| Zwölf Fragen zum Sportjahr 2011 » |
Über Michael Ballack und seine Schwächephase bei Bayer Leverkusen schüttelt die 13-Jährige mitleidig den Kopf. "Der sollte langsam mal zurücktreten", sagt sie. Was ihre eigene Karriere anbelangt, weiß Klatzka ebenfalls genauestens, wo es hingehen soll: "In die Nationalmannschaft." Bis dahin hat die Achtklässlerin des Max-Planck Gymnasiums aber noch ein paar Jahre Zeit - und viel zu tun, findet sie. "Ich muss noch daran arbeiten, Bälle, die sehr hoch kommen, zu halten." Zu ihren Stärken zählt Klatzka indes "das Mitspielen". Auch ihr Trainer Ralf Kilian schätzt das Ballgefühl seiner Keeperin besonders. "Olivia kann Fußballspielen - und das können nicht viele Torhüter", lobt er.
Aber nicht nur das scheint die Delmenhorsterin gut zu können, schließlich wurde sie jüngst bereits zum zweiten Mal in Folge zur besten Torhüterin des Frauen-Hallenturniers des TV Jahn gewählt. Dabei hatte sie sich unter anderem gegen Keeperinnen von vier Regionalligisten durchgesetzt. "Das hat mich schon stolz gemacht", gibt Klatzka zu. Solche Titel würden sie besonders motivieren, noch mehr zu trainieren. Bisher steht die junge Keeperin vier bis fünf Mal in der Woche auf dem Platz.
"Manchmal ist das schon ein wenig stressig", gibt sie zu. Trotzdem spielt Klatzka sehr gerne in der B-Jugend-Mannschaft, die von Kilian und Uta Schulenberg gecoacht wird. Auch wenn sie dort mit Abstand die Jüngste ist, kann die 13-Jährige gut mit den älteren Teamkolleginnen mithalten.
Casillas als Vorbild
Zu denen gehört auch ihre zwei Jahre ältere Schwester Julia. "Sie spielt Fußball aber nur zum Spaß", erklärt Klatzka. Sie selbst dagegen nimmt ihr Hobby ziemlich ernst - "Schließlich habe ich ja auch große Ziele" - und absolviert zusätzlich spezielle Trainingseinheiten bei Torwarttrainer Bernd Hannemann. "Da trainieren wir dann die Sachen, die einen guten Torhüter ausmachen." Gute Reflexe und Sprungkraft seien das vor allem, findet Klatzka. Iker Casillas (Real Madrid, Anm. d. Red.) beherrsche diese Fähigkeiten besonders gut. "Er ist schon so etwas wie mein Vorbild. Bei ihm versuche ich mir viel abzugucken", sagt das junge Talent.
Weitere Trainingseinheiten bestreitet Klatzka mit der Bezirksauswahl (Jahrgang 1998/1999). Dort legt sie sich besonders ins Zeug, um bald die Nominierung in den Landeskader zu schaffen. Trainer Kilian glaubt, dass dies nur eine Frage der Zeit ist. "Vor drei Monaten hat sie noch in gar keiner Auswahl gespielt. Und nun hat sie sich bereits gegen mehrere andere Torhüterinnen durchgesetzt."
Viel Ehrgeiz
Dieses Durchsetzungsvermögen und ihr Ehrgeiz sind es, was Klatzka neben ihrem Talent ausmachen. "Ich bin wirklich ehrgeizig - vielleicht manchmal ein bisschen zu sehr", gibt sie zu. Kilian nimmt den Ehrgeiz eher als Eifer wahr: "Olivia möchte sich immer verbessern und fragt uns bei jedem Training, was sie falsch macht und wie sie die Fehler beheben kann."
Bisher jedenfalls hat Klatzkas Durchsetzungskraft sie immer dorthin gebracht, wo sie hinwollte. "Als ich mit dem Fußballspielen angefangen habe, sollte ich ins Feld. Das hat mir aber nicht gefallen. Ich wollte ins Tor!"
Das war vor sechs Jahren. Seitdem ist die Keeperin dem Fußballspielen und dem TV Jahn treu geblieben. Nur schwer kann sie sich vorstellen, irgendwann einmal zu einem anderen Verein zu wechseln. "Wenn dann nur zu Werder Bremen" - ihrem Lieblingsverein.
Wenn das jedoch nicht klappen sollte, und bevor sie so endet wie Ailton oder Ballack, hat Klatzka einen Plan B in der Tasche. "Ich interessiere mich für Architektur. Wenn es mit dem Fußballspielen nichts wird, mache ich vielleicht mal etwas, was damit zu tun hat", erklärt sie. "Aber ich weiß es noch nicht. Das wäre wirklich nur eine Notlösung."






