Basketball-Bundesliga

 - 06.02.2012

Cains Glückswurf ebnet Eisbären den Weg

Von Jörg Niemeyer
Bremerhaven. Die Eisbären Bremerhaven haben in der Basketball-Bundesliga im Kampf um den Einzug in die Play-off-Runde der besten Acht einen wichtigen Sieg gelandet: In einem dramatischen Spiel setzte sich die Mannschaft von Doug Spradley gegen die New Yorker Phantoms Braunschweig nach Verlängerung mit 92:87 durch.
Jason Cain rettete die Eisbären Bremerhaven gegen Braunschweig in die Verlängerung.
Jason Cain rettete die Eisbären Bremerhaven gegen Braunschweig in die Verlängerung.

Die Zufriedenheit stand ihm ins Gesicht geschrieben, aber sein Finger sah überhaupt noch nicht gut aus. "Es hat nicht gestört, es war okay", sagte Jason Cain, dessen Einsatz für die Eisbären Bremerhaven gegen die Phantoms Braunschweig keineswegs sicher gewesen war. Cain, der Ex-Braunschweiger, hatte sich vor Wochen den Zeigefinger seiner rechten Wurfhand ausgekugelt - und zwar so unglücklich, dass der Knochen sich von innen durch die Haut nach außen gebohrt hatte. Cain wirkte nach langer Verletzungspause natürlich noch nicht völlig fit, er traf von acht Würfen aus dem Feld auch nur drei - und doch war er der Matchwinner der Gastgeber. Genau 1,7 Sekunden vor der Schlusssirene versenkte er aus acht Metern einen Dreier zum 79:79 im Korb - die 3350 Zuschauer abzüglich der vielleicht 300 Gästefans gerieten schier aus dem Häuschen.

Was war das für ein Spiel verrücktes Spiel? Meist hatten die Eisbären geführt. Aber immer dann, wenn sie wegzuziehen schienen, gönnten sie sich Auszeiten. "Wir haben uns mit leichten Fehlern oft selbst in Schwierigkeiten gebracht", sagte Trainer Douglas Spradley. 9:2 hieß es nach dem Blitzstart seines Teams, kurz vor der ersten Viertelpause plötzlich 18:19. Beim 29:22 (13.) betrug der Vorsprung erneut sieben Punkte, beim 34:33 (18.) waren die Phantoms wieder dran. 48:39 (22.) stand es zu Beginn der zweiten Halbzeit, 58:57 (30.) wenig später. Vor allem Center Kyle Visser (15) und der erst 18-jährige Aufbauspieler Dennis Schröder (14) spazierten häufig durch die Eisbären-Abwehr, die diese Bezeichnung phasenweise nicht verdiente.

Was die Gastgeber allerdings auszeichnete: Sie kämpften aufopferungsvoll. Dass es spielerisch nicht sonderlich lief, war nicht einmal überraschend, fehlten mit Torrell Martin (Knieprobleme) und Terrell Everett (Brustprellung) doch zwei eminent wichtige Akteure. Da auch die Gäste nicht in Bestbesetzung aufliefen, hieß es in dieser Hinsicht unentschieden. "Unentschieden wäre wohl auch das gerechte Ergebnis des Spiels gewesen", fand Doug Spradley. Weil es das im Basketball aber nicht gibt, musste nach einer dramatischen Schlussphase mit Cains Glückswurf als Krönung die Verlängerung herhalten. Und in der erwiesen sich die Eisbären als das bessere Team, insbesondere und endlich in der Abwehr. Spannend ging's dennoch wieder zu: Erst sieben Sekunden vor Ende verwandelte Mike Smith zwei Freiwürfe zum erlösenden 92:87.

Nach nur zwei Punkten in der ersten Halbzeit wurde Mike Smith zum Helden der zweiten Halbzeit und der Verlängerung. Zuvor hatte sein Namensvetter Anthony Smith im Alleingang die Bremerhavener im Spiel gehalten. Die Geschichte von Jason Cain, der seinem Ex-Klub den Sieg raubte, war schon gut, aber die von Anthony Smith letztlich noch besser. Gestern lief sein Spielervertrag bei den Eisbären aus; und als wäre es nötig gewesen, seinen Wert noch einmal aufzuzeigen, spielte der 25-Jährige eine erste Halbzeit, die es in der Bundesliga nicht oft zu sehen gibt.

17 Punkte erzielte Anthony Smith bis zur Pause, einen Dreier dann gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit. "Dass er am Ende nicht mehr als 21 Punkte hatte, lag daran, dass ich ihm keine Pause geben konnte", sagte Doug Spradley. Der Trainer ließ seinen Topscorer die kompletten 45 Minuten auf dem Feld. "Ja , ich habe eine gute erste Halbzeit gespielt, aber wir haben als Mannschaft gewonnen", sagte Anthony Smith bescheiden. "Nein, ich habe nicht an den Vertrag gedacht", sagte er auch. Und dass er weiter für Bremerhaven spielen möchte. "Gehen Sie davon aus, dass er bis zum Saisonende bei uns bleiben wird", erklärte Manager Jan Rathjen kurz darauf. Das klang so, als ob er Smiths gestrige Leistung als Entscheidungshilfe nicht mehr benötigte.

Derweil dachte Doug Spradley schon an den kommenden Sonnabend. "Jetzt müssen wir in Gießen einen Sieg nachlegen", sagte der Trainer, der dann auf mehr Personal hofft. Möglicherweise können neben den beiden Smiths auch Martin und Everett wieder als Leistungsträger dabei sein.

Eisbären: Canty (6), M. Smith (20), A. Smith (21), McNaughton (15), Gordon (6), Peacock (13), Raffington (1), Cain (10).





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