Lateinformation des TSZ tanzt die erste Saison in der Landesliga

 - 23.02.2012

Mit Herzblut und Schuhcreme

Von Merle Osterthun
Delmenhorst. 16 Delmenhorster haben sich seit sechs Monaten mit viel Leidenschaft den lateinamerikanischen Tanzrhythmen verschrieben. Dabei geht es den Mitgliedern der TSZ-Lateinformation nicht nur um den Sport, sondern auch darum, Lebensfreude auszustrahlen.
Die 18-jährige Franziska Gruhn (Mitte) gehört zu den Wenigen im Team, die schon Erfahrungen im Tanzen haben. Zum größten Teil besteht die erste Lateinformation des Tanzsportzentrums Delmenhorst aus Anfängern. Der Begeisterung tut das aber keinen Abbruch.
Die 18-jährige Franziska Gruhn (Mitte) gehört zu den Wenigen im Team, die schon Erfahrungen im Tanzen haben. Zum größten Teil besteht die erste Lateinformation des Tanzsportzentrums Delmenhorst aus Anfängern. Der Begeisterung tut das aber keinen Abbruch.

"Wir wollen einfach Spaß haben", erklärt Tänzerin Franziska Gruhn. Zu viel vornehmen konnte sich die TSZ-Mannschaft in ihrem ersten Jahr in der Landesliga Nord ohnehin nicht, schließlich besteht das Team hauptsächlich aus Anfängern. Bis auf Franziska Gruhn, Bastian Sattler und Marcel Reimers hatte vor der Gründung der aus acht Frauen und acht Männern bestehenden Gruppe noch keiner Erfahrungen im Tanzen. "Viele waren nicht einmal in der Tanzschule", sagt die 18-Jährige.

Umso bemerkenswerter, dass die TSZ-Formation bei ihrem ersten Turnier den fünften Rang belegte (wir berichteten). Trotzdem wissen die Delmenhorster, dass es noch viele Baustellen gibt. "Vor allem für die Herren ist es nicht einfach, präsent zu sein", sagt Gruhn. Die Füße voreinander zu bekommen, sei aber nicht das Problem. Die Schwierigkeit liege darin, Selbstbewusstsein auszustrahlen.

"Zum Lateintanz gehört auch Schauspielerei. Man spielt eine andere, selbstsichere Rolle - etwas, was mir besonders viel Spaß macht", bemerkt sie. Der 19-jährige Bastian Sattler pflichtet seiner Tanzpartnerin bei: "Emotionen ausdrücken zu können, ist in Lateintänzen wichtig. Es gehört viel Herzblut dazu." Um sich zu verbessern, trainieren die Delmenhorster zwei bis drei Mal in der Woche. Unter der Leitung ihrer Coaches Peter Brunzel und Swetlana Averkov stehen regelmäßig der Cha Cha Cha, die Samba, die Rumba, der Jive und der Paso Doble - die fünf Turniertänze - auf dem Programm.

Das viele Training bleibt nicht ohne Spuren. An Muskelkater und Blasen haben sich die Delmenhorster aber mittlerweile gewöhnt. "Als Tänzer darfst du nicht zimperlich sein", sind sich Gruhn und Sattler einig. Das gilt auch auf den Turnieren. Denn dort gehören Wimperntusche, Kajalstift und Schuhcreme für die Haare sowohl zu ihrem als auch zu seinem Repertoire. Die Damen tragen vor einem Wettbewerb zudem noch speziellen Selbstbräuner auf. "Braune Haut ist eben charakteristisch für den lateinamerikanischen Tanz", sagt Gruhn und nimmt dafür in Kauf, noch einige Tage nach dem Turnier mit fleckiger Haut herumzulaufen.

Schwer einschätzbare Jury

Die Delmenhorster nehmen also vieles auf sich, um gute Noten von den Wertungsrichtern zu erhalten. Deren Kriterien sind laut Sattler jedoch nicht immer nachvollziehbar. Neben Synchronität, einer guten Choreographie mit schönen Bildern, dem Schwierigkeitsgrad der Figuren und dem Takt- beziehungsweise Rhythmusgefühl gibt es auch Charakteristika, die offiziell nicht bewertet werden sollten - es aber dennoch werden.

"Wenn zum Beispiel jemand stürzt, darf das eigentlich nicht berücksichtigt werden. Jedoch sagen die Richter, dass der Sturz Auswirkungen auf die Synchronität hat und beziehen ihn in dieses Kriterium mit ein", erklärt Sattler. Ähnlich verhalte es sich mit dem Aussehen und Auftreten. "Weil es mit mehr Leuten besser aussieht", würden Gruppen mit sechs Paaren - wie die TSZ-Mannschaft, die deshalb auch noch weitere Tänzer sucht - oft schlechter bewertet als Gruppen mit acht Paaren.

Ein kostspieliges Hobby

Die TSZ-Formation versucht dafür mit ihren Outfits Pluspunkte zu sammeln. Für ein angefertigtes Kleid zahlen Tänzerinnen jedoch üblicherweise zwischen 1000 und 1500 Euro. Unbezahlbar für die Delmenhorster. Deshalb kauften sie sich - mit Zuschüssen des TSZ - gebrauchte Outfits, die sie dann anpassen ließen. "Sich für eine oder zwei Saisons Kleider maßschneidern zu lassen, ist zu teuer", erklärt Sattler. Passend zur Choreographie "Sounds of Afrika" tanzen die Delmenhorsterinnen nun in schwarzen Roben mit Leo-Applikationen über das Parkett, während die Herren Hemd und Fliege tragen. Großen Wert legte die TSZ-Formation dabei auf Eleganz. "Unsere Kleider sind deshalb etwas länger als gewöhnlich", berichtet Gruhn.

Genauso oft wie ihre Outfits, wechseln Lateinformationen die Musik. Deshalb kann diese ebenfalls gebraucht erstanden werden. Neben der Musik müssen dann meist auch die Schrittfolgen gekauft werden, da oft beides zusammen rechtlich geschützt ist. Solch eine Anschaffung ist aber immer noch günstiger als sich neue Musik einspielen zu lassen. "Das kostet nämlich bis zu 150000 Euro", weiß Sattler. Die Musik der Delmenhorster hat Trainer Brunzel aufgetrieben. Die passende Choreographie dazu dachte sich das Team dann gemeinsam aus. "Alle haben sich mit Herzblut eingebracht" - natürlich.





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