Schon seit sieben Jahren bei Werder: Nun soll der Abwehrspieler aus Verden am Neuaufbau der U23 mitwirken

 - 30.06.2011

Jonathan Schmude mag es bodenständig

Von Tanju Toku
Verden. Nach zuletzt Dennis Diekmeier, Bilal Aziz und Deniz Kadah hat nun auch der 19-jährige Verdener Jonathan Schmude den Sprung in den Profifußball geschafft. Das Eigengewächs des SV Werder Bremen, das seit 2004 für die Grün-Weißen aufläuft, unterschrieb in diesen Tagen im Beisein von Werders Nachwuchsmanager Dr. Uwe Harttgen einen zunächst auf zwölf Monate datierten Amateurvertrag plus einjähriger Option. "Nun ist mein Wechsel in die 3. Liga endgültig perfekt, und ich werde mich voll und ganz auf Fußball konzentrieren. Ich bin glücklich, dass Werder mich in seine Konzepte einbindet und mir die Chance gibt, mich weiterzuentwickeln", freut sich Schmude.

An dem Verdener waren in den vergangenen Wochen auch andere Klubs aus dem Profigeschäft interessiert, zum Beispiel der FC St. Pauli. Obendrein verfügte Jonathan Schmude über Kontakte in die Niederlande und nach England, die er nach reiflicher Überlegung jedoch abbrach. Immerhin hätte ein ausländischer Klub neben der Ablösesumme eine Ausbildungsentschädigung in sechsstelliger Höhe für Schmude zahlen müssen.

Auch Werders U23-Coach Thomas Wolter begrüßt den Verbleib des gelernten Abwehrspielers an der Weser. Die Sommerpause ist für Werder Bremen II bereits beendet, die Vorbereitung auf die Saison 2011/12 begann am vergangenen Montag. Dem obligatorischen Laktattest folgten bereits zwei Testspiele. Unter anderem in Hülsen, wo die Bremer am Dienstagabend einen 14:0-Sieg erzwangen und Schmude einen 90-Minuten-Einsatz verzeichnete (neben stehender Bericht).

Bekanntlich wurde Werders Drittliga-Erhalt erst durch den Rückzug des eine finanzielle Schieflage geratenen TuS Koblenz ermöglicht. "Uns wäre es natürlich lieber gewesen, hätten wir den Klassenerhalt auf sportlichem Weg geschafft. Doch wir freuen uns natürlich, dass wir nun die Chance haben, uns zukünftig anders in der 3. Liga zu präsentieren", stellt Harttgen, Direktor des Werder-Leistungszentrums, fest. Von dieser Konstellation verspricht sich auch der am Beginn seiner Profikarriere stehende Jonathan Schmude günstigere Entwicklungsmöglichkeiten - der Verdener, der gerade sein Abitur erworben hat, will sich vorerst ganz auf den Fußball konzentrieren. "Wir sind in der Vorbereitung, ich habe jeden Tag zwei Trainingseinheiten, und in den ersten Wochen stehen fast ausschließlich Stabilitätsübungen, Ausdauer- und Sprinteinheiten auf dem Programm. Mein kurzfristiges Ziel ist ein Stammplatz in Werders Drittliga-Mannschaft", teilt Schmude mit.

Nach einer unbefriedigenden Saison 2010/11 hat der SV Werder Bremen einen personellen Umbruch innerhalb seiner U23-Mannschaft eingeleitet. Der Verein trennte sich von nicht weniger als 15 Spielern. Für sie stellte ein auf dem vorletzten Tabellenplatz abgeschlossenes Spieljahr nicht gerade ein überzeugendes Bewerbungsschreiben dar. Neben Jonathan Schmude rücken zehn weitere Youngster aus Werders letztjährigem U19-Bundesliga-Kader in die U23 von Thomas Wolter. Ferner gibt es sieben externe Neuzugänge.

Auch erste Eindrücke mit den Bremer Erstliga-Profis hat Schmude schon gesammelt. Hinter ihm liegen mehrmalige Trainingseinheiten unter der Regie von Thomas Schaaf. Ferner trug Schmude in einem Freundschaftsspiel bereits das Bremer Erstliga-Trikot. Zum Ausklang der Saison 2010/11 durfte er gegen den SV Wilhelmshaven mit der Rückennummer 39 auflaufen. Das Talent aus Verden feierte sein Debüt in der Bremer Bundesliga-Mannschaft, nachdem er zur Halbzeitpause für Sandro Wagner eingewechselt worden war. Schmude ist guter Dinge, Schaaf seine Qualitäten schon einmal angedeutet zu haben. "Es ist ein atemberaubendes Gefühl, mit den Profis zu spielen. Auch der äußere Rahmen stimmte, immerhin waren rund 8000 Zuschauer gekommen."

Auf der rechten Außenbahn, wahlweise defensiv oder offensiv ausgerichtet, lässt sich der 19-Jährige am liebsten einsetzen. Dort fühlt er sich am wohlsten. Als gewinnbringend betrachtet Schmude seine Schnellkraft und die Genauigkeit in seinen Aktionen. Doch der Sprung von den A-Junioren in den Herrenbereich ist nicht leicht. "Nach dem Saisonabschluss mit der U19 habe ich mit einem guten Freund Kraftübungen in eigener Regie gemacht und körperlich noch zugelegt. Dadurch dürfte ich meine Grundlagen für den Herrenbereich verbessert haben", macht sich Schmude Hoffnungen.

Es gab allerdings nicht immer nur Höhen in der Karriere von Jonathan Schmude. Auch Enttäuschungen musste er schon verarbeiten. Er denkt in erster Linie an Werders 1:2-Niederlage im DFB-Pokalhalbfinale gegen Hansa Rostock. "Es ist der Traum eines jeden Fußballers, ein Pokalendspiel zu spielen." Doch so weit ist es für den Verdener noch nicht gekommen. Schmude lief häufig als Kapitän der Mannschaft von Trainer Mirko Votava auf. Seine Bilanz der Bundesliga-Saison 2010/11: 26 Einsätze, zwei Tore und fünf Torvorlagen.

Nicht nur im Pokal, auch in der Bundesliga Nord/Nordost scheiterten Werders A-Junioren knapp am maximalen Erfolg. Nur um drei Tore verpassten sie den Gewinn der Meisterschaft. Werder musste dem VfL Wolfsburg den Vortritt lassen, der sich im Endspiel um die deutsche A-Junioren-Meisterschaft auch noch gegen den 1. FC Kaiserslautern mit 4:2 (1:0) behaupten konnte.

Im ersten Testspiel gelang Werders U23 gegen den HEBC Hamburg ein 2:0 (0:0). Die Bremer dominierten über die gesamte Spielzeit das Geschehen auf dem Platz. Daran beteiligt war auch Jonathan Schmude, der von Beginn an auf der Rechtsverteidiger-Position wirkte. Am 12. Juli kommt Schmude mit dem SV Werder noch einmal in den Landkreis Verden. Um 19 Uhr ist Bezirksliga-Aufsteiger TSV Achim der Gegner in einem weiteren Testspiel.





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