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Hier sind die Geschichten unserer Leser:
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Von August 1959 bis Dezember 1965 war ich im Auftrag der Bundesregierung mit einigen Kollegen in der Schifffahrtsbehörde der Regierung der Vereinigten Arabischen Republik (VAR) – heute Ägypten - tätig. Durch einen guten ägyptischen Freund bekam ich auch Kontakte zu DDR-Leuten. 1965 traf ich mit diesem Freund auf der Leipziger Herbstmesse zum Besuch seiner dortigen Geschäftsfreunde einer Export-Organisation. Im Laufe des Tages deckten wir uns im Intershop mit Becks Bier und alkoholischen Getränken westlicher Güte sowie Esswaren etc. ein.
Um 18 Uhr war öffentlicher Schluss auf der Messe, und der gemütliche Teil konnte beginnen. Ich musste natürlich eine Extrarunde zur Freude aller Anwesenden schmeißen, da der SV Werder gerade kürzlich zum ersten Mal deutscher Fußballmeister 1965 geworden war. Das war dann damit verbunden, dass ich zu einem Gesang aufforderte, nämlich dem Lied „Aber eins aber ein, das bleibt bestehn, der SV Werder wird nie untergehn“, was sich im Laufe das Abends bei Fortschritt der Stimmung natürlich mehrmals widerholte. Dabei muss man wissen, dass die Messeboxen nach oben hin offen waren, weshalb unser Gesang durch die ganze große Messehalle klang, den auch in anderen Boxen saßen westdeutsche Messebesucher. Erst am nächsten Tag haben wir uns alle darüber gewundert, dass wir deshalb keine Schwierigkeiten bekommen hatten. Lang, lang ist´s her. Ich bin heute schon 82!
Gerhard Knauer, Bremen
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Die Saison 1992/1993 war mit vielen Höhepunkten und spannenden Spielen gesegnet. Es war eine tolle Zeit, denn auch meine Tochter, unser erstes Kind, entwickelte sich gesund und munter im Bauch meiner Frau paralell zur Spielzeit zu einem kleinem Fußballfan.
Da wir beide als Anhänger von Werder Bremen die Heimspiele im Stadion verfolgten, (meine Frau, die letzten Spiele, aufgrund der fortgeschrittenen Schwangerschaft nicht mehr) war es für uns klar, unserer ersten Tochter einen würdigen Namen zu geben.
Aufgrund des ersten gewählten Vornamens Sarah und unserem Nachnamen Warneke fehlte nur noch als dritter Buchstabe zu den Initialen unseres Lieblingsvereins das V von Victoria (Siegerin / Siegesgöttin) und unsere "SVW" hatte somit ihren zusätzlichen zweiten Vornamen weg.
Aber, wir haben diese grün weißen Initialen mit der Einschränkung ausgewählt, nur unter der Voraussetzung dass Werder wieder Deutscher Meister wird.
Es war der letzte Spieltag der Saison, auswärts gegen den VfB Stuttgart und dieses Spiel wurde am Osterdeich auf einer Großbildleinwand für die daheimgebliebenen Fans präsentiert.
Mein Freund Hans-Jürgen und ich besuchten bei Kaiserwetter den Osterdeich und bejubelten mit vielen Tausenden Werder Anhängern vor dem Weserstadion den Sieg in Stuttgart und damit verbunden die Deutsche Meisterschaft.
Leicht berauscht durch das stetig fließende Bier und natürlich den Spielverlauf, wurden wir nach Spielende von einer NDR2-Radio-Reporterin interviewt zur Deutschen Meisterschaft und der damit verbundenen Freude. Und so berichtete ich von unserer noch ungeborenen Tochter, mit der überraschenden Namensentstehung Sarah Victoria Warneke = SVW
Dieser Beitrag wurde am Montag nach dem Spiel vom NDR2 gesendet unter der Rubrik Was machen Bremer Fans im Zusammenhang mit der Deutschen Meisterschaft 1993.
