Der "kleine Diesel", wie er genannt wird, ist ein Kämpfer vor dem Herrn - und einer der erfolgreichsten Sechstage-Fahrer der vergangenen 15 Jahre. In Bremen fährt der Niederländer sein 110. Sechstagerennen. Nach dem Rennen in Berlin Ende Januar und dem in Kopenhagen im Februar soll endgültig Schluss sein. In Bremen wird er morgen offiziell verabschiedet.
"39, das ist doch ein Grund, oder?"
"Du sollst aufhören, wenn du noch vorne dabei bist", sagt Stam. Der 39-Jährige weiß, dass es nicht einfach ist, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Er hat im Verlauf der Jahre einige Kollegen erlebt, die nur noch hinterher hechelten. So weit soll es bei ihm nicht kommen. Noch fährt Stam, der bislang 16 Siege und fast 40 Podiumsplätze sammelte, mit um Siege, zumindest aber um einen Platz auf dem Podium. Aber er hat einfach keine Lust mehr. "39", sagt er, "das ist doch ein Grund, oder?" Dass es immer weniger Sixdays gibt, bei denen er Geld verdienen kann, machte den Entschluss aufzuhören nicht eben schwieriger.
"Danny ist der einzige in Holland, der mit 20 Frauen klarkommt."
Es ist eine Entscheidung, die einen Plan für die Zeit nach der aktiven Karriere beinhaltet: Danny Stam wird Teammanager beim AA Drink-Leontien.nl Cycling Team, einem professionellen Frauen-Radsport-Team. Landsmann Peter Schep sitzt mit am Tisch und grinst: "Das ging gar nicht anders. Danny ist der einzige in Holland, der mit 20 Frauen klarkommt." Stam grinst ebenfalls und sagt: "AA, weißt du, das sind die Anonymen Alkoholiker." Was natürlich Unsinn ist, denn AA steht für den Sponsor, einen Hersteller von Energy-Drinks. Das wiederum passt gut zu Stam. Der Sportliche Leiter der Bremer Sixdays, Erik Weispfennig, sagt: "Ich habe Danny immer als einen Fahrer mit einer hundertprozentig professionellen Einstellung erlebt."
Elf seiner 16 Sixdays-Siege hat Stam mit seinem Freund Robert Slippens eingefahren. Die "Fliegenden Holländer" wurden sie genannt - wobei Slippens flog und Stam, der ein Rennen lesen kann wie kaum ein anderer, in seinem ureigenen Rhythmus seine Runden drehte. Eher unspektakulär, aber auch unaufhaltsam. Wie ein richtig guter Diesel, Baujahr 1972, eben. Beim Bremer Sechstagerennen hat Stam beides erlebt, gute Zeiten und schlechte Zeiten. 2003 gewann er mit Slippens überraschend, 2006 dann als Mitfavorit. "Das war schön", sagt Stam, "aber zweimal bin ich auch im Krankenhaus gelandet."
In diesem Jahr geht er hier zum zwölften Mal an den Start. Dass der Veranstalterwechsel einiges an Veränderungen mit sich gebracht hat - kein Problem. "Bei allem Respekt vor dem, was Patrick Sercu und Frank Minder geleistet haben: Du musst immer mal einen Neuanfang wagen", findet Stam, "es läuft auch dieses Jahr sehr professionell. Und ich hoffe für den Radsport, dass es in Bremen noch lange weitergeht."
Nie die Tour de France gefahren
Die Tour de France ist Stam übrigens nie gefahren. Aber wahrscheinlich wäre der Ausdauerspezialist und Kämpfer auch dort klargekommen. Aber Straßenrennen hat Stam ohnehin immer nur als besseres Training für die Wintersaison bestritten. Die Karriere als Bahnradsportler war für ihn quasi vorgezeichnet, Vater Cees Stam war viermal Steher-Weltmeister auf der Bahn. Und doch schien es zunächst so, als würde Danny aus der Art schlagen. Er hat es mit Fußball versucht, mit Tennis und mit Judo. "Ganz okay", sagt er rückblickend, "aber alles nicht wirklich mein Ding." Als er sich entschied, aufs Rennrad zu steigen, hatte Vater Cees den Sohn sogar ein wenig gebremst. Er wusste aus eigener Erfahrung, wie entbehrungsreich das Leben als Radprofi sein kann. Dass es nur wenige schaffen, so erfolgreich zu sein, dass sie finanziell über die Runden kommen. Danny hat es geschafft; Entbehrungen inbegriffen.
Der "kleine Diesel" hat schon ein paar Abschiedszeremonien hinter sich gebracht, die in Bremen morgen, die in Berlin und Kopenhagen folgen. Klar, er fühlt sich geehrt, aber er bräuchte das ganze Brimborium nicht. Auch Vater Cees wird nicht extra zu einem seiner letzten Rennen anreisen. "Muss er auch nicht", findet Danny, "ich guck' ja sowieso bald wieder zum Kaffeetrinken bei ihm vorbei." Aber ein bisschen komisch sei es schon, dass dann plötzlich zwei ehemalige Rennfahrer bei "Koffie und Appelgebak" zusammensitzen.



