Formel-1

 - 13.11.2011

Vettel scheidet mit Plattfuß aus

Abu Dhabi. Sebastian Vettel schlug wütend mit der Faust aufs Lenkrad und musste von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone getröstet werden. Ein mysteriöser Reifenplatzer nach wenigen Metern hat dem Weltmeister am Sonntag in Abu Dhabi die bittersten Stunden in dieser Saison und den ersten Ausfall seit über einem Jahr im Red Bull beschert. Die sonst zu Statisten degradierten Konkurrenten konnten die Gunst beim Großen Preis im Wüstenstaat nutzen. Den Sieg holte sich Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes vor Ferrari-As Fernando Alonso und Jenson Button im zweiten McLaren.
Lewis Hamilton gewinnt den Gran Prix in Abu Dhabi.
Lewis Hamilton gewinnt den Gran Prix in Abu Dhabi.

Vettel hat damit keine Chance mehr, den Siegrekord in einer Saison von Michael Schumacher aus dem Jahr 2004 mit 13 Grand-Prix-Erfolgen zu egalisieren. Vor dem Saisonfinale in zwei Wochen in Sao Paulo hat Vettel weiter elf Erfolge auf dem Konto.

Ausgerechnet am Ort seines ersten WM-Triumphs gab es für Mr. Makellos nichts zu feiern; eine geschenkte Gitarre von Paul McCartney brachte dem Beatles-Fan kein Glück. Dabei hatte Vettel am Tag zuvor noch den Ton angegeben: Mit seiner 14. Pole Position in diesem Jahr stellte der Heppenheimer den fast schon verstaubten Rekord des Briten Nigel Mansell (1992) ein. Und auch beim Rennstart fand Vettel gleich den Rhythmus.

Der 24-Jährige, der bis dahin nur einmal in diesem Jahr das Podest verfehlt hatte, bog bereits mit einigen Metern Vorsprung ungefährdet in die erste Kurve auf dem 5,554 Kilometer langen Yas Marina Circuit ein. Doch unmittelbar danach rutschte Vettel mit seiner sonst zu zuverlässigen "Kinky Kylie" von der Strecke: Der rechte Hinterreifen war geplatzt, das Gummi bereits von der Felge gerutscht. Der Hesse tuckerte rund fünf Kilometer über die Strecke bis zur Box. Nachdem Vettel das letzte Mal am 24. Oktober 2010 klar auf Siegkurs liegend beim großen Preis von Südkorea wegen eines Motorschadens ausgeschieden war, musste er diesmal nach einer Runde raus.

Sichtlich deprimiert zog Vettel seinen Glitzerhelm aus und warf einen Blick auf das Corpus Delicti, während seine Rivalen ohne den Dominator um den Sieg bei dem Wüsten-Grand-Prix rasten. Als wäre der Vettel-Ausfall für die "Roten Bullen" nicht schon ärgerlich genug gewesen, verabschiedete sich auch Teamkollege Mark Webber durch einen verpatzten Boxenstopp von den Siegkandidaten. Statt der üblichen drei bis vier Sekunden verharrte der Australier knapp zehn Sekunden beim ersten Reifenwechsel.

Einem war's gerade recht. Hamilton, der sich in der Qualifikation in letzter Sekunden von Vettel die Pole aus den Händen reißen lassen musste, übernahm die Führung. Auch nach dem ersten Stopp der Topfahrer war der Brite weiter in Front. Dahinter Alonso, der vor einem Jahr in Abu Dhabi in einem atemraubenden Finale den WM-Kampf gegen Vettel verloren hatte. Ganz so spannend gestaltete sich das vorletzte Saisonrennen in diesem Jahr nicht.

Die weiteren deutschen Piloten schlugen sich dabei ordentlich. Rekordweltmeister Michael Schumacher, sein Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg und Force-India-Fahrer Adrian Sutil lieferten sich einen Dreikampf um einen Platz hinter den Toppiloten. Nachdem Sutil, der noch immer um ein Cockpit bei seinem Team im nächsten Jahr zittern muss, Schumacher durch einen taktisch geschickten Boxenstopp passiert hatte, holte sich der siebenmalige Weltmeister beim letzten Reifenwechsel seine Position vor Sutil zurück. Am Ende wurde der 42-Jährige Siebter, Sutil kam als Achter ins Ziel.

Bester Deutscher war indes Rosberg, der wenige Tage nach seiner Vertragsverlängerung Platz sechs belegte. Timo Glock kam im Marussia-Virgin auf den 19. Platz.

Vettel beobachtete das Geschehen vor spektakulären Kulisse vom Red-Bull-Kommandostand aus - Interviews gab er erst nach dem Rennen wieder. Nach 1:37:11,668 Stunden für den Perfektionisten sicherlich quälenden Stunden war es dann auch für Zuschauer Vettel gelaufen, als Hamilton auf dem mittlerweile durch Flutlichter erhellten Kurs durchs Ziel fuhr. Für den sportlich wie privat schlagzeilenträchtigen Briten war es der dritte Saisonsieg. Zuletzt hatte er bei Vettels Heimrennen auf dem Nürburgring gewonnen. Dem Deutschen blieb in Abu Dhabi indes ein anderer Trost: Beim McCartney-Konzert am Abend dürfte Vettel wieder ganz vorn dabei gewesen sein. (dpa)





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