Dabei hatte alles so gut begonnen. An einem an Dramatik kaum zu überbietenden Nachmittag führte das südafrikanische Team gegen pomadige und früh dezimierte Franzosen bereits zur Halbzeit mit 2:0. Die Fans – im Stadion wie in den Fan-Parks – feierten ausgelassen, das Unerwartete schien doch noch einzutreffen: Bafana Bafana war auf dem Weg ins Achtelfinale. Weil auch Uruguay gegen Mexiko getroffen hatte, fehlten nur noch zwei Treffer zum Fußballwunder.
Doch die fielen trotz bester Möglichkeiten nicht, stattdessen verkürzte Frankreich sogar noch. Der Stimmung im Gastgeberland versetzte das Ausscheiden der eigenen Elf zwar einen Knacks, doch die meisten Südafrikaner feierten auch nach dem Schlusspfiff noch weiter. Die starke Leistung gegen Frankreich hat die meisten Fans mit der nach der 0:3-Schlappe gegen Uruguay noch hart kritisierten Mannschaft versöhnt. Die Südafrikaner verabschieden sich erhobenen Hauptes aus dem Turnier, die Fans widmen sich nun ihren Zweitmannschaften. Bei den meisten sind das England oder Brasilien, doch auch Deutschland hat viele Sympathien. Denn so recht hatte eigentlich von vornerein keiner mit einem Weiterkommen der Bafana Bafana gerechnet. Trotzdem war es, da sind sich die Südafrikaner einig, ein schöner Traum.
Christian Selz ist Freier Journalist und lebt in Port Elizabeth. Für WESER-KURIER.de berichtet er aus Südafrika von der WM.