So hörten viele Freunde und Kollegen dieses Interview im Radio, unter anderem auch eine Kollegin meiner Schwiegermutter, die ihr Folgendes berichtete: "Stell Dir mal vor Helga, es gibt in Bremen viele Verrückte, aber dass jemand seine Tochter nach Werder Bremen benennt ist ja total bekloppt. Das Mädchen trägt die Initialen SVW, Sarah Victoria Warneke."
Daraufhin stellte meine Schwiegermutter nur trocken fest, dass dieser Fußballverrückte ihr Schwiegersohn sei und sie nun endlich wußte das ihr Enkelkind ein Mädchen wird, denn das war bis dahin ein Geheimnis. Unsere SVW wurde schließlich am 18ten Juni 1993 geboren - 6 Tage nach der Meisterschaft! Oft begleitet mich nun meine mittlerweile Große SVW zu den Heimspielen von unserem SVW.
Wir hoffen gemeinsam, anläßlich des 18ten Geburtstag von unserer SVW in 2011, dass unser SVW endlich wieder eine Deutsche Meisterschaft in Bremen feiern kann und damit unserer SVW ein tolles Geschenk zur Volljährigkeit bereitet...
Uwe Warneke
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Als Tochter eines fußballbegeisterten Vaters war ich natürlich Werder-Fan, heiratete aber 1970 einen absolut unsportlichen Mann, der von Fußball und Werder Bremen null Ahnung hatte. Wir zogen für neun Jahre nach Dortmund, und dort machte mein Mann seine erste Fußball-Erfahrung beim Spiel Borussia Dortmund gegen Werder. Das Spiel gewann Werder 4:2, wir saßen natürlich zwischen den Dortmundern und durften und nur ganz heimlich freuen.
Das haben wir aber gut hinbekommen. 1978 zogen wir zurück nach Bremen und – ich weiß nicht mehr in welchem Jahr es war – bekamen eine Einladung zum 6-Tage-Rennen. Es war die Zeit als die Werderspieler beim Sechstagerennen montags in der Stadthalle waren, und wir standen im Innenraum. Kurz nach 24 Uhr kam mir mein Mann freudestrahlend Arm in Arm mit Willi Lemke entgegen – beide nicht mehr ganz nüchtern – und sagte zu mir: „Darf ich dir meinen neuen Freund Willi vorstellen?!“
Ich antwortete ganz förmlich und tief beeindruckt: „Guen Abend, Herr Lemke!“ Mein Mann etwas irritiert: „Woher kennst du Willi?“ Ich: „Er wohnt auch in Kattenesch, wie meine Eltern.“ Die Antwort fand er befriedigend und beide zogen weiter, kamen nach circa einer Stunde zurück, noch weniger nüchtern und freuten sich so richtig ihres Lebens, wie das früher so beim 6-Tage-Rennen war.
Irgendwann fragte ich dann meinem Mann, ob er wirklich nicht weiß, dass dieser Willi der Geschäftsführer von Werder Bremen ist. Mein Mann war völlig entsetzt und fragt Herrn Lemke: „Willi hast du was mit Fußball zu tun?“ „Ja!“ „Mmh macht nichts, ich mag dich trotzdem!“ und beide zogen zufrieden weiter. Ich glaube noch heute, dass Herr Lemke begeistert war, dass es endlich mal jemanden gab, der nicht wegen des Fußballs mit ihm feierte. Eines hat der Abend aber doch gebracht. Mein Mann befasst sich inzwischen viel mit Fußball, er weiß wer zu Werder Bremen gehört und er beherrscht – im Gegensatz zu mir – die Abseitsregel!
Evelyn Renner, Weyhe
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Es war am 17.6.1987 gegen Köln, als wir wieder mal mit einer Sponsorenfahne und 5 Fallschirmspingern aus einer Do27 ins Weser Stadion springen durften. Das war jedes Mal etwas ganz besonders weil es etwas heikel und schwierig war. Man musste die Windrichtung immer genau im Auge behalten sonst landete man in der Weser auf dem Dach oder gar im Viertel. Nach der geglückten Landung durften wir unseren Fallschirm immer auf der Tartanbahn hinter der Trainerbank neu packen und uns anschließend von dort aus das Spiel ansehen. Als ich so nahe hinter Otto Rehagel in Hörweite das Spiel verfolgte und er immer wieder wie das so seine Art ist gestekulierent und mit Anweisungen an seine Spieler trat da hatte er bemerkt, dass ich das alles mitbekam. Kurz und knapp befahl er mir mich doch weiter nach hinten zusetzen. Hallo? Hätte ich mit dem Wissen vielleicht etwas ausrichten können? Sicherlich nicht. Das Spiel endete 2:1. Vergessen werde ich aber diese sehr kleine Auseinandersetzung und mit einem Schmunzeln nie.
