| Zwölf Fragen zum Sportjahr 2011 » |
Carsten A. Mattejiet, selbst Extremläufer, hatte den Lauf organisiert. 29 Läufer und Läuferinnen waren am Freitagabend um 22.06 Uhr - wie im KURIER AM SONNTAG berichtet - vor dem Hamburger Hauptbahnhof gestartet. Auf 32 Stunden hatte Mattejiet die maximale Laufzeit begrenzt. Eine Minute später lief die letzte Starterin durchs Ziel. Mattejiet hat sie noch gewertet. Es war ihr erster 100-Meilen-Lauf. "Ich wollte den Reiz eines Nachtlaufs haben", erklärt Mattejiet den Start zu einer Zeit, da andere Menschen fast ins Bett gehen. Jin Cao beispielsweise genoss die Vogelstimmen und den Sonnenaufgang. Außerdem sei es von Vorteil, den Weg nicht so genau zu sehen, etwa die Steigungen. Das saugt weniger moralische Kraft.
Zweimal stürzte Jin Cao unterwegs. Er tut es lächelnd ab: "Das ist eben ein Teil des Abenteuers." Auch mit der Temperatur hadert er nicht. Null Grad - "da muss man laufen, um selber warm zu werden." Ans Aufhören dachte er keinen Moment, sagt er über die 100 Meilen, und fügt an: "Ich hatte ja selber entschieden, es zu tun."
Zehn bis 20 Kilometer trainiert Jin Cao pro Tag - und die Marathon-Distanz am Wochenende. Vor acht Jahren hat der zierliche Mann mit dem Langlauf begonnen. Lachend erzählt er, dass er damals noch 110 Kilogramm wog. Jetzt sind es 75. Das Laufen hat ihm beigebracht, auf seinen Körper zu hören. Er läuft, um sich gut zu fühlen.
An diesem Gefühl mangelte es Thomas Rusch nach Jin Caos Zieleinlauf etwas. Rusch hatte Jin Cao die ganze Strecke auf dem Rad begleitet. Pausen gönnte Jin Cao sich und ihm kaum ("Wer sitzt, kann nicht mehr laufen"). Der längste Aufenthalt dauerte 20 Minuten im Zevener Hotel Paulsen. Dort aßen die Läufer und wärmten sich auf.
Olaf Häsler verspeiste dabei Spaghetti und empfand diese Verpflegungs-Station als "Highlight für die Läufer". Seit drei Jahren läuft Häsler Marathon. Bei "Hanse100" waren es erstmals 100 Meilen. Warum er antrat? Der Krankenpfleger, Jahrgang 1965, antwortete: "Wir als Wohlstandsmenschen haben verlernt, Grenzen zu erfahren." Olaf Häsler hat sie kennengelernt.
Dass ein 100-Meilen-Lauf erst nach 100 Kilometern beginnt, hatte er zuvor gehört. Jetzt weiß er: "Das stimmt." Von Kilometer 115 an quälte der Magen und "dann geht der Kopf los". Mit ABC-Aufsagen, Salzstangen, lauwarmem Wasser und Cola bekam er beides auf den folgenden 25 Kilometern wieder in den Griff. Nun kroch die Kälte in den Körper. Häsler lief in seine zweite Nacht, froh, in einer Vierergruppe zu sein. Das machte es einfacher, sagt er. Viele Augen sehen mehr als zwei, denn nicht alle Wegweiser waren leicht zu entdecken.
Radmarkierungen sind offenbar zu hoch angebracht für Läuferaugen, besonders nachts und wenn sie müde sind, mutmaßt Organisator Mattjiet. Beim Hanse100 im nächsten Jahr will er das verbessern. Zufrieden äußerte er sich über die sportliche Seite des Laufs: 29 Starter und davon nur sechs Aussteiger, "keine ernsthaften Verletzungen" und vier Läufer, die weniger als 20 Stunden unterwegs waren.






