Das war im Januar. Am 15. April war der passionierte Fan der Kaizer Chiefs, dem größten Verein Südafrikas, dann nicht der einzige, der den buchstäblichen Run auf die 500.000 Karten im freien Verkauf auslöste. Zwischenzeitlich brach sogar das Ticketing-System zusammen, 180.000 Karten gingen innerhalb kurzer Zeit über die Tresen in den elf Austragungsstädten.
Heute geht es im Kartencenter von Port Elizabeth, wo Deutschland am 18. Juni gegen Serbien spielt, deutlich ruhiger zu. 90 Prozent der Tickets sind laut Danny Jordaan, dem lokalen Organisationschef, inzwischen verkauft, man gehe auf die 95 Prozent zu. Und das, obwohl die Zahl der erwarteten ausländischen WM-Besucher offiziell von 450.000 auf 373.000 korrigiert worden ist – einige südafrikanische Experten erwarten sogar noch wesentlich weniger Fußball-Touristen. Die Südafrikaner selbst haben die WM gerettet, nachdem die FIFA den lokalen Organisatoren nachgab und den Kartenverkauf direkt am Schalter autorisierte.
Trotzdem gibt es noch reichlich Karten. „Es werden auch fast jeden Tag neue Kontingente frei“, sagt die junge Dame im Kartencenter, die auf einer ausgedruckten Liste die Spiele zeigt, für die es noch Tickets gibt. Karten für Deutschland-Serbien, Slowenien-England und Elfenbeinküste-Portugal wandern schließlich in meine Tasche. Und ich musste nicht einmal rennen.
Christian Selz ist Freier Journalist und lebt in Port Elizabeth. Für WESER-KURIER.de berichtet er aus Südafrika von der WM.