Werder Bremen

 - 09.09.2010

Der zweite Anzug muss schnell passen

Von Ben Binkle
Bremen. Im Nord-Süd-Gipfel gegen Bayern München am Sonnabend fehlen Werder Bremen gleich drei wichtige Säulen. Trainer Thomas Schaaf muss die Ausfälle von Per Mertesacker, Naldo und Claudio Pizarro schnell kompensieren - denn in den nächsten drei Wochen stehen gleich sieben Pflichtspiele an.
Drei Säulen, die Werder Bremen in München fehlen: Naldo, Claudio Pizarro und Per Mertesacker (v.l.) sind verletzt.
Drei Säulen, die Werder Bremen in München fehlen: Naldo, Claudio Pizarro und Per Mertesacker (v.l.) sind verletzt.

Bei drei verletzten Spielern lässt sich zwar nicht von einer Misere sprechen, ungünstig nur, wenn es ausgerechnet drei Säulen des Bremer Spiels gleichzeitig erwischt. Während im Mittelfeld nach wie vor ein Überangebot an potentiellen Stammspielern herrscht, wird die Personaldecke in der Abwehr immer dünner. Die personelle Problemzone hat sich durch die Ausfälle von Naldo und Mertesacker von der Außenbahn ins Deckungszentrum verlagert.

Wo Werder Bremen seit Jahren eines der besten Duos der Bundesliga besitzt, herrscht nun Notstand: In der Innenverteidigung. Sebastian Prödl, eigentlich Ersatzmann, ist in seinem 34. Bundesligaspiel plötzlich Abwehrchef. "Man sieht, wie schnell sich das ändern kann", sagt Schaaf, der mit Prödls bisherigen Saisonleistungen zufrieden ist. Der 23-jährige Österreicher selber sieht sich in Abwesenheit seiner erfahrenen Nebenleute in der Pflicht: "Der Druck ist natürlich sehr groß. Wir müssen jetzt erst einmal Ruhe bewahren und uns im Training Sicherheit holen." Wer neben Prödl verteidigen wird, lässt Trainer Schaaf drei Tage vor dem Gastspiel beim deutschen Meister offen. Neuzugang Mikael Silvestre und Routinier Petri Pasanen sind die Kandidaten für diese Rolle. "Ich fühle mich gut und bin fit. Was ich jetzt brauche, ist Spielpraxis", sagte der Franzose Silvestre am Mittwoch. Wie auch immer sich Schaaf entscheidet, es wird gegen die Bayern in jedem Falle ein völlig neues Abwehrduo im Werder-Trikot geben.

Seit vier (Mertesacker) und fünf (Naldo) Spielzeiten sind Werders Innenverteidiger im Klub, in dieser Zeit gab es nur drei Spiele ohne Beteiligung von Mertesacker oder Naldo. Zuletzt fehlten beide gemeinsam am 15. März 2009 beim 4:0-Sieg gegen Stuttgart, in der kompletten letzten Saison stand immer einer der beiden Stammkräfte auf dem Feld. Für Werder ist es eine "unbefriedigende Situation", wie Thomas Schaaf höflich umschreibt. Da wird auch die positive Statistik seine Laune nicht nachhaltig verbessern: Immerhin hat Werder in den letzten vier Jahren alle drei Spiele ohne Naldo und Mertesacker gewonnen.

Werder vor richtungsweisenden Wochen

Gerade diese Statistik fällt bei Claudio Pizarro vollkommen anders aus. Der Peruaner, der wegen einer Muskelverhärtung im linken Oberschenkel bis zum Wochenende striktes Sportverbot hat, ist nicht nur die Torgarantie der Bremer, sondern auch ein echter Glücksbringer. In der Vorsaison verpasste der Angreifer acht Spiele - nur eines davon gewann Werder. Gerade in engen Partien sind die Bremer von ihrem Torjäger abhängig, Pizarro steht für die besonderen Momente und eine ganz hohe Qualität. Einziger Trost für Schaaf ist, dass zumindest alle potentiellen Pizarro-Vertreter fit und gut in Form sind. Hugo Almeida oder Marko Arnautovic sind die aussichtsreichsten Kandidaten auf den Platz im zentralen Angriff, beide trafen zuletzt beim 4:2 gegen den 1. FC Köln und präsentierten sich in guter Form.

Zwar gilt die Konzentration der Werder-Profis nur der kommenden Aufgabe bei Bayern München, doch steht Werder insgesamt vor richtungsweisenden Wochen. Drei Tage nach dem Bayern-Spiel beginnt für Thomas Schaafs Team die Champions League mit dem Heimspiel gegen Tottenham Hotspur. In der Liga folgt das Duell mit dem starken Aufsteiger Mainz, dann stehen die Derbys bei Hannover 96 und dem Hamburger SV an. Ebenfalls noch im September steht Werders "Königsklassen"-Gastspiel bei Titelverteidiger Inter Mailand an. Das siebte Pflichtspiel binnen 22 Tagen findet am 3. Oktober in Leverkusen statt.

Drei Wochen, in denen Werder den Grundstein für eine erfolgreiche Saison legen muss. Um so bitterer sind da die Ausfälle der Säulen Pizarro, Mertesacker und Naldo. Auch gegen Tottenham, ließ Schaaf bereits durchblicken, werden alle drei wohl fehlen. Zumindest bei Pizarro, der am Wochenende mit den Reha-Maßnahmen beginnen will, besteht aber die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr in den Kader. Mertesacker wird länger fehlen, bei Naldo gibt es nach wie vor keinen Comeback-Termin. Bis dahin müssen die Ersatzleute die Lücken schließen, der zweite Anzug ist gefordert. "Es gibt ja immer Spieler die sich beschweren, wenn sie nur Ersatz sind. Die können sich jetzt beweisen und Pluspunkte sammeln", glaubt Schaaf an den Charakter seines Kaders: "In der Vergangenheit hat das meist gut geklappt". Das soll sich im September nun wiederholen.






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