| Zwölf Fragen zum Sportjahr 2011 » |
Dass Glück verdient sein will, ist eine Erkenntnis, die Tobias Freese schon als Jugendlicher bei der HSG Aller gekommen ist und die sich später bei der SG Achim/Baden für den erfolgreichsten Schützen beim Gewinn des Meistertitels in der Handball-Oberliga verfestigt hat. Doch derzeit lernt der Rückraumlinke diesen Kausalzusammenhang von seiner Kehrseite her kennen. Pech und Unvermögen haben bei der SG Achim/Baden sich gegenseitig verstärkende und damit verhängnisvolle Wechselwirkungen erzielt, um den Aufsteiger damit in eine Abwärtsspirale zu treiben. Freese: "Wenn du erstmal unten stehst, hast du auch kein Glück mehr!"
Exemplarisch dafür neben Verletzungen und durch andere Gründe bedingte personelle Ausfälle ist ein Spielausgang, wie ihn die SG Achim/Baden am vergangenen Sonnabend gegen den SC Magdeburg II erlebt hat. Ausgesprochen unglücklich für das Team von Trainer Irek Faciejew, noch das 24:25 zu kassieren, nachdem Malvin Patzack fünf Sekunden vor dem Abpfiff der Ausgleichstreffer gelungen war.
Doch so ganz unschuldig an ihrem Unglück waren sie nun auch wieder nicht. "Wir haben uns in der Auszeit ganz auf die Planung des letzten Angriffs konzentriert und mit der Situation, die danach entstand überhaupt nicht gerechnet!", gab Tobias Freese zu. Zwar ging der Plan auf, mit dem siebten Feldspieler statt des Torhüters eine Überzahl herzustellen und den Angriff erfolgreich abzuschließen, doch gab es keinen Plan B für die minimale Restspielzeit, die den Gästen aus Sachsen-Anhalt wiederum genügte, um den Ball im verwaisten Kasten zu versenken.
Konkurrenz punktet
Vergeblich versuchte Faciejew das Unheil anschließend noch mit einem Protest abzuwenden, der darauf zielte, dass die Schiedsrichter es unterlassen hätten, den Ball nach dem 24:24 durch Wiederanpfiff freizugeben. Es blieb bei der Tatsachenentscheidung, da weder ein Video-Gegenbeweis zu erbringen war, noch bei dem Höllenlärm verlässliche Ohrenzeugen aufzutreiben waren, die einen Pfiff oder eben keinen gehört hatten.
Für Tobias Freese blieb als Fazit, "dass es nun nicht leichter wird. Der Druck wächst!" Denn im Gegensatz zu den Achimern, die im Kampf gegen den Abstieg - von den Siegen in Flensburg und Brandenburg einmal abgesehen - praktisch seit Monaten nur in einer Richtung unterwegs sind, konnten mit HSV Insel Usedom, DHK Flensborg und dem Stralsunder HV allein am vergangenen Wochenende drei mitbedrohte Vereine doppelte Punktgewinne verbuchen.
Die SG droht endgültig abgehängt zu werden, wenn es nicht gelingt, die unübersehbaren Defizite zu beheben. Auffälligstes Negativsymptom: Die Mannschaft kommt nach teilweise überzeugenden ersten Hälften häufig völlig indisponiert aus der Kabine. Vor allem der Angriff schwächelt. Woran das liegen könnte, weiß Tobias Freese nicht. "Wenn das so wäre, würden wir etwas ändern!"
Er ist sich aber sicher, dass es keine physischen Gründe, etwa konditionelle Unzulänglichkeiten, für die Achimer Ausfallzeiten gibt. "Das kann wirklich in erster Linie nur ein mentales Problem sein."
Den Achimer Gegnern gelingt es häufig, sich im Laufe eines Spiels auf das wenig variable Angriffsspiel der SG einzustellen, das sehr stark vom Durchsetzungsvermögen Freeses abhängig ist. Trifft der Haupttorschütze vom Dienst nicht mehr oder kommt er erst gar nicht mehr zum Abschluss, dann reiben sich die Mitspieler an der gegnerischen Deckung auf, produzieren Ballverluste und damit Gegenstöße in Serie. So können oder müssen sich die Achimer Hoffnungen derzeit in erster Linie auf die Rückkehr Malvin Patzacks (Weltreise) und Patrick Denkers (erkrankt) gründen. Es sind ja oft nur Nuancen, durch die ein System stabilisiert werden oder auch kollabieren kann.
"Wir müssen uns wieder auf unsere Tugenden besinnen", fordert Tobias Freese. Vielleicht kommt der Oranienburger HC als nächster Gegner (am 25. Februar) gerade recht: In der Hinrunde, Freunde des Achimer Handballs werden sich gerne erinnern, jagte die SG den Havelstädtern nach einem fast aussichtlosen 13:21-Rückstand noch einen Punkt ab.