Jörg Herbst (Weyhe)
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Am 7. Dezember 2005 standen meine Freundin und ich in der Ostkurve des Weser-Stadions, als Werder am letzten Spieltag der Champions League-Gruppenphase gegen Panathinaikos Athen spielte. Um das Achtelfinale noch zu erreichen musste nicht nur Werder sein Spiel gewinnen, sondern war auch darauf angewiesen, dass der bereits für die nächste Runde qualifizierte FC Barcelona zeitgleich in Italien gegen Udinese Calcio siegte.
Bereits bei der verlängerten Anfahrt über den Bremer Weihnachtsmarkt war eine besondere Stimmung unter den anwesenden Fußballfans zu spüren. Eine Mischung aus Vorfreude, Erwartungshaltung und Aufregung – ein besonderes Kribbeln, zu dem auch die zahlreich anwesenden, ebenfalls in grün-weiß auftretenden Gästefans beitrugen.
Das Spiel selbst war praktisch schon zur Halbzeit entschieden, 3:0 führten die wie im Rausch aufspielenden Bremer, denen man ihre Entschlossenheit und ihren Siegeswillen jederzeit anmerkte. In Udinese war zwar noch kein Tor gefallen, aber noch herrschte froher Optimismus. In der Endphase der Partie führte Werder 4:1, aber kaum einer der Zuschauer konnte sich noch auf das vor seinen Augen stattfindende Fußballspiel konzentrieren. Wann endlich würde Barca das erlösende Auswärtstor erzielen? Hatten die Spanier doch hoch und heilig versprochen, in dem Match alles zu geben, der dato auf seinem Zenit aufspielende Ronaldinho versprach gar eigens, dass er Udinese schlagen wolle, weil Werder der am besten kickende Gegner in der Gruppenphase gewesen sei und es verdient habe, im Achtelfinale zu stehen.
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie wir in der Kälte standen und sehnsüchtig auf die Tormeldung aus Italien warteten. Im Verlauf der zweiten Halbzeit konnte man wirklich jedem der um sich herumstehenden Fans die Situation im Gesicht ablesen. Zwar fühlt man sich im Fanblock ohnehin immer als Teil einer gleichgesinnten Gruppe, in der ein gewisser Gemeinschaftssinn entsteht. Aber an diesem Abend war das Gefühl anders. Man fühlte sich den völlig fremden Menschen um sich herum näher als sonst, die Masse beschwor eine Art Aura aus Solidarität und Hilfsbereitschaft herauf. Ich bin kein Esoteriker, aber in diesen Minuten glaubte ich beinahe, dass der vereinte Wille das räumlich so weit entfernte Ereignis möglich machen könne.
Ich gebe zu, dass in mir allmählich ein Anflug von Verzweiflung aufzukeimen begann. Dann ging alles so dermaßen schnell. Irgendwo rechts hinter mir, Dutzende Meter entfernt, schrien ein paar Einzelne auf. Im ersten Moment guckte ich hektisch auf dem Spielfeld herum – ein Foul, eine Verletzung, ein Platzverweis? Als ich nichts entdecken konnte hatte sich die Unruhe bereits ausgebreitet, und da erst setzte die Hoffnung ein. Ich blickte mich um und rief nur allen, zu einem vernünftigen Satzbau längst nicht mehr fähig, zu, „was, was?!“, als der Jubel sich binnen Sekunden seinen Weg auf alle Tribünen bahnte. Als die Hoffnung der Erkenntnis und schließlich der Gewissheit wich, war es bereits so laut im Stadion, dass man buchstäblich sein eigenes Wort nicht mehr verstand. Wir lagen uns in den Armen, sprangen umher, ließen alle Anspannung fallen. Diese Art gemeinschaftlicher Freude habe ich vorher und hinterher (noch) nicht (wieder) erlebt. Trotz all der spannenden Bundesligaspiele, den berauschenden Europapokalabenden und den Pokalfights waren diese Minuten wahrscheinlich die bisher schönsten. Derlei Erlebnisse machen den Besuch im Stadion unersetzlich.
