Tischtennis-Bundesliga

 - 15.03.2011

Kamal Achanta wechselt zu Werder

Bremen. Trainer, Teamchef und Spieler des Tischtennis-Bundesligisten SV Werder Bremen gehen gern italienisch essen. Vermutlich mögen sie alle die Italienische Küche, vielleicht ist die Wahl des Stammrestaurants auch nur der Kompromiss, auf den sich die drei Rumänen, die zwei Deutschen und der eine Schwede geeinigt haben. Zur neuen Saison wird sich aber einiges ändern. Es wird exotischer - auf jeden Fall in personeller, möglicherweise auch in kulinarischer Hinsicht. Denn mit Kamal Achanta hat Werder erstmals einen Inder für seine Mannschaft verpflichtet.
Trainer Cristian Tamas
Werder Bremens Trainer Cristian Tamas

Es ist aber nicht die Aussicht auf indische Gerichte, die Werders Verantwortliche so glücklich macht. Zwar könnte der 28-jährige Asiat, der seinen Lebensmittelpunkt an die Weser verlegen wird, seine künftigen Weggefährten tatsächlich mal in privatem Kreis bekochen. Viel wichtiger jedoch ist Teamchef Sascha Greber und Trainer Cristian Tamas, dass der Inder die Werderaner sportlich weiterbringen wird. "Unser Kader ist über die Jahre kontinuierlich verstärkt worden - das ist nun der nächste Schritt", sagt Greber, "einen Spieler von seinem Kaliber wollten wir haben." Aktuell ist Achanta die Nummer 50 der Welt. Im August 2010 war er 39. - seine bisher beste Platzierung und exakt die, die Werders derzeitiger Topmann Adrian Crisan einnimmt.

Bei Werder guckt man indes nicht nur auf die Weltrangliste. "Er ist ein ehrgeiziger Spieler", sagt Greber, "einer, der in Bremen wohnen wird, der in unseren finanziellen Rahmen passt und der selbst sagt, dass er sich sportlich bei uns entwickeln möchte." Nicht nur das. "Mit Werder will ich die Play-off-Runde erreichen", verkündet Achanta vollmundig. Da lehnt er sich weiter aus dem Fenster als es Greber und Tamas tun - zumindest offiziell.

Die beiden Macher sind mit ihrem Konzept der kleinen Schritte stets gut gefahren. Trotzdem ging es dabei ständig bergauf. Eine Tatsache, die die Verhandlungsposition der Werderaner enorm verbessert hat. "Im Vorjahr", sagt Tamas, "steckten wir zu dieser Zeit noch im Abstiegskampf." Jetzt sind die personellen Planungen abgeschlossen. "Und das Team wird stärker sein als in dieser Saison", glaubt der Trainer. Dennoch äußert er sich zu den künftigen Zielen noch nicht. Die komplette Liga habe sich in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt, da könne er frühestens etwas sagen, wenn auch die Besetzung der Konkurrenz endgültig feststehe.

Mit Achanta komme ein Akteur, auf den sich auch die Fans freuen könnten. Der Inder spielt spektakulär, gilt als Allrounder, der gegen Abwehr- und Penhoulder-Spieler glänzt, und als ein Mann, der sein Potenzial verlässlich gegen schwächere Gegner abrufen kann. Mit der bisherigen Spielbilanz von 12:8 in seiner ersten Bundesliga-Saison ist Achanta beim TSV Gräfelfing der Einzige mit Erstliga-Format. Weil Greber und Tamas zu Ohren gekommen war, dass Achanta beim Liga-Schlusslicht keine Zukunft habe, fragten sie bereits im Dezember beim Inder an. Nach drei Tagen Probetraining in der Hansestadt wurden sich beide Seiten im Februar schnell einig.

Mit Achanta wechselt ein alter Bekannter nach Bremen: Constantin Cioti, einst der erste auswärtige Spieler, der unter Greber und Tamas seine Zelte an der Weser aufschlug, beendet sein Spanien-Gastspiel und ist künftig Werders Nummer vier. "Ich habe viel Vertrauen zu ihm, er wird unserem Team weiterhelfen", freut sich Tamas über die Rückkehr seines Landsmanns.

Hielscher und Dodean müssen gehen

Die Kehrseite der Medaille: Wenn zwei kommen, müssen auch zwei gehen. "Im Sport kann man nicht immer nur mit dem Herzen entscheiden", sagt Cristian Tamas. Die Entscheidung, den Vertrag mit Lars Hielscher nach vier Jahren nicht mehr zu verlängern (wir berichteten), ist also ein Stück höher gefallen, im Kopf des Trainers. Sascha Greber denkt genauso: Weil der bald 32-jährige deutsche Nationalspieler lange verletzt war, ist künftig kein Platz mehr für ihn. "Das Risiko wäre uns einfach zu groß gewesen."

Ein schmerzlicher Entschluss, zumal Hielscher in den vergangenen dreieinhalb Jahren großen Anteil daran hatte, dass Werder überhaupt Bundesligist blieb. In dieser Spielzeit bewies auch Adrian Dodean, dass er viel dazugelernt hat: Als Hielscher ausfiel, fuhr der junge Rumäne gleich mehrere wichtige Erfolge ein. Doch nun muss auch er gehen. Greber und Tamas suchen händeringend nach einem Verein, wo Dodean "geparkt" werden soll, um eines Tages vielleicht nach Bremen zurückzukommen.

Stolz ist Abteilungsleiter Werner Meyer auf die Entwicklung im Verein. "Jetzt haben wir eine Trainingsgruppe von europäischem Format", sagt er - auch in der Hoffnung auf internationale Erfolge. So weit denken Tamas und Greber noch nicht. Sie sind erst einmal froh, dass sie nach der eigenen Halle nun endlich auch ihre eigene feste Übungsgruppe beisammen haben - sogar eine hochkarätige. Neben Crisan, Lundqvist, Achanta, Cioti und zwei jungen Talenten werden auch Dodean und der ehemalige deutsche Meister Peter Franz künftig in Bremen trainieren.






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