Von den Geschwindigkeiten der Profis würde ich weit entfernt sein, das ist mir schon vor dem Selbstversuch klar. Aber darum geht es ja auch gar nicht.
Viel wichtiger ist mir, verletzungsfrei auf die Bahn zu kommen und meine Fahrt auch ohne Sturz wieder zu beenden. Als gelegentlicher Mountainbike-Fahrer hatte ich noch nie auf einem Renn- geschweige denn Bahnrad gesessen.
Vor dem Start wird der Sattel von einem Mechaniker fachgerecht auf die richtige Höhe gebracht, anschließend hilft mir Peter Rengel vom Sixdays-Organisationsteam, Schuhe und Pedale per so genanntem Klickverschluss miteinander zu verbinden und schiebt mich danach auf die Bahn. Und dann bin ich auf mich allein gestellt.
"Treten, immer weiter treten", ruft mir Rengel vom Bahnrand zu. So wirklich gewöhnen kann ich mich daran am Anfang zwar nicht. Spätestens nach einem versuchten Leerlauf auf der Geraden, bei dem das Rad bedenklich ins Wackeln gerät, habe ich die Wichtigkeit des Dauertretens aber dann doch bemerkt.
Wie viele Runden ich letztendlich in dem Oval gedreht habe, weiß ich nicht. Es gab Wichtigeres, als mitzuzählen. Zum Beispiel, auf die anderen Fahrer zu achten, um keinen Unfall zu bauen. Oder die Fahrt mit jeder Runde tatsächlich mehr zu genießen. Und festzustellen, dass 58 Grad Kurvenhöhung von außen gefährlicher aussehen, als es sich letztlich anfühlt, weil man von den Fliehkräften fast von alleine hindurch getragen wird.
Immer mehr bemerkbar macht sich allerdings der Durst. Und als ich mir vorstellte, dass die Zuschauer in der Halle vor einigen Jahren noch rauchten, beneide ich die damaligen Fahrer nicht.
Nachdem ich die Schlussrunden dann immer langsamer fahre (so ein Bahnrad hat nämlich keine Bremsen), lautet das Fazit: Nicht gestürzt, den Respekt vor den Steilkurven zumindest etwas verloren, für mich persönlich eine ordentliche Geschwindigkeit hingelegt und dabei vor allem richtig viel Spaß gehabt.
