48. Bremer Sechstagerennen

 - 17.01.2012

Schneider: "Der Gewinn ist zweitrangig"

Von Olibver Matiszick und Jörg Niemeyer
Bremen. Zum ersten Mal finden die Bremer Sixdays unter der Leitung der Event & Sport Nord GmbH statt. Theo Bührmann jr. und Hans Peter Schneider sind die Geschäftsführer dieser Gesellschaft. Oliver Matiszick und Jörg Niemeyer haben mit Hans Peter Schneider gesprochen, der nicht nur sehr zufrieden wirkte, sondern überraschenderweise hofft, nicht zu viel Gewinn zu machen.
Der neue Chef der Bremer Sixdays: Hans Peter Schneider.
Der neue Chef der Bremer Sixdays: Hans Peter Schneider.

Herr Schneider, haben Sie in den vergangenen Tagen ruhig schlafen können?

Hans Peter Schneider: Ich habe die letzten Wochen immer gut geschlafen.

Kein Magengrummeln vor Ihrer Premiere als Sixdays-Veranstalter? Wir können uns vorstellen, dass der Druck, der auf Ihnen lastet, doch einigermaßen groß ist.

Das ist richtig, aber so wie es jetzt gekommen ist, so habe ich es auch erhofft und erwartet. Schlecht geschlafen habe ich vor einem halben Jahr.

Warum?

Wenn man so ganz am Anfang steht, muss man sehen, ob man die Teams verkauft, Sponsoren findet, ob man Vertriebswege aufmacht. Das ist die Herausforderung gewesen. Wir hatten ja maximal nur ein Dreivierteljahr Vorlauf. Aber zuletzt waren alle Zeichen, die wir hatten, gute Zeichen.

Sie haben vor einigen Wochen dem WESER-KURIER gesagt, die neuen Veranstalter wollen alles besser machen. Sie haben jetzt Gelegenheit für eine Zwischenbilanz.

Es ist ein schwieriger Vergleich. Man muss sich, wenn man irgendetwas tut, immer vornehmen, etwas besser zu machen. Mir gefällt, dass wir im Sport mehr Vielfalt zeigen. Mir gefällt die Inszenierung mit Licht, Pyrotechnik und der Franziskaner-Lounge. Wir wollten die Sportler wieder zu den Stars der Veranstaltung machen - das war meine Absicht.

Wie fällt Ihr Urteil zum Rahmenprogramm aus?

Der Deka-Dance-Bereich wird gut angenommen, Halle 4 gefällt mir sehr gut wegen der Bühne und des deutlich besseren Tones. Halle 2 müssen wir künftig ein bisschen besser machen. Ich bin froh, dass wir die Ränge stärker gefüllt haben als ich es die letzten Jahre erlebt habe. Aber auch das muss mehr werden, das ist klar.

Es hat am Sonntag Probleme gegeben, als Kinder in die Halle 4 gelangt sind, wo geraucht werden darf. Ist es ein grundsätzliches Problem, die Halle frei von Jugendlichen zu halten?

Ja und nein. Es ist eine Raucherhalle, wir dürfen dort keine Kinder hineinlassen. Deshalb haben wir den Bereich ja gesperrt - teilweise zum Leidwesen auch der Eltern, die sich mit ihren Kids etwas angucken wollen. Wir müssen besser werden und Programmänderungen vornehmen. In Zukunft müssen auch Familien mit Kindern ein tolles Konzert hören können. Vielleicht können wir im Foyer der ÖVB-Arena in einem klassisch rauchfreien Raum etwas einrichten.

Unser Eindruck ist, dass in der ÖVB-Arena mehr, aber um die Halle herum im Vergleich zu den Vorjahren weniger los ist.

Wir können im Foyer unten nicht laute Musik machen, wenn wir oben den VIP-Bereich haben. Wir wollten hier einen leiseren Bereich haben und das zum Beispiel mit Kleinkunst untermauern. Ich glaube aber, dass wir im Längsbereich des Foyers ganz gut gepunktet haben. Ich habe mehr Interesse daran, dass die Leute auf den Rängen sitzen statt im Foyer Bier trinken.

Können Sie schon absehen, wie Sie finanziell über die Runden kommen?

Wir haben die Kosten hoch angesetzt und nun gesehen, dass wir das Budget teilweise sogar unterschritten haben, weil wir großzügig geplant haben.

Heißt das, dass Sie an die ursprünglich kalkulierten 1,6 Millionen Euro gar nicht herankommen werden?

Wir werden höchstwahrscheinlich etwas geringere Produktionskosten haben. Die Reserven, die wir im Einkauf geschaffen haben, haben wir ins Marketingbudget gesteckt. Ziel ist immer gewesen, im ersten Jahr in dieses Produkt zu investieren und keinen großen Überschuss zu machen, sondern stattdessen die Werbung zu intensivieren. Dass es so gut läuft, liegt an unserer gezielten Werbung und daran, dass wir neue Vertriebsbereiche erschlossen haben.

Bringen Ihre Partner denn auch Geld mit? Die Anzahl an Sponsoren allein sagt ja nichts über die Höhe Ihrer Einnahmen.

