| Zwölf Fragen zum Sportjahr 2011 » |
Einen Tag vor dem Showdown strömte die pure Entschlossenheit aus den Poren des Abwehrchefs von den Rhein-Neckar-Löwen. "Dieses Spiel wird gewonnen", hat der 32-Jährige beschlossen. Auch die rhetorischen Spielchen vor Anpfiff will der Kreisläufer unbedingt gewinnen.
Es steht unglaublich viel auf dem Spiel in diesen 60 Minuten: Ein Sieg, und die erste Halbfinal-Teilnahme seit 2008 wäre geschafft. "Das wäre eine Sensation angesichts der Situation, die wir vor 14 Tagen hatten", sagt Bundestrainer Martin Heuberger. Viele hatten die deutschen Handballer im Jahr eins nach Heiner Brand schon vor dem ersten Sprungwurf abgeschrieben. Aber auch das Ticket für das olympische Handballturnier 2012 in London wäre in Reichweite. Und Roggisch dachte sogar noch weiter: "Wenn wir gewinnen, dann sparen wir uns auch die Qualifikation für die WM 2013. Ich freue mich schon darauf, mehr Urlaub machen zu können." Diese große Gelegenheit, drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, werde man sich nicht entgehen lassen.
Wienceks Entscheidung
Die 26:28-Niederlage gegen Dänemark, den ersten vergebenen Matchball fürs Halbfinale hatten sie also schnell abgehakt. "Das ist erledigt. Wir konzentrieren uns jetzt auf die Polen", sagte Spielmacher Michael Haaß (Göppingen), der bisher zu den größten Überraschungen des Turniers zählt. Auch Haaß weiß, dass ein Sieg die Lage des deutschen Handballs enorm verbessern würde, "es würde sehr zur Beruhigung in vielen Bereichen beitragen". Aber nervös macht ihn das nicht. "Man muss doch sehen, wo wir herkommen, wir haben schon mehr erreicht, als viele von uns erwartet haben."
Unabhängig von dem, was auf dem Spiel steht: Der Klassiker gegen Polen ist etwas Besonderes, seitdem die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) dem Team von Bogdan Wenta im WM-Finale 2007 (29:24) das Nachsehen gab. "Die sind extra heiß, aber wir auch", sagt Haaß. "Viele Polen waren damals schon dabei", sagt Roggisch. "Wir kennen uns so gut, weil viele von ihnen in der Bundesliga spielen. Das wird ein harter Kampf, ich freue mich drauf." Den Nasenbeinbruch, sagt er, werde er in diesen 60 Minuten in der Belgrad-Arena ignorieren.
Eine besondere Angelegenheit ist die Partie auch für Patrick Wiencek, obwohl der Gummersbacher Kreisläufer noch nie das Vergnügen gegen die Osteuropäer hatte. "Irgendwie hat das in der Jugend nie geklappt", sagt der 21-Jährige, der bei seinem ersten Turnier einen sehr abgeklärten Eindruck vermittelt. Aber Wiencek hat polnische Vorfahren, er hätte theoretisch auch das polnische Trikot tragen können, zumal Wenta ihn vor drei Jahren abwerben wollte. Wiencek wurde gelockt mit einem lukrativen Angebot des polnischen Spitzenklubs Kielce. "Ich bin froh, dass sich Patrick damals für uns entschieden hat", sagt Heuberger. Wiencek sagt, er habe sich immer als Deutscher gefühlt.
"Hauptsache, das Ding geht ins Tor"
Dass es nun gegen das Land seiner Vorfahren geht, kümmert den in Duisburg geborenen Newcomer nicht. "Hauptsache, das Ding geht ins Tor", sagt der bullige Kreisläufer, den seine Mitspieler "Bamm-Bamm" nennen, nach dem ungewöhnlichen starken Jungen in der Zeichentrickserie "Die Feuersteins". Zurückhaltung nach Treffern, wie sie Lukas Podolski in den Vergleichen mit Polen an den Tag legt, kommt für ihn nicht infrage. "Ich werde so jubeln wie immer. Wichtig ist nur, dass wir dieses Spiel gewinnen."
Trotz der Bedeutung des Spiels macht sich der Bundestrainer keine Sorgen, dass seine Profis die Nerven verlieren. "Die Mannschaft ist weiter, als ich dachte", sagt Heuberger. "Sie hat nun schon mehrere Male bewiesen, dass sie einer solchen Drucksituation gewachsen ist." Co-Trainer Frank Carstens ist beeindruckt davon, wie stabil auch die jungen Profis wie Wiencek und Patrick Greotzki (Rhein-Neckar-Löwen) das Turnier bewältigen. "Wir sind mental alle sehr stark", sagt Carstens. Und auch der Abwehrchef vertreibt jeden Zweifel aus seinen Gedanken. "Wenn wir unsere Leistung bringen, in der Abwehr und im Angriff", sagt Roggisch, "dann werden wir die Polen schlagen."









