Bremer Sechs-Tage-Rennen

 - 05.01.2010

Minder greift Seesing an

Von Olaf Dorow
Bremen. Die Zeiten sind hart. Für Veranstalter von Sechstagerennen sind sie es, definitiv. Vor allem in Deutschland. Dortmund? Aus. Stuttgart? Abgesagt. München? Wackelt. Berlin musste seinen Etat um zwanzig Prozent kürzen. Bremen verlor zwei Hauptsponsoren. Man muss doch zusammenhalten, jetzt erst recht. Sagt man in Bremen, sagt man in Berlin. Trotzdem sagt man in Bremen wenig Gutes über Berlin, und ist man in Berlin irritiert.

Im Kern ist es so: Bremen wirft Berlin etwas vor, was Berlin gar nicht gemacht haben will. Vielleicht ist das die einfachste Vereinfachung. Vielleicht liegt es daran, dass der Bremer Sechstage-Chef Frank Minder (63) ist und der Berliner Heinz Seesing (72). Früher war Seesing mal der Bremer Stadthallen- und Sechstage-Chef. Minder war sein Prämien-Manager. Dass der eine den anderen mag, ist nicht überliefert. Minder mochte damals Seesings Umgang mit den Mitarbeitern nicht, sagt er.

Gestern, auf einer Pressekonferenz im Saal Lloyd des Bremer Congress-Centrums, griff Minder an. In der Pressemitteilung „02 MM 14“ hieß es, „dass es da jemanden gibt, der seine Veranstalter auf Kosten seiner noch vorhandenen Mitstreiter bewirbt“. Gemeint war Seesing. Seesing habe gesagt, die einzige Hochburg der wankenden Sechstagebranche sei Berlin. Minder sagt: „Ich finde das schlimm, wenn das jemand sagt.“ Er sagt: „Der Kollege in Berlin scheint langsam die Bodenhaftung zu verlieren.“ Lauter solche Sachen sagt Minder. Er vergisst auch nicht zu sagen: „Wir werden das größte Rennen bleiben.“

Seesing sagt: Hat er gar nicht gesagt, was ihm unterstellt wird, gesagt zu haben. „Wir wollen uns nicht auf Kosten anderer profilieren“, sagt er. Das sei nicht sein Stil. „Wir wollen nur eine gute Veranstaltung machen“, sagt er. Er würde nie sagen, dass Berlin (sechstagemäßig) größer ist als Bremen. Er habe sich lediglich gefreut, dass das Fachmagazin „Radsport“ Berlin als die Nummer eins in Europa bezeichnet habe.

Minder beruft sich auf einen Artikel in der „BZ“. Über die „BZ“ könnte man übrigens vieles sagen, aber nicht, dass sie keine schrillen Zeilen drucken würde. Seesing sagt, wenn er vom Boulevard gefragt wird, ob Berlin boomt, dann antworte er: ja, boomt. Ansonsten wäre Boom kein Wort aus seinem Sprachgebrauch. „Boom or not boom“ ist hier die Frage – so steht es in der Bremer Pressemappe. Minder fragt: Wie kann es sein, dass Berlin boomt und Berlin dann dem anerkannt tollen Sechstagefahrer Bruno Risi nur die Hälfte der Gage des Vorjahres zahlen wollte? Risi hatte daraufhin Berlin eine Absage erteilt, als einziger der angesprochenen Fahrer, wie Seesing betont. Für das Geld trete er nicht an, habe Risi über Patrick Sercu mitteilen lassen. Sercu ist Sportlicher Leiter in Bremen.

„Ich würde verstehen, wenn ein Veranstalter in diesen Zeiten zehn bis 15 Prozent kürzt. Aber gleich die Hälfte? Da kann es ja wirklich nicht gut stehen um das Sechstagerennen in Berlin.“ So wird Risi auf „02 MM 14“ zitiert. In Bremen bekommt er so viel wie 2009. Insgesamt bekommen in Bremen die Fahrer zwar weniger. Aber weil der große Posten „Erik Zabel“ wegfällt, bleibt die Gage für den Einzelnen auf dem alten Niveau. In Bremen steht Risi, der sein letztes Rennen fährt, im Mittelpunkt. Wenn Minder Wort hält, wird es galaktisch. Mindestens. „Wir sagen, der amtierende Weltmeister sollte im Mittelpunkt stehen“, sagt Seesing. Risi (41) war oft Weltmeister, amtierender ist er nicht. „Der Star ist das Sechstagerennen“, sagt Seesing, „dem haben sich alle unterzuordnen. Wer das nicht akzeptiert, passt nicht in unsere Philosophie.“

Wenn Seesings Etat, rund drei Millionen Euro, um 20 Prozent schrumpfte, Risis Gage aber offenbar um 50, dann folgt daraus: der Stellenwert des Fahrers Risi ist in Bremen höher als in Berlin. Seesing sagt, er habe Risi einen „langen Brief“ geschrieben und sehr bedauert, dass der Schweizer nicht startet. Im Telefonat mit dieser Zeitung sagt Seesing aber auch: „Wenn Herr Risi sich so einschätzt, dann ist das seine Angelegenheit.“ Bruno Risi war gestern nicht zu erreichen.

Unterm Strich bleibt, außer der Tatsache, dass Risi in Bremen (14. bis 19. Januar) fährt und in Berlin (28. Januar bis 2. Februar) nicht: ein Theater, dessen Hauptdarsteller eigentlich kein Theater machen wollen. Die Theatermachen überhaupt nicht gut finden für ihre geplagte Branche.

„Wir müssen jetzt alle durch diese Talsohle durch“, sagt Heinz Seesing. „Grundprämisse ist, dass wir alle den anderen die Daumen drücken“, sagt Frank Minder. „Wir sind krisensicher. Das wünschen wir auch allen anderen“, sagt Seesing. Sollten sie nicht mal telefonieren? Haben sie lange nicht mehr gemacht. Angeblich sehr lange.

Eventcharakter
Sechstagerennen wie hier in Dortmund bieten einen Mix aus Sport und Show.



Tabellen und Ergebnisse

Von der Bundesliga bis zum DFB-Pokal, von Deutschland bis in die Türkei, von Fußball bis Eishockey: Hier finden Sie die Ergebnisse und Tabellen aus den Top-Ligen.

Liveticker

Bundesliga, Europa-League und DFB-Pokal - bei allen Spielen direkt dabei sein mit unserem Liveticker.

Formel-1 Special

Die Sportmeldungen aus der Region

Sport in Bremen

Unsere Leser...

...schreiben im Forum
...kommentieren Artikel
Bundesbank will Sarrazin entlassen
tommi24 am 03.09.2010
Diejenigen, die ihn nicht verteidigen, brauchen keine Angst um ihren Arbeitsplatz und um ihre…
Bundesbank will Sarrazin entlassen
Arrian am 02.09.2010
Vor allem ist erstaunlich, wie Sarrazin von einigen zum Märtyrer und zum Musterbeispiel freier…

WESER-KURIER Kundenservice