Zahlen nenne ich nicht. Aber wir haben zum Beispiel Sponsoren, die sehr viel Wert auf Werbung legen, im sportlichen Bereich jedoch wenig auftauchen. Außerdem helfen uns diverse Partner beim Absatz von Eintrittskarten. So bieten wir in Bremen und im Umland in 320 Betrieben über Betriebsräte Karten zu Sonderkonditionen an.

Ist denn ein Gewinn absehbar?

Ich hoffe nicht auf zu viel. Dann hätte ich einen Fehler gemacht.

Wie bitte? Das müssen Sie uns erklären.

Absolutes Ziel war, dass wir nach Möglichkeit alles an Reserven in die Produktion und in die Werbung stecken. Unser Ziel ist es nicht, davon zu leben.

Warum nicht? Bremen freut sich doch, wenn es Geld bekommt. Sie haben mit der WFB doch eine bremische Gesellschaft mit im Boot, der es nur recht sein kann, wenn Geld überbleibt.

Wir wollten nicht das schnelle Geld verdienen, wir wollten in das Produkt investieren und den Markt für die Zukunft bereiten.

Soll das heißen, dass Sie schon froh darüber wären, wenn es am Ende überhaupt eine schwarze Zahl gibt?

Das kann ich so nicht bejahen. Ich halte es für extrem wichtig, dass wir im ersten Jahr einer Veranstaltung alles in die Werbung stecken. Wir wollen die Sixdays wieder groß und stark machen.

Dann steckt da ja ein mittel- bis langfristiger Plan dahinter. Wann soll die Veranstaltung denn größere Gewinne abwerfen, was ja im Interesse auch der Stadt ist?

Langfristig wollen die Gesellschafter natürlich eine Normalverzinsung haben. Unser klares Ziel ist es, bei den Sixdays eine Trendwende zu erzielen. Eine gute Produktion bedingt auch eine hohe Wertschöpfung.

Wenn Ihr Vorgänger Frank Minder liest, dass man gar nicht auf Gewinnmaximierung aus ist, sondern man lieber großzügig Geld in die Produktion und in das Marketing steckt, wird es ihm wohl die Tränen in die Augen treiben - so hätte er vermutlich auch gern arbeiten wollen.

Dass wir neue Partner wie den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club dabei haben, ist keine Kostenfrage. Wir nutzen nur unsere guten Verbindungen. Und übertragen Vertriebssysteme, die wir in der Messe entwickelt haben, auf die Sixdays. Unser Riesenvorteil im Vergleich zum Vorgänger ist möglicherweise unser großes Team.

Ist für Sie vielleicht auch von Vorteil, dass Sie nicht nur die Sixdays, sondern auch Messen veranstalten und Gewinne und Verluste intern verrechnen könnten?

Ich bin neidisch auf Menschen, die das ganze Jahr eine Veranstaltung machen dürfen. Wer den Kölner Karneval macht, kann sich lange darauf vorbereiten.

Aber das geht ja nur, wenn man auch mit Gewinn abschließt.

Sie haben Vorstellungen...

Anders formuliert: Wer von zehn Messen acht erfolgreich anbietet, kann zwei mit finanziellem Schaden verkraften.

Das ist wohl wahr. Aber wenn ein Produkt sich nach hinten entwickelt, wird es bei uns auch nicht mehr existieren. Wenn die Sixdays in die Hose gegangen wären, hätte ich persönlich ein großes Problem gehabt.

Weil Sie angekündigt haben, es besser machen zu wollen. Angesichts leerer Kassen kann die Stadt schlecht verkünden, dass die Veranstaltung ein Minus gemacht hat.

Wir haben einen Slogan, wenn wir selbst Veranstaltung machen: Übertreibe maßlos und sorge dafür, dass es wahr wird. Wenn du es dir zutraust, musst du nach vorne gehen. Wenn du es dir nicht zutraust, darfst du es nicht machen. Natürlich profitieren wir von unseren guten Verbindungen. Und wir wollen diese Partnerschaften weiterentwickeln. Wer das Risiko scheut, darf es sich nicht zutrauen.






48. Bremer Sechstagerennen

Die Sixdays standen dieses Jahr unter neuer Leitung. Wie fällt Ihr Fazit der Veranstaltung aus?

10% (39 Stimmen)
Das Sportprogramm hat mich überzeugt.
3% (11 Stimmen)
Ich fand das Partyangebot am besten.
17% (66 Stimmen)
Die Mischung aus Sport und Party war toll.
70% (283 Stimmen)
Mir sind die Sixdays egal.

Das Endergebnis

Endstand:


1. Robert Bartko/Peter Schep (Potsdam/Niederlande) 293 Punkte

 

2. Franco Marvulli/Marcel Kalz (Schweiz/Berlin) 318 Punkte/ + 1 Runde

 

3. Leif Lamparter/Iljo Keisse (Rosenheim/Belgien) 291 Punkte/ + 1 Runde

 

4. Marc Hester/Andreas Müller (Dänemark/Berlin) 214 Punkte/+2 Runden

 

5. Alois Kankovsky/Robert Bengsch (Tschechien/Berlin) 221 Punkte/+8 Runden

 

6. Danny Stam/Eric Mohs (Niederlande/Leipzig) 176 Punkte /+8 Runden

 

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