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"Vuvuzela" heißt übersetzt "dauerhaft Geräusche machen" - und das taten die afrikanischen Fans dann auch. Sehr zum Unmut der europäischen Teams, die der monotonen Dauerbeschallung im hohen dezibel-Bereich wenig abgewinnen konnten. "Abschaffen", sagte Spaniens Xabi Alonso, "verbieten" wollte Bundestrainer Joachim Löw den Nervtöter. FIFA-Präsident Joseph S. Blatter sah das anders, sprach vom Kulturgut und gab den WM-Ausrichtern die Zusage, dass die Vuvuzela auch während der Endrunde nach Belieben lärmen darf.
Mittlerweile hat die Plastiktröte auch ihren Weg nach Deutschland gefunden. Gleich zwei Firmen bieten die Vuvuzela den deutschen Fans ein: Einmal die Original-Vuvuzela aus Südafrika, das eine Lautstärke von bis zu 130 dezibel erreicht - ähnlich laut wie ein Düsenjäger. Extra für deutsche Ohren wurde von der Düsseldorfer Urbas/Kehrberg GmbH eine TÜV-geprüfte Variante mit Schalldämpfer entwickelt.
Die Hersteller erwarten einen Boom der Plastiktröten, auch wenn die Fußballfans in Deutschland noch skeptisch sind. Sie sehen in der Kult-Tröte vor allem eine extrem laute Bedrohung der Fankultur. Keine Lust auf lautes Getröte und monotone Dauerbeschallung hat Stefan Watzinger. Nach den Erfahrungen des Confed-Cups gründete der 28-Jährige Werder-Fan zusammen mit seinem Kumpel Bastian Fröhlig (30) in einer "Nacht und Nebel Aktion" das Protest-Projekt "vuvuzelas.org". Mit einer Petition, die im Vorfeld der WM-Endrunde an die FIFA übergeben werden soll, wollen sich die beiden Fußball-Fans für ein Verbot der Vuvuzela in den WM-Stadien stark machen. Über 120.000 Unterschriften haben sie dafür schon gesammelt.
Die Vuvuzela hat das Zeug zum Kult-Objekt
"Es geht darum, fairen Sport zu gewährleisten und auch die kreativen Fangesänge der Kurven nicht zu ersticken", begründet Watzinger seine skeptische Haltung gegenüber der vermeintlichen Kulttröte. Befürchtungen, die Sebastian Fiedler nicht teilt. Für den Geschäftsführer von high ten media, die die original Vuvuzela aus Südafrika in Deutschland verkauft, sieht den Gebrauch der Tröte eher kulturspezifisch. Monotones Dauergetute wie beim Confed-Cup sei von den deutschen Fans nicht zu erwarten. Es gehe vielmehr darum, die Vuvuzela kreativ zu nutzen und in die eigenen Choreographien einzubauen.
Fiedler glaubt fest an den Siegeszug der umstrittenen Tröte auch in Deutschland: "Wir sind überzeugt, dass die Vuvuzela der Artikel zur WM wird, so wie das 2006 die Auto-Fahnen waren." Beim "Sommermärchen" vor drei Jahren fuhr kaum ein Auto ohne schwarz-rot-goldene Beflaggung durch die Straßen. Doch sieht Fiedler bei aller Euphorie auch Grenzen. "Im Vereinsfußball wird die Vuvuzela nie richtig ankommen", sagt Fiedler und weiß dabei um die Skepsis der Fankurven. Bestellungen und Anfragen kommen vor allem von Firmen und Fanklubs, auch im Basketball und vielen anderen Sportarten fasst die laute Kult-Tröte langsam Fuß.
Warum aber nicht im Vereinsfußball? Die Gründe sind vielschichtig. Fans und Vereine reagieren eher skeptisch und ablehnend auf den Südafrika-Import. So geht Dieter Zeiffer ebenfalls nicht davon aus, dass es im Bremer Weserstadion zu einer Vuvuzela-Flut kommen wird. "Ich kann mir das bei den Werder-Fans nicht vorstellen", sagt der Fanbeauftragte von Werder Bremen. Die ersten Reaktionen der Anhänger auf die Tröte seien allesamt ablehnend gewesen.
Im Weserstadion muss die Vuvuzela vorher angemeldet werden
Dazu kommt noch, dass die Tröte aufgrund ihrer Größe und ihrer Lautstärke durchaus als "gefährlicher Gegenstand" eingestuft werden kann. Ein allgemeines Stadionverbot für die Vuvuzela gibt es in Deutschland - anders als in Österreich - aktuell nicht, die Vereine dürfen und müssen selber entscheiden, wie sie der potentiellen Tröten-Invasion begegnen wollen.
Das hat Werder Bremen bereits getan. "Ohne Sondergenehmigung geht das sicherlich nicht", sagt der Fan-Beauftragte Dieter Zeiffer. Die Vuvuzela wird auf Grund ihrer Größe und Lautstärke nicht als normales Fan-Accessoire, sondern ähnlich wie ein Megaphon eingestuft. "Dafür muss der Fan einen Antrag beim Verein Werder-Bremen stellen." Auch die Lautstärke könnte zum Problem werden. "Die normalen Ansagen des Stadionsprechers dürfen nicht gefährdet werden", so Zeiffer. Dies wäre in einer Fankurve voller Vuvuzelas mit Sicherheit nicht mehr gewährleistet.
FIFA-Boss Joseph S. Blatter hat bislang stets bekräftigt, die Plastik-Trompete bei der Endrunde nicht verbieten zu wollen. Der Schweizer verwies dabei auf die kulturelle Bedeutung der Vuvuzela in Südafrika. Allerdings gibt es das "Kulturgut" dort erst seit 2001. Und ursprünglich afrikanisch ist sie auch nicht. Wie der Hersteller Boogieblast auf seiner Homepage erklärt, stammt die Vuvuzela aus China und wurde dort beim Volleyball als Support-Instrument eingesetzt.
Ob nun Kulttröte oder Nervtöter - die Debatte um die Vuvuzela wird die Fußball-Fans in Deutschland und Südafrika noch lange beschäftigen. Ein Boom scheint trotz der aktuellen Fan-Skepsis wahrscheinlich, ein nachhaltiger Effekt auf die Fan-Szene und den Support in den Fankurven eher nicht. Schließlich sind die schwarz-rot-goldenen Autofahnen, das Fan-Symbol der WM 2006, auch schon lange von den Straßen verschwunden.



