| Zwölf Fragen zum Sportjahr 2011 » |
Bremen. "Stellung, fertig, los", tönt es in den Hallen von Bremen 1860 auf bis zu zehn Bahnen gleichzeitig. Achim Bellmann springt wie ein Panther nach vorn, sticht zu und trifft seinen Gegner an der Brust. Ein weiterer Punkt für Bellmann zum 5:3-Endstand in diesem Duell. Bellmann schreit vor Freude und strahlt über beide Ohren, als er seine Maske abnimmt. Der Fechter, der mit dem Degen 1985 Deutscher Meister und Weltmeister mit der Mannschaft wurde, ist der hochkarätigste Teilnehmer, der beim 29. Friesenturnier antrat.
Kaliber wie Bellmann bilden beim Traditionswettkampf eher die Ausnahme. Gefochten wird im Marathonmodus. Ein Gefecht dauert drei Minuten, wer zuerst fünf Treffer erzielt, gewinnt das Duell. Jeder muss gegen jeden mit gleicher Waffe und Geschlecht antreten. Für jeden einzelnen Teilnehmer bedeutete das bis zu 27 Duelle an einem Tag. Neben der gastfreundlichen und professionellen Ausrichtung von Bremen 1860 ist dies ist ein Grund, warum Fechter aus ganz Deutschland, Schweden und Dänemark den Weg in die Hansestadt auf sich genommen haben.
"Die Gefahr wie bei K.O.-Turnieren gleich in der ersten Runde auszuscheiden und frustriert den Heimweg anzutreten, besteht beim Friesenturnier nicht. Die Motivation der stärkeren Kämpfer besteht darin, sich in kürzester Zeit auf eine Vielzahl von Gegnern einzustellen und auch konditionell gefordert zu werden", sagt Joachim Hoops. Der Abteilungsleiter der Fechtabteilung von Bremen 1860 kümmerte sich zusammen mit elf weiteren Helfern des Schwachhausener Vereins um die Ausrichtung des Turniers. Dieses Jahr traten 86 Athleten im Alter von 15 bis 76 Jahren an.
Im Florettfechten sicherte sich Vorjahressieger Jan Bardenhagen erneut den ersten Platz. Für den 21-jährigen Medizinstudenten ist das ganz normal. Sein Medizinstudium in Münster lässt Bardenhagen zwar kaum noch Zeit für den Fechtsport, aber für das Friesenturnier reiste er in die alte Heimat. Früher trainierte er bis zu sechs Mal die Woche und trat bei Junioren-Weltcups an. Der Ehrgeiz ist geblieben. Ohne das Ziel beim Friesenturnier zu gewinnen, wäre er gar nicht erst angetreten.
Bei den Damen siegten Kerstin Palm (Florett) und Anastasiya Myanovska (Degen). Für die 1860-Fechter und Fechterinnen Marga Zenth, Kathrin Gebhardt, Dietrich Seevers, Lukas Höft und Arnim Cronjaeger reichte es dieses Jahr nur für Platzierungen im Mittelfeld.
Vater-Sohn im Degen-Zweikampf
Zum großen Showdown kam es beim Degenfechten der Herren. Favorit Achim Bellmann (54) musste im Marathonmodus nur eine Niederlage hinnehmen. Für den Gesamtsieg reichte das noch nicht aus. Ein zweiter Teilnehmer schaffte das gleiche Kunststück: sein 17-jähriger Sohn Lukas, der sich in der DFB-Rangliste der A-Jugend auf Platz drei befindet. Es kam zum Stechen zwischen Vater und Sohn, bei dem Lukas Bellmann mit einem knappen 5:4-Sieg als Gewinner hervorging. Es war das erste Mal, dass Achim Bellmann gegen seinen Sprössling, der das Turnier als Vorbereitung für internationale Turniere nutze, eine Niederlage hinnehmen musste, so Bellmann Senior. Gefreut hat er sich trotzdem, nur dieses Mal nicht ganz so laut.






