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Zwei Wochen und drei Pflichtspiele später sieht die Situation anders aus. Adler patzte beim 2:3 in Nürnberg, war auch bei der Länderspielniederlage gegen die "Gauchos" am Gegentor nicht schuldlos. Und auch gegen den Hamburger SV, wo Bayer am Ende noch mit 4:2 gewann, wackelte der Schlussmann beim zwischenzeitlichen 1:1 gewaltig. Das Fachmagazin "kicker" vergab die Noten 4,5, 5 und 5 - ein Leistungsnachweis zum Vergessen.
Adlers Polster schmilzt, der Keeper selber weiß das. Nach dem HSV-Spiel bedankte er sich etwas geknickt bei seinen Teamkollegen: "Das ist einfach eine gute Truppe, die mich - ich will nicht sagen - mit durchschleppt." Großes Selbstvertrauen klingt anders.
Die Bayer-Bosse waren nach dem erneuten Fehlgriff ihrer Nummer eins zwar bemüht, eine einsetzende Formkrise zu dementieren. Bedrängt von seinem Teamkollegen Sami Hyypiä hatte der Nationalkeeper in seinem 100. Liga-Spiel eine Flanke direkt vor die Füße von Ze Roberto gefaustet, der aus 16 Metern ins leere Tor traf. "Das war einfach ein Missverständnis zwischen Rene und Sami", sagte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Auch Heynckes gab Adler keine Schuld: "Ich glaube nicht, dass man da irgendeinem einen Vorwurf machen kann."
Neuer und Wiese haben noch nicht aufgegeben
Außerhalb des "Werkself"-Kosmos wird das verständlicherweise anders gesehen. Franz Beckenbauer, der mit Kritik gerne schnell zur Stelle ist, formulierte nach dem HSV-Spiel: "Ich halte René Adler für einen guten Torwart. Das aber war ein Fehler, der darf noch nicht mal einem Schülertorwart passieren." Die Kritik des "Kaiser" kam gewohnt salopp daher, traf aber den Nerv vieler Fußballfans. "Im Moment zeigt René Nerven. Aber besser jetzt als bei der WM", meinte auch Matthias Sammer im Pay-TV-Sender "Sky". Bayer-Trainer Heynckes sieht seinen Schützling für die schweren Wochen aber gerüstet: "René muss mit dem Druck und den Kritiken fertig werden, aber er hat ein gutes Nervenkostüm."
Adlers Patzer sind allemal Wasser auf Mühlen der Konkurrenten Wiese und Neuer. Beide präsentierten sich in den letzten Wochen in Topform: Wiese hielt Werders 1:1 beim FC Valencia am Donnerstag fest, Neuer war der Schalker Garant beim 2:1 den VfB Stuttgart. "Er hat uns das Spiel gewonnen", schwärmte Trainer Felix Magath und der 23-Jährige Keeper schickt gleich eine Kampfansage hinterher. "Ich will nach wie vor spielen", hat der Schalker seinen WM-Traum noch lange nicht begraben. Das gilt auch für Wiese, der nach dem Bremer 1:0 in Hoffenheim darauf verwies, weiter seine Leistung bringen zu wollen.
Dass doch noch einmal Bewegung im Kampf um den Platz im deutschen Tor kommen könnte, ließ auch Andreas Köpke bei seiner Wasserstandsmeldung offen. Adler sei lediglich "im Moment" die Nummer eins, eine Garantie für Südafrika lässt sich daraus nicht ableiten. "Er muss seine Leistung bringen, insofern hat er es selbst in der Hand, ob er bei der WM die Nummer eins ist," hatte Köpke gesagt. Zumindest ein wenig hat er diese Chance nun aus der Hand gegeben. Und Adler wird gerade in den kommenden Wochen verschärft unter Beobachtung stehen.






