Nachgefragt: Steffen Mundt, Trainer von Bassums Handball-Frauen, bezieht Stellung

 - 23.02.2012

Der Kopf spielt nicht mit

Die Situation ist kritisch, sehr kritisch. Nach 16 Saisonspielen finden sich die Handball-Frauen des TSV Bassum in der Landesliga auf dem vorletzten Platz wieder. Drei Siegen und zwei Unentschieden stehen satte elf Niederlagen gegenüber, der Klassenerhalt hängt am seidenen Faden. Der erfahrene Trainer Steffen Mundt, der erst im vergangenen Sommer zum TSV zurückgekehrt war, ist momentan um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Jens Hoffmann sprach mit ihm.

Herr Mundt, ganz ehrlich, hatten Sie sich ihre zweite Amtsperiode beim TSV Bassum derart schwierig vorgestellt?

Steffen Mundt: Ich habe ja gleich zu Beginn gesagt, dass ich froh bin, wenn wir den Klassenerhalt schaffen. Immerhin mussten wir fünf neue Spielerinnen integrieren, und ein neuer Trainer bringt ja auch eine eigene, neue Philosophie mit. Das merkt man jetzt auch: Laufwege stimmen noch nicht und das richtige Timing fehlt mitunter.

Konkret gefragt: Gibt es Gründe für den aktuellen Negativtrend?

Es ist in erster Linie ein Kopfproblem, das sich schon früh herauskristallisiert hat. Im vergangenen August haben wir an einem Vorbereitungsturnier teilgenommen und haben dort wirklich begeisternd gespielt. Wir sind ins Finale eingezogen, und eine Spielerin sagte dann noch, dass wir im kommenden Jahr als Cup-Verteidiger antreten könnten. Und was passierte? Wir verloren das Endspiel und lieferten unsere schlechteste Leistung ab. Das hatte mentale Gründe - damals schon. Vielleicht sind einige Spielerinnen aber auch mit der Zielsetzung nicht klargekommen, dass es für uns nur um den Ligaverbleib geht. Das hat uns die eine oder andere vielleicht nicht so ganz geglaubt. Und dann haben wir unser erstes Saisonspiel ja auch noch gewonnen, was ziemlich überraschend war (31:25 gegen TuS Sulingen, die Red.).

Dann kam aber die erste Niederlage, der weitere folgten. Auffällig ist, dass viele Partien nach einem ähnlichen Muster abliefen.

Das stimmt. Zu Beginn tasten wir uns mit dem Gegner ab, dann dominieren wir ihn, spielen ihn teilweise an die Wand - um am Ende die Partie aus der Hand zu geben. Wir fangen gut an und hören schlecht auf. Es reicht einfach nicht, nur 15 oder 20 Minuten gut zu spielen, es müssen auch mal 40 oder 45 sein. Das wiederholt sich ständig. Deshalb müssen wir jetzt die Köpfe der Spielerinnen frei bekommen und ihnen zeigen, dass sie Handball spielen können - so einfach sich das auch anhört.

Sind denn konditionelle Defizite in diesem Zusammenhang auszuschließen?

Das denke ich schon. Zunächst einmal wird für mich Handball gespielt und nicht gerannt. Außerdem verfüge ich über 14 Spielerinnen, kann also entsprechend durchwechseln. Der Kader ist in jedem Fall groß genug. Mangelnde Kondition kann also kein Grund für unsere Situation sein.

Sie haben die Mannschaft lange Zeit geschützt, nach der jüngsten Heimniederlage gegen den TV Oyten III nicht mehr. Warum?

Es ist richtig, dass ich mich lange vor die Mannschaft gestellt habe, aber dann musste ich meiner Enttäuschung einfach auch mal Luft machen. Ich erwarte jetzt eine Reaktion und hoffe, dass ich die Mädels mit meinen Aussagen ein Stück weit provoziert habe. Momentan frage ich mich nämlich wirklich, gegen welchen Gegner wir überhaupt noch gewinnen wollen, obwohl ich ausnahmslos alle Spielerinnen grundsätzlich prädestiniert für die Landesliga halte.

Dennoch gibt es bestimmt Spielerinnen, auf die Sie nicht verzichten können?

Eine Katja Fischer ist mit ihrer Erfahrung einfach ganz wichtig, genauso wie Nadine Sander, die zudem viele Tore erzielt und gerade dabei ist, sich auch verbal noch stärker einzubringen. Nadine Berger ist unsere Spielgestalterin und Mannschaftsführerin und hat mit ihren 26 Jahren noch Luft nach oben, während Mareike Landwehr als Torfrau einfach eine ungeheure Ruhe ausstrahlt. Aber eines möchte ich nochmal betonen: Ich möchte keine Spielerin missen.

Sie waren früher schon einmal für fünf Jahre für die TSV-Handballdamen verantwortlich, sind jetzt zurückgekehrt. Ist der Verein eine Herzensangelegenheit für Sie?

Ja, das ist so. Bassum war mein erster Wohnsitz, als ich nach der Wende in den Westen gezogen bin. Ich habe dann als Spielertrainer bei Bassums Herrenmannschaft angefangen.

Trotzdem: Angesichts der aktuellen Lage, haben Sie Ihren Wechsel vom SC Twistringen, wo Sie drei Jahre erfolgreich gearbeitet haben, nach Bassum schon bereut?

Nein, auf keinen Fall. Ich werde auch auf jeden Fall beim TSV bleiben. Außerdem hatte ich mich bereits dazu entschlossen, Twistringen zu verlassen, bevor das Angebot aus Bassum kam.





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