Fußball

 - 19.09.2011

Der HSV ist wieder auf Trainersuche

Von Andreas Hardt
Hamburg. Das Ende war unvermeidlich, es kam dann aber doch schneller, als erwartet. Am Montagmittag trennte sich Fußball-Bundesligist Hamburger SV von Trainer Michael Oenning. Entscheidend war ein vorheriges Gespräch zwischen dem erfolglosen Coach, dem Vorstandsvorsitzenden Carl-Edgar Jarchow und Sportdirektor Frank Arnesen in der Geschäftsstelle der Arena. Das Team wird ab sofort interimsmäßig von U23-Trainer Rodolfo Cardoso und Co-Trainer Frank Heinemann betreut, gleichzeitig sucht der HSV einen neuen Cheftrainer.
Der eine bleibt, der andere geht: Michael Oenning (rechts) und sein Nachfolger Rodolfo Cardoso.
Der eine bleibt, der andere geht: Michael Oenning (rechts) und sein Nachfolger Rodolfo Cardoso.

"In den letzten zwei Tagen und nach vielen intensiven Gesprächen sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass wir diese Entscheidung treffen mussten. Wir werden uns ab heute intensiv mit der Nachfolge von Michael Oenning beschäftigen," erklärte Sportdirektor Frank Arnesen. Michael Oenning sagte nach dem Gespräch mit dem Vorstand: "Es ist auch für mich nachvollziehbar, dass der Verein in der jetzigen Situation einen anderen Weg geht".

Treuebekenntnis Sonntag, Umdenken am Montag

Die 0:1 (0:0)-Niederlage am Sonnabend im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach wurde Oenning dann doch zum Verhängnis. Noch am Sonntag hatte Arnesen zwar verkündet, dass Oenning auf jeden Fall am Freitag in Stuttgart noch auf der Bank sitzen soll, das Gespräch am Montag brachte dann aber offenbar ein Umdenken. Der HSV ist mit nur einem Punkt aus sechs Saisonspielen sieglos Tabellenletzter, Oenning konnte saisonübergreifend nur die erste von 14 Partien gewinnen.

Die Anzeichen auf eine Trennung hatten sich verdichtet, als Oenning nicht zum eigentlich angekündigten Pressegespräch erschien. Auch die Mannschaft zeigte sich zunächst nicht beim Training, sondern wurde stattdessen vom Vorstand in der Kabine über die neue Entwicklung informiert. Oenning verabschiedete sich nicht mehr von dem Team. Um 17.00 Uhr wollten Jarchow und Arnesen offiziell zu der Entlassung Stellung nehmen.

Nach der Pleite gegen Mönchengladbach, in der sich die Mannschaft vollkommen leblos und konzeptlos präsentierte, war klar, dass die Trennung von dem 45 Jahre alten Sportlehrer unvermeidlich sein würde. Oenning kritisierte erstmals vehement in der Öffentlichkeit seine Spieler: "Mir hat die letzte Leidenschaft gefehlt. Wir brauchen eine Mannschaft, die sich mit allem, was sie hat, wehrt."

Beckenbauer: "Neuer Trainer müsste Zauberer sein"

Die Spieler ihrerseits ahnten auch schon was kommen wird, vielleicht haben sie den Rauswurf auch mit ihrer Leistung provoziert. "Was soll ich zum Trainer sagen", meinte Kapitän Heiko Westermann nach dem Spiel, "jeder wird an Punkten gemessen." Und Mladen Petric kritisierte: "Wir suchen immer wieder nach Positivem und dann passiert doch nichts. Das geht an die Substanz."

Für den neuen Sportdirektor Arnesen ist die Trennung von Oenning das erste Eingeständnis eines Fehlers. Eigentlich wollte der Däne Stare Solbakken verpflichten, der jetzt beim 1. FC Köln arbeitet. Er ließ sich jedoch von Oenning in persönlichen Gesprächen umstimmen. Als möglicher Nachfolger wird nun vor allem Huub Stevens gehandelt, der den Verein schon 2008 vor dem möglichen Abstieg rettete. Auch Thomas von Heesen, Friedhelm Funkel und Marcel Koller gehandelt. Geht es nach Franz Beckenbauer ist es jedoch völlig egal, wer der elfte HSV-Trainer in den letzten zehn Jahren wird: "Ich kenne keinen Trainer auf der Welt, der dem HSV helfen könnte", sagte der "Kaiser" bei Sky: "Ein neuer Trainer müsste ein Zauberer sein - vielleicht kann ein Zauberer vom Circus Krone oder Circus Sarrasani helfen. Ein normaler Mensch hätte kurzfristig keine Chance." (dapd)






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