Maik David
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Es war das Jahr 1974. Ich war damals 15 Jahre alt und Werder Fan durch und durch. Von jedem Spieler war mir Geburtsdatum, Größe, Gewicht und Werdegang bekannt. Eigentlich kannte ich jeden Spieler besser, als er sich selbst.
Immer Dienstagsnachmittags (so wie auch heute noch) traf sich auf dem Gelände der Pauliner Marsch eine Fußball-Freizeittruppe, die sich vor Jahren aus ehemaligen Jura Studenten gegründet hatte. Ab und an nahm mich mein Onkel dahin als „Nachwuchsspieler“ mit. So auch jenen Dienstag. Mitten in unserem Spiel kam jemand im Trainingsanzug zu uns und fragte, ob wir Lust hätten, ein lockeres Trainingsspiel gegen eine Mannschaft des SVW zu machen, da ein geplantes Freundschaftsspiel aufgrund der widrigen Platzverhältnisse ausgefallen war. Klar hatten alle Lust, ohne zu wissen, was dann auf uns zu kam. Unser Gegner erschien am Horizont und ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, wer plötzlich alles vor mir stand: 1,71m, 68kg: Jürgen Röber, 1,76m, 69kg: Peter Dietrich, 1,79m, 74kg: Werner,“Aneliese“ Görts, 1,80m ,75kg: Rudi Assauer… Ich hätte alle Daten sofort über jeden runterbeten können, denn es war der Großteil der damaligen Werder Bundesligamannschaft, die sich auf die Rückrunde vorbereitete.
Das Spiel selbst verging wie im Flug. Ich rannte zwar um mein Leben, sah das Spielgerät aber aufgrund meiner Nervosität höchst selten. Nach dem Spiel wurden wir noch auf ein Getränk ins Vereinsheim eingeladen. Da saß dann, der größte Werder-Fan aller Zeiten, neben seinen Idolen wie Per Roentved, Eisenfuß Höttges, Dieter Zemski und quatschte mit denen über Gott und die Welt. Das Ergebnis des Spiels weiß ich noch nicht einmal mehr. War auch zweitrangig, aber das Ereignis an sich bleibt mir für immer unvergesslich.
Holger Schmidt, Bremen
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Als ich in diesen Sommerferien nach Mallorca geflogen bin und beim Einchecken in der Schlange stand, traute ich meinen Augen nicht. Hinter uns stand Mesut Özil! Er flog mit seiner Freundin und zwei türkischen Kumpels. Es war 6 Uhr morgens und es gab zwei Maschinen nach Mallorca. Er setze sich erst vor die, mit der wir nicht flogen, stieg dann aber doch in unsere. Ich habe ihn natürlich nach einem Autogramm gefragt, aber seine Freundin war dagegen. Sie seien privat hier. Wir fanden es alle etwas komisch, dass er mit einer normalen Maschine geflogen ist.
Er hatte einen Platz am Notausgang und meine Eltern saßen auf der anderen Seite. Neben Özil und seiner Freundin war noch ein Platz frei. Dort saß ich. Er hörte allerdings fast den ganzen Flug über Musik auf seinem I-Pod Touch.
Cora Reckers
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Ich hatte mich nie entscheiden, weil ich mich nie entscheiden musste. Und ich wusste auch nicht, wie das mit diesem Entscheiden überhaupt lief. Sollte ich vor dem Spiel zum Kleiderschrank gehen und einfach das Werder-Trikot mit dem Micoud-Autogramm überstreifen. Oder doch das Kaiserbrunnen-Uralt-Alemannia-Dress? Das hatte immerhin Torsten Frings signiert. Alemannia Aachen gegen Werder Bremen. Geburtsort gegen fußballerische Heimat, Lokalpatriotismus gegen Rune-Bratseth-Vergötterung. Weil die Alemannia plötzlich in der Bundesliga spielte, wurde ich in Versuchung geführt, musste mich für eine Braut entscheiden.
