| Zwölf Fragen zum Sportjahr 2011 » |
"Vielleicht kam diese heftige Niederlage genau zum richtigen Zeitpunkt", interpretiert Hische das erste Saisonspiel heute wohl deutlich gelassener als noch vor einem knappen Jahr. "In der Saisonvorbereitung hatten wir ja kein Spiel verloren, da dachten schon einige, das geht einfach so weiter." Dabei musste auch Neubruchhausen, das traditionell vor allem durch Teamgeist und geschlossene Mannschaftsleistung geprägt ist, erst einmal zusammenfinden. Sechs Neuzugänge wollten integriert, das Spielsystem entsprechend angepasst werden. "Glücklicherweise haben wir hier nur positive Typen", sagt der Trainer nicht ohne Stolz über seine Jungs, "da gibt es keine Starallüren, alle ziehen an einem Strang." Völlig klar, dass der verpatzte Saisonstart keine allzu großen Nachwirkungen hinterließ.
Es folgte eine Spielzeit mit wenigen Tief-, aber diversen Höhepunkten. Am Ende landete der TSV auf einem respektablen fünften Tabellenplatz, hatte den späteren glanzvollen Aufsteiger TuS Sulingen zu Hause mit 2:1 bezwungen und einen der Ligafavoriten, den TuS Wagenfeld, mit 3:0 vom Feld geputzt. Insbesondere der Heimstärke war es zu verdanken, dass nach dem finalen Spieltag überhaupt nur zwei Teams in der Liga zu finden waren, die mehr Tore erzielen konnten - und die hießen Sulingen und Stuhr und standen in der Abschlusstabelle auf den Plätzen eins und zwei. Das frenetisch anfeuernde Publikum - durchschnittlich über 100 Zuschauer, in den Derbys gegen Hachetal oder Heiligenfelde auch gut und gern doppelt so viele - trieb den TSV immer wieder zu Höchstleistungen und außergewöhnlichen Ergebnissen.
Sorgenkind für Peter Hische und Co-Trainer Uwe Vogel blieb bis zum Schluss die mangelhafte Defensivarbeit. Zu oft wurden die Gegner mit leichtfertigen Fehlpässen zu Kontern eingeladen, zu oft fehlte die letzte Überzeugung in der Rückwärtsbewegung. Am drittletzten Spieltag entschlossen sich Hische und Vogel dann zum radikalen Wandel. Nicht ohne Risiko und trotz des einen oder anderen Skeptikers installierten sie die Viererkette - mit Erfolg. Alle drei folgenden Partien wurden gewonnen.
Fast exemplarisch für den TSV Neubruchhausen: Das Trainergespann lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen, und die Spieler ziehen mit. Die Motivation stimmt und der Zusammenhalt erst recht. Es kommt nicht von ungefähr, dass kein einziger Abgang nach der Saison zu verzeichnen ist. Fast alle kommen aus der Gegend und kennen sich schon seit Jahren.
Darum ist Hische auch zuversichtlich, dass die Neuen - fünf Perspektivspieler aus der A-Jugend-Spielgemeinschaft mit Heiligenfelde - schnell ins Team hineinwachsen. Verheizt werden sollen Julian Dannemann, Jannik Emshoff, Jonas Wislo, Eike Struß und Alexander Jirgalke natürlich nicht, aber "wir haben jetzt einen größeren Kader", frohlockt der Trainer, "bessere Trainingsmöglichkeiten und wir werden zusehen, dass wir auch in der nächsten Saison wieder richtig guten Fußball spielen." In den Ohren der Konkurrenz dürfte das wie eine Drohung klingen.
Allerdings gibt es auch bei den zuversichtlichen Neubruchhausern noch ein personelles Fragezeichen, das von den Verantwortlichen so nicht eingeplant gewesen ist: René Vogel. Der hat, für die Neubruchhauser völlig überraschend, seinen sofortigen Abschied zum Ligarivalen SV Bruchhausen-Vilsen verkündet. Peter Hische ärgert das sehr: "Uns hatte er zuvor ebenfalls zugesagt, dass er zumindest noch die Hinrunde für uns bestreitet."
Davon sei auch Betreuer Uwe Vogel ausgegangen, der Vater von René. "Der Pass ist jedenfalls noch bei uns", sagt der Coach, "deshalb kann ich jetzt auch genau nicht sagen, was aus der Sache wird." Fakt sei jedenfalls, dass der Spieler seinen Mittelfußbruch zwar auskuriert habe, aber noch nicht hundertprozentig fit sei.






