Radsport in Bremen

 - 18.12.2011

Radrenngemeinschaft feiert Geburtstag

Von STEFAN FREYE
Bremen. Große Karrieren haben bei der Radrenngemeinschaft ihren Anfang genommen: Hans-Peter Jakst, Andreas Kappes oder auch Lars van der Sloot haben den Bremer Radsport überregional bekannt gemacht. Auch nach 50 Jahren ist die RRG noch immer dabei, junge Talente auf dem Weg nach oben zu fördern.
Willi Röper war der erste Vorsitzende der Bremer Radrenngemeinschaft.
Willi Röper war der erste Vorsitzende der Bremer Radrenngemeinschaft.

In der "Sportgaststätte Schnaars" fing alles an - und das nun auf den Tag genau vor 50 Jahren. Am 18. Dezember 1961 wurde die Radrenngemeinschaft Bremen gegründet. Waren damals gerade mal sieben Mitglieder beteiligt am neuen Verein, wuchs diese Zahl in der Blütezeit auf 170, um Jahre später wieder auf etwa 60 zu fallen. Mittlerweile hat sich der Mitgliederbestand bei rund 80 eingependelt. Damit ist Hans Rudnick, der RRG-Vorsitzende "zufrieden" - es liegen schließlich erlebnisreiche Jahre hinter dem Verein.

Um die Bedeutung der RRG Bremen zur Zeit ihrer Gründung überhaupt einschätzen zu können, muss man um die Bedeutung des Radsports in den sechziger Jahren wissen. Damals hatten Wettkämpfe auf zwei Rädern nämlich noch einen ganz anderen Stellenwert. Im Weserstadion etwa wurden regelmäßig vor rund 10000 Zuschauern sogenannte Sandbahnrennen absolviert. Wie heute bei den Sixdays fuhren die Radsportler damals auf der Laufbahn der Arena im Kreis. In der Vahr absolvierte man dagegen Rundstreckenrennen auf Asphalt, und auch diese Veranstaltungen wurden immer von mehreren Tausend besucht.

Mitgliederzahl steigt stetig

In einem solchen Umfeld hatte es ein Radsportverein natürlich ziemlich leicht. Innerhalb weniger Monate konnte die RRG ihre Mitgliederzahl steigern, bereits 1965 fuhren 71 Sportler im Trikot des neuen Klubs. Dessen erster Vorsitzender, Willi Röper, war gleichzeitig Präsident des Bremer Radsportverbandes, und er initiierte 1963 auch das Bremer Sechstagerennen. Mit Manfred Mücke hatte der Verein zudem seinen ersten überregional erfolgreichen Fahrer. Er zählte gemeinsam mit Werner Kappes, Lothar Gerdes und Heinz Witte auch zum Mannschaftsvierer auf der Straße - dieser Wettbewerb sollte bis zu seiner Einstellung in den 90er Jahren regelmäßig dafür sorgen, dass der RRG Erfolge auf nationaler Ebene gelangen. Der erste Vierer des Vereins belegte damals den vierten Platz bei den nationalen Titelkämpfen, und er stellte 1968 einen Deutschen Rekord auf. Ab 1965 hatte die RRG zudem die Organisation des Rundstreckenrennens Syke-Okel-Syke übernommen. Von einer eher regional geprägten

Veranstaltung wurde es in der Folge zu einem festen Termin im bundesdeutschen Rennkalender.

Nach 1970 gab es deshalb nur noch zwei Bremer Sieger: Lars van der Sloot beim letzten Rennen 2002, und Hans-Peter Jakst 1974. Letzter darf denn auch als ein Aushängeschild der RRG gelten. "Unser erstes ganz großes Talent", sagt Hans Rudnick, "er hat in seiner Altersklasse alles abgeräumt." Angesichts dieser Klasse war Jaksts Abschied aus Bremen allerdings auch programmiert: 1977 wurde er Profi, die Deutsche Meisterschaft 1979 und Teilnahmen an der Tour und dem Giro feierte Hans-Peter Jakst nicht mehr im Trikot der RRG. Zum Ende der 70er Jahre fuhr deshalb auch ein anderer Fahrer in den Fokus des damals größten Bremer Radsportvereins: Ekkehardt Teichreber wurde Deutsche Meister und Vizeweltmeister im Cross.