Dabei war alles immer so einfach gewesen. Freitagsabends oder wahlweise Sonntagsnachmittags, schlimmstenfalls Montagsabends war ich ein Schwarz-Gelber, Samstagsnachmittags oder Sonntags im frühen Abend ein Grün-Weißer. Ich kokettierte mit meiner doppelten Fußballliebe und war doppelt glücklich, wenn an einem Wochenende unterm Strich sechs Punkte standen. Und doppelt traurig, wenn es keine Punkte gab. Und ansonsten konnte ich mich immer damit trösten, dass zumindest eine Mannschaft nicht verloren hatte. Nur beim DFB-Pokalfinale 2004 trafen die Mannschaften aufeinander, aber das war Bremen schon Meister und für Aachen war das Pokalfinale schon mehr wert als der Gewinn der Champions League. Da war irgendwie alles egal. Ich würde feiern, für wen und mit wem auch immer.
Doch in der Bundesliga war es Alltag. Und es ist der Alltag, in dem Beziehungen auf der Probe stehen - nicht an einem Feiertag. Und deswegen die leidige Frage: Welches Trikot? Ich spürte mehr und mehr meine Unlust über diese Frage, über die Entscheidungspflicht, über die Ungeduld, die sich in mir breit macht. Hatte ich es nicht immer mit Nick Hornby gehalten und allen Leuten vorgehalten, man würde sich nicht den Fußballverein wie ein paar neue Schuhe aussuchen, sondern es wäre der Verein, der sich einen aussucht. Aber dann hätten sich gleich zwei Vereine mich ausgesucht. Und damit kam ich mir vor wie diese Gockel auf den 90er-Jahre-Kuschelrock-Partys, bei denen die Mädchen förmlich Schlange standen, um sich in linkischen Bewegungen mit dem Gockel einmal zu Roxettes „Listen to my heart“ in Zeitplupe im Kreis drehen zu dürfen. An Knutschen hatte damals noch keine gedacht. Und mit Fußballvereinen knutscht man ohnehin nicht.
Ich entschied nichts und ging dennoch zum Spiel. Sollte doch irgendwer für mich entscheiden. Von mir aus Alemannias Linksverteidiger Jeffrey Leiwakabessy, aber von dem war bekannt, dass er kaum bis gar nicht sprach. Oder Diego. Oder besser noch Dr. Markus Merk. Er wäre wohl die unparteiischste Wahl gewesen. Doch Merk scherte sich nicht um meine innere Zerrissenheit, wertete sie auch nicht als Textilvergehen und pfiff die Partie an, wie man eben Partien anpfeift.
Das Spiel sollte für mich entscheiden. Die 22 Spieler hatten mich fortan im Griff. Meine beiden Freunde Albrecht und Hans-Peter erzählen noch heute jedem, der es nicht wissen will, wie es total verkrampft neben ihnen kauerte und immer wieder verstohlen die Faust ballte und dann entschuldigend in die Gegend schaute. Mehr und mehr symbolisch freute ich mich mit den 20800 (jedenfalls den Aachenern unter ihnen) über Röslers 1:0 und später über Schlaudraffs 2:1. Eher mit weltmännischem Understatement grinste ich bei Mertesackers 1:1 in die Aachener Runde. Es war Miro Klose und das 2:2 was letztlich entschied - nicht über das Spiel, das endete Remis. Aber über mein Fansein. Mitten unter den gemäßigten Aachener sprang ich auf, ballte die Faust. So schnell wie ich aufgesprungen war, saß ich schon wieder und schaute peinlich berührte in böse Augen. Nur Albrecht und Hans-Peter grinsten: „Siehste!“, sagten sie. „Du bist doch Bremen-Fan.“ Die Werder-Spieler hatten für mich entschieden, entsprechend beruhigt wohnte ich dem Rückspiel bei. Mit Werder-Trikot im Heimblock und grenzenloser Begeisterung bei Diego 60-Meter-Tor.
Thorsten Karbach, Aachen
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