Der typische Sixdays-Besucher, er ist nicht zu fassen. Weil es ihn in Bremen nicht gibt. So vielschichtig wie die Mischung aus Sport und Unterhaltung, so vielschichtig sind auch die Publikumsinteressen. Es gibt allenfalls ein grobes Raster von Besuchergruppen. Was Vertreter dieser Gruppen - ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit - über die neuen Sixdays denken:
Der Logengast: Nein, wirklich unvoreingenommen kann Peter Siemering, Geschäftsführer der Bremer Touristik-Zentrale (BTZ), den neuen Sixdays gar nicht gegenüberstehen. Schließlich hält die WFB (Wirtschaftsförderung Bremen), die auch zur neuen Veranstaltergemeinschaft der Sixdays zählt, die Mehrheit an der BTZ. "Natürlich bin ich voreingenommen", sagt Siemering, "aber nur, weil ich als echter Bremer ein Sixdays-Fan bin." Jeden Abend ist er in den Logen der ÖVB-Arena anzutreffen, einerseits als Radsportfan ("Franco Marvulli ist mein Star"), andererseits in der Funktion als Tourismus- und Marketingmanager. So hatte er zum Abschlussabend gestern Journalisten aus ganz Deutschland eingeladen; es sagten so viele zu, dass er gleich zwei Logen mit ihnen besetzen konnte. Was er als Pluspunkte der runderneuerten Veranstaltung ausgemacht hat: die veränderte, "sensationelle" Beleuchtung und die Neugestaltung des Innenraums mit der Verlagerung der Showbühne auf die gegenüberliegende Seite. Platz für Verbesserungen sieht er dennoch. "Die neuen Wege und Locations muss man erst einmal kennenlernen - da hätte ich mir mehr Transparenz gewünscht. Das hätte sich etwa über den Online-Auftritt besser lösen lassen", findet er.
Der Sportfan: ÖVB-Arena, Oberrang, Reihe 16. Das ist sein Platz. Beste Übersicht über das Renngeschehen, die Ergebnistafeln im Blick. So muss es sein für echte Sportzuschauer beim Sechstagerennen. Einen wie Egon Kostka, den die Geschwindigkeit der Bahnradfahrer fasziniert, der das Sportprogramm bis zum Ende tief in der Nacht in sich aufsaugt. Der 67-Jährige besucht seit über 30 Jahren die Sixdays und hat sich gefreut, dass in diesem Jahr der Sport wieder mehr im Mittelpunkt stehen sollte. Mit den Partys in den umliegenden Hallen kann er nichts anfangen. "Das sportliche Programm ist wirklich vielfältiger geworden", sagt der Gnarrenburger. "es gibt viel Abwechslung." Besonders freut ihn, dass die U23 und Frauen nun dabei gewesen sind. "Früher war es monotoner", sagt Kostka, übrigens nicht verwandt mit Hallensprecherin Anita Kostka. "Wenn die Veranstalter so weitermachen, dann erleben die Bremer Sixdays auch noch die 50. Auflage", ist Kostka sicher.
Die Partygängerin: Der Montagabend bei den Sixdays, er war eine Premiere für Lara Sprengel. Ja, sie kommt aus Bremen - aber nein, die Sixdays waren bisher unbekanntes Land für sie. Ihre Cousine hatte sie nun zum Besuch überredet, unter anderem mit dem Versprechen: Sixdays, das ist wie Freimarkt in der Halle. "Und das trifft es", sagt die 22-Jährige. Dass es auch ein Sportprogramm gibt - sie hat davon gehört, will und wird sich an diesem Abend allerdings nicht mit eigenen Augen davon überzeugen. Die "Deka-Dance"-Halle, eigens für die jüngere, partyorientierte Besuchergruppe neu eingerichtet, hat es ihr angetan; das ist ihr Ding. "Ich würde wiederkommen", sagt sie mit Blick auf die Sixdays 2013. Dass sie all das eigentlich auch allwöchentlich in einer Disko haben könnte - der Einwand perlt an ihr ab. "Aber das hier ist doch unter der Woche!", sagt Lara Sprengel. Und geht wieder feiern - an ihrem ersten Sixdays-Montag.
Die Stammgäste: Sie haben irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft sie eigentlich schon bei den Bremer Sixdays waren. "Vielleicht 15 Mal?", fragen sich Maike Uhlig, Bremen, und ihre Freundin Susanne Langejürgen aus Kirchweyhe. "Ich schätze mal, seit 1970", sagt Dieter Mahler, ebenfalls aus Bremen, der zur gleichen Zeit ein paar Meter weiter mit einem Bekannten im Raucherbereich des Südfoyers sitzt. Sie alle zählen zu den klassischen Stammgästen einer Veranstaltung, die Uhlig als "Pflichttermin" für alle aus Bremen und umzu betrachtet: "Da muss man hin." Die Veränderungen sind ihr und ihrer Freundin durchaus aufgefallen: Auch sie loben die "angenehmere Beleuchtung, die mehr Persönlichkeit hat", das Showprogramm in Halle4, die beim Auftritt von Hot Chocolate proppevoll war. Wünschenswert, sagt Susanne Langejürgen, wäre gewesen, wenn die Frauenkonkurrenz im Rennen nicht nur am Sonnabend an den Start gegangen wäre - das hätte sie gerne auch am Montag gesehen. Dass sie auf dem Weg zu ihren Plätzen auf der Südtribüne erst einmal im neuen Raucherfoyer gelandet sind, gefällt den Freundinnen, beide Nichtraucherinnen, indes weniger. "Das hätte man besser machen können", sagt Langejürgen.
Dieter Mahler hat dagegen so seine Probleme mit der neuen Innenraumaufteilung. "Dort ist mehr Platz für die VIPs geschaffen worden - nur, dass deren Tische zu Beginn des Abends lange leer sind. Das wirkt nicht gut", findet er. Gefallen haben - auch - ihm dagegen die neue Lichttechnik und die Rückkehr der Dernys auf die Sechstagebahn. Aber wie auch immer: Hauptsache, es ist Montag. "Man sollte das Sechstagerennen auf den Montag beschränken", sagt der Senior und grinst, "das wäre dann eine geile Nummer."
Der Allrounder: Thomas Knauer gehört wohl zu den schwierigsten Sixdays-Kunden - weil er alles will und von allem viel erwartet. Und so hat der Stuhrer die Neuerungen nicht nur genau registriert, sondern für sich auch im Vergleich zu den Vorjahren genau eingeordnet. So ist sein Fazit der Sixdays-Neuauflage ein "Ja, aber..." Ja, das veränderte Showprogramm in der ÖVB-Arena selbst gefiel ihm - aber dennoch fehlen ihm Klaus&Klaus. "Ich glaube, die brauchen diese eingängige Musik", sagt Knauer. Die insgesamt gesenkten Eintrittspreise findet er gut - aber den beliebten Montag mit rund 30 Euro noch immer zu teuer. Das erweiterte Sportprogramm verfolgt er aufmerksam - und wünscht sich doch mehr Präsenz der neuen Hallensprecher während der verschiedenen Wettbewerbe. "Aber ob diese Veranstaltung nun von einem Frank Minder oder sonst wem gemacht wird - das ist mir als Besucher letztlich völlig egal", sagt Knauer.