Lange musste man bei der RRG allerdings auch nicht auf das nächste Straßentalent warten: Andreas Kappes ließ bereits als Jugendlicher aufhorchen, als er die bedeutende Tour der Jugend gewann und später auch Juniorenweltmeister wurde. Gemeinsam mit Oliver Hopp, Christian Schneider und Bernd Wellbrock gewann er mit dem Straßenvierer zudem die Deutsche Vizemeisterschaft 1983. Doch wie bei Jakst war auch beim zweiten Bremer Ausnahmefahrer eine Karriere in der Fremde vorgezeichnet: Kappes wechselte 1988 nach Köln, wo er zwei Jahre später den Profistatus erhielt und weitere Erfolge einfuhr. Nach dem Mitgliederrekord in 1986 (170) kündigte sich langsam aber sicher auch schon die schwierigste Phase der RRG an: Im nächsten Jahrzehnt sorgten lediglich noch die Brüder Ronald und Frank Schelter für sportliche Erfolge. Die großen RRG-Talente wie Olaf Schnaar, Ralf Schöllhammer oder Marc Ditberner gingen mittlerweile für Bundesligamannschaften in Berlin und Hameln an den Start. "Der Verein war in

eine Führungskrise geraten, keiner wollte die RRG führen", erinnert sich Rudnick.

Weltmeister der Radkuriere

Zum Ende der 90er Jahre zählte der Verein nur noch rund 60 Mitglieder. Er war vom RSC Rot-Gold längst als größter Radsportklub Bremens abgelöst worden, und auch die Gründung des RV Huchting mit dem ehemaligen RRG-Vorstand Burkhard Schnaar an der Spitze hatte einige Mitglieder gekostet. Da kam dem Verein das Projekt eines seiner prominentesten Fahrer gerade recht: Lars van der Sloot, als Weltmeister der Radkuriere auch ein nationaler Begriff, hatte mit der Enordia (später swb) einen Sponsor gefunden, der ein Bremer Radteam unterstützen wollte. Die RRG gab ab 2000 also den Verein im Rücken der neuen Mannschaft. Mit Fahrern wie Hermann Sinningen oder Vladi Riha fuhr sie bald Sieg um Sieg ein und avancierte später sogar zur besten Amateurmannschaft Deutschlands. "So erfolgreich die Mannschaft einerseits war, so wenig war sie aber im Verein integriert und führte ein Eigenleben", sagt Hans Rudnick.

Ein Jahr, nachdem er 2005 den Vorsitz der RRG übernommen hatte, wurde auf einer Mitgliederversammlung für die Vertragskündigung mit dem Team swb gestimmt. Was dem Verein dann wieder einige Mitglieder kostete: Weil das Radsportteam nun einen neuen "Anker" brauchte, wurde der Radclub Bremen gegründet. Rund 30 Mitglieder wechselten damals von der RRG zum RCB. Man hatte also erneut einen Mitgliederschwund zu beklagen. Kleinkriegen ließ sich die RRG allerdings nie, und auch um die Zukunft des Vereins macht sich Hans Rudnick keine Sorgen: "Wir können gut leben mit der Situation." Wenn in Bremen eine Radveranstaltung über die Bühne geht, ist die RRG regelmäßig in irgendeiner Form beteiligt. Mit Vladi Riha kehrte in diesem Jahr zudem ein starker Elitefahrer zurück in die Heimat, er belegte einige vordere Plätze bei hochkarätig besetzten Straßenrennen der vergangenen Saison. Daneben sorgten auch Oliver Gehrking und Carolin Schiff, die amtierende Nordmeisterin im Cross, regelmäßig für weitere

gute Resultate. In den vergangenen Jahren wurde schließlich auch die Nachwuchsförderung intensiviert, und deshalb brachte die RRG wieder einige Jugendliche an den Start. "Diese Tradition wollen wir aufrecht erhalten", sagt Hans Rudnick - damit auch in den kommenden Jahren mal wieder ein großer Fahrer aus der RRG hervorgeht.





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