| Zwölf Fragen zum Sportjahr 2011 » |
Das Auslandssemester in den USA hatte viele angenehme Seiten. Die 23-Jährige erwarb wichtige Kenntnisse für ihr Lehramtsstudium in Sport und Englisch, machte Bekanntschaft mit dem US-amerikanischen Fußball - und richtig schön warm war es in der Nähe Atlantas auch noch. Holsten: "Im Dezember bin ich noch im T-Shirt und kurzen Hosen rumgelaufen."
Diese Zeiten sind vorbei, das Stipendium an der Clayton State University ist Geschichte. Nun geht es darum, die "schöne Erfahrung" gewinnbringend in ihr neues, altes Team einzubringen. Schließlich war Josefine Holsten eine feste Größe in Werders Innenverteidigung, ehe sie im vergangenen Sommer dem Lockruf aus dem USA erlag.
Abgegeben hatte ihn Gareth O'Sullivan. Der Ire trainiert das weibliche Fußballteam der "Clayton State", und er hat einen guten Freund in Bremen. Also war O'Sullivan im vergangenen Sommer zu Gast in der Stadt, um sich nach geeigneten Kandidatinnen für sein Team umzusehen. Natürlich beobachtete der Coach dabei auch die Frauen von Werder. Und bei Josefine Holsten passte alles: Die spielerische Klasse wie auch die persönliche Lebenssituation. Denn die Abwehrspielerin benötigte für ihr Studium ohnehin ein Auslandssemester. Sie war deshalb gern bereit, das Angebot eines Fußballstipendiums anzunehmen.
Eher rustikal: Fußball in den USA
In den USA, wo der Sport an den Universitäten eine viel größere Bedeutung hat als in Europa, macht man das so: Gute Sportler mehren das Ansehen der Uni, also holt man sie und lässt sich das auch gern ein paar Dollar kosten. Zwischen August und Dezember stand also die Saison in der College-League an. Als "mittelmäßig erfolgreich" beschreibt Josefine Holsten, was dabei am Ende herauskam. Im entscheidenden Turnier der regionalen Meisterschaft war sie im Viertelfinale mit ihrem Team ausgeschieden. Das war okay - auch wenn schon mehr drin gewesen wäre für eine Mannschaft, in der neben Holsten noch weitere Gastspielerinnen aus Irland, Spanien, Schweden und Südafrika standen.
Herauskam dabei nämlich ein College-Team, dessen Niveau die Rückkehrerin als "wirklich gut" bezeichnet; durchaus vergleichbar mit der 2. Bundesliga in der Heimat. Die Spiele allerdings gestalteten sich ganz anders als in Deutschland. "Eher ,Kick and Rush'", sagt Josefine Holsten. Heißt: Auf Taktik legte man weniger Wert, lange Bälle waren Trumpf und in Ballbesitz kam, wer sich durchsetzen konnte.
Diese eher rustikale Spielweise brachte gewisse Anpassungsprobleme mit sich. "Am Anfang habe ich immer auf einen Schiedsrichterpfiff gewartet", erzählt Josefine Holsten. Die Kickerin aus Bremen musste sich umstellen. Erst danach konnte sie ihre Stärken richtig einbringen. "Spielerisch und taktisch war ich den anderen überlegen", sagt sie.
Nun bleibt abzuwarten, ob die "neue" Josefine Holsten auch wieder in Bremen ankommt - oder ob sie das athletischere Spiel erneut anpassen muss. "Bislang bin ich aber noch nicht negativ aufgefallen", sagt die Abwehrspielerin lachend. Ihr Trainer findet sowieso, dass die Rückkehr der Innenverteidigerin seinem Team nur guttun kann. "Wir freuen uns, dass sie wieder da ist - Josefine wird die Mannschaft bereichern", sagt Werder-Coach Dirk Hofmann.
Am Sonntag (14 Uhr) wollen Werders Frauen gegen den TSV Havelse nach zwei Wochen Training erstmalig ein Testspiel bestreiten - Josefine Holsten steht also vor ihrem Comeback. Sie wird sich warm anziehen. Ihre Gegnerinnen sollten dies aber besser auch tun.






