönhammer, der 2011 noch bis in Viertelfinale vorgedrungen war, schied bereits in seinem Erstrundenspiel gegen den späteren Finalisten Geert de Vos (Belgien) aus. "Beim Dart kann eben jeder jeden schlagen", kommentierte Florian Menzel (Dart Haie Witten) das unerwartete Aus des Weltmeisters Kist. Der 18-jährige Wattenscheider, der auf Platz eins der Jugendweltrangliste liegt, schaffte es ebenfalls nicht ins Hauptfeld.
Die Titel in den Doppelkonkurrenzen gingen an das Duo "Thomas & Thomas" (Junghans/Bremgartner) aus der Schweiz sowie an die Paarung Armstrong/Jenkins. Im Wettbewerb um die Deutsche Mixed-Meisterschaft gewann das Berliner Duo Skaro/Prybylek im Finale gegen Westermann/Kock.






