| Zwölf Fragen zum Sportjahr 2011 » |
"Es ist schon ärgerlich, dass wir im Halbfinale gegen Ciudad unser Potenzial nicht abrufen konnten", sagte er am Tag nach dem Halbfinal-Aus in der Champions League noch einmal, "aber schließlich sind wir keine Maschinen - und treffen hier auf die besten Gegner aus Europa." Nachmittags stand Bitter in der mit 19400 Zuschauern erneut ausverkauften Lanxess Arena wieder zwischen den Pfosten. Gegen die Rhein-Neckar Löwen, die in ihrem Halbfinale trotz guter Leistung gegen den FC Barcelona mit 28:30 verloren hatten, lief es für die Norddeutschen besser. Mit dem 33:31 (15:13) sicherte sich der HSV wenigstens den dritten Platz. Und auch die Löwen standen nicht mit völlig leeren Händen da: Ihr Linksaußen Uwe Gensheimer erhielt den Pokal für den besten Champions-League-Torschützen der Spielzeit 2010/2011.
Barcelona mit überragenden Akteuren
Die ganz große Party mit Feuerwerk und Champagner feierten indes die Spanier - unter ihnen ganz besonders die Fans, die schon am Vorabend im Freudentaumel gelegen hatten. Denn keine 24 Stunden nach den Fußballern des FC Barcelona sicherten sich gestern auch seine Handballer die europäische Krone. Und das deutlicher als erwartet. Der BM Ciudad Real hielt das Finale nur bis zum 10:10 offen. Nach dem 10:14 zur Pause hatte der Vizemeister des Landes in der zweiten Halbzeit keine Chance mehr und verlor nach zwischenzeitlichem 19:26 (53.) mit 24:27. Mit Torwart Danijel Saric und dem achtfachen Torschützen Jesper Nöddesbo hatte Barcelona die überragenden Akteure in seinen Reihen.
Ähnlich souverän wie Barças Fußballer am Sonnabend Manchester United dominierten, beherrschten die spanischen Handball-Teams in Köln die deutschen Gegner. Sie waren auf den Moment topfit, während sich der HSV ausgerechnet im Halbfinale des bedeutendsten internationalen Wettbewerbs in schwacher Verfassung präsentierte. "Wir hatten halt einen Scheißtag", sagte Trainer Martin Schwalb - die Betonung lag auf dem Wort "einen". Schon am Sonntag war der Coach wieder besserer Laune. "Ich bin stolz auf meine Spieler, sie haben noch einmal alles gegeben und mir einen tollen Abschluss bereitet. Das wünscht man sich als Trainer."
Abschied und Neuanfang beim HSV
Schwalb stand in Köln zum drittletzten Mal verantwortlich an der Seitenlinie: In der kommenden Saison wird er Geschäftsführer des HSV und als Coach vom Schweden Per Carlen abgelöst. Mit dem erstmaligen Gewinn der deutschen Meisterschaft hat Schwalb aber schon mal Vereinsgeschichte geschrieben. "Für diesen Titel haben wir seit Jahren schwer gearbeitet", sagte er. Die Meisterschaft war das Wichtigste, die Champions League letztlich nur die Zugabe. "Und da muss ich mir dann als Trainer auch treu bleiben", hatte er das Halbfinal-Aus am Sonnabend gelassen kommentiert. Sichtlich erleichtert waren gestern auch die Spieler. "Wir waren eine Klasse besser als am Vortag", sagte Kreisläufer Igor Vori, der gegen die Löwen in nur 25 Minuten Spielzeit fünf Treffer erzielte.
Bärenstark auch Voris Kreisläufer-Kollege Bertrand Gille, der bei sieben Versuchen sechsmal traf, dann aber völlig ausgepumpt vom Feld musste. Rechtsaußen Stefan Schröder präsentierte sich gegen Ciudad und die Löwen hervorragend, am Sonntag spielte er fast durch und warf fünf herrliche Tore. Selbst Spielmacher Michael Kraus, dessen linkes Bein wegen Problemen am Wadenbeinköpfchen möglicherweise eingegipst werden muss, war gut aufgelegt. "Dieser Sieg bringt unsere Köpfe wieder nach oben."
Ungewisse Zukunft der Rhein-Neckar Löwen
Während sich die Hamburger auf die Meisterschale freuen, die sie am Mittwoch nach ihrem letzten Bundesliga-Heimspiel dieser Saison erhalten werden, stehen die Rhein-Neckar Löwen vor einer ungewissen Zukunft. Ihr größter Geldgeber, der Däne Jesper Nielsen, will in seiner Heimat ein eigenes Handball-Projekt aufbauen - möglicherweise mit einigen Akteuren der Löwen. Nielsen ist vertraglich zwar noch an seinen bisherigen Klub gebunden, doch klar ist: Der Bundesligist wird weniger Geld erhalten. Ob er dann immer noch in die Phalanx der Großen wie Kiel oder Hamburg wird eingreifen können?
In Köln jedenfalls stellten die Löwen trotz der beiden Niederlagen nicht nur ihren Trainer Gudmundur Gudmundsson zufrieden. Der Bundesliga-Tabellenvierte kämpfte sich sowohl gegen Barcelona als auch am Sonntag gegen den HSV nach Rückständen zurück ins Spiel und war dem Endspiel letztlich näher als der HSV.






