| Ein Schuss. Ein Tor. Das ist Ailton! - 10 Fragen zum "Kugelblitz" » |
Dabei neutralisierten sich die beiden Teams in Durchgang eins größtenteils. Zwar hatte Esenshamm so um die 20. Minute eine kleine Drangphase und durch Bünyamin Kapakli eine Großchance – er traf, nachdem Hürriyets Torwart Kevin Coldewey einen Schuss nicht festhielt, nur den Außenpfosten –, doch viel passierte bei brütender Hitze im Stadion nicht. Es sah ganz so aus, als wenn in der zweiten Halbzeit das Team mit den größeren Kraftreserven die besseren Karten hätte.
„Ich habe meine Jungs in der Halbzeit gefragt, wovor sie Angst haben. Sie sollen in der zweiten Halbzeit mehr an sich glauben“, sagt Murat Keser, der offiziell als Interimstrainer der Rot-Weißen fungiert, nach diesem starken Saisonauftakt seiner Truppe aber wohl beste Chancen haben dürfte, Chefcoach zu werden. Seine Botschaft kam an. Hürriyet war jetzt einfach mal frech. Und hatte, zugegebenermaßen, auch etwas Glück. Als Erdem Zirh auf der rechten Seite in den Strafraum eindrang, in Richtung Grundlinie marschierte und aus unmöglich spitzem Winkel aufs Tor schoss, zappelte der Ball auf einmal im Netz. Esenshamms Keeper Michael Beyer hatte wohl mit einer Flanke gerechnet, aber wie auch immer: Den hätte er halten müssen.
Hürriyet führte drei Minuten nach Wiederanpfiff vollkommen überraschend 1:0. Und Hürriyet lebt ja wie kaum eine andere Mannschaft der Liga auch von der eigenen Euphorie. Der Treffer gab Mut. Und er setzte Kräfte frei. Vor allem Marvin Osei war nun präsenter als noch im ersten Durchgang. Er setzte sich auf der linken Seite gegen Christian Tannert, Marcel Göddert und Normen Hartmann großartig durch und versenkte die Kugel – 2:0 (51.). Aber Hürriyet offenbarte auch Schwächen in der Abwehr. Vor allem fällt es vielen Spielern – aus welchen Gründen auch immer – schwer, den Ball in brenzligen Situationen einfach mal in die Wicken zu donnern, um zu klären. So war es auch in der 60. Minute in einer Wimmelszene an der Strafraumgrenze, in der Tannert einfach mal draufhielt und den Ball im langen Eck unterbrachte.
Auf einmal war wieder alles offen. Doch Hürriyet konterte stark. Osei hatte dann fünf Minuten später Glück, dass Hartmann einen langen Ball unterlief. So etwas lässt sich der Stürmer nicht nehmen. Und in der 73. Minute war es Osei, der sich einmal mehr gut durchsetzte, er passte den Ball mit viel Überblick auf Irfan Gök, der das 4:1 erzielte. Da war klar, dass Hürriyet gewonnen hatte. Esenshamm war gebrochen – auch wenn Thorsten Rohde mit einem feinen Distanzschuss das 2:4 gelang (76.).

