Musiker Jan Delay im Interview

 - 08.12.2009

"Wenn Werder Meister wird, schreibe ich die nächste Hymne!“

Von Jean-Charles Fays
Bremen. Jan Delay ist ein Hamburger Jung, sein Herz schlägt aber für Werder Bremen. Im Interview mit dem WESER-KURIER sprach der Musiker ("Wir Kinder vom Bahnhof Soul") über schlimme Erinnerungen an 1986 und seinen Wunsch, eine neue Vereinshymne zu schreiben.
Jan Delay ist Mitglied der Beginner, aber seit einigen Jahren auch Solo sehr erfolgreich.
Jan Delay ist Mitglied der Beginner, aber seit einigen Jahren auch Solo sehr erfolgreich.

Herzlichen Glückwunsch zur EinsLive-Krone. Sie sind zurzeit sehr erfolgreich, da geht´s Ihnen ähnlich wie Werder.

Ja, wir haben beide zurzeit ein Hoch, aber das lässt sich schwer vergleichen. Bei Werder geht’s ausschließlich um Leistung. Bei mir geht’s auch um andere Dinge wie Geschmäcker.

Aber die Bundesliga-Krone könnte Werder diese Saison auch holen, wenn es so weitergeht…

Ja, da sind wir zum Beispiel sehr gleich (lacht). Außerdem hat Werder auch die Krone zum sympathischsten Bundesligaverein verliehen bekommen und die wird auch von ganz Deutschland gewählt. Da sind Parallelen erkennbar.

Ist diese Sympathie auch ein Grund dafür, dass Sie als Hamburger Jung Werder-Fan geworden sind?

Ich bin zwar Hamburger Jung, aber meine Oma kommt aus Oldenburg. Immer, wenn ich da zu Besuch war, sind wir über Bremen gefahren und Oldenburg ist ja eigentlich auch nur ein Vorort von Bremen. Dazu kam noch, dass ich oft mit meinem Onkel ins Volksparkstadion gegangen bin und da standen damals in der Westkurve dann immer so viele Nazis. Das fand ich eklig und das hat sich bei mir eingebrannt. Auch, wenn das heute gar nicht mehr so ist, hat das dann dazu geführt, dass ich mich dann damals schon für Werder Bremen entschieden habe. Außerdem war das da die Zeit von Rudi Völler und Otto Rehhagel und ich fand die Puma-Schuhe auch viel cooler als die Adidas-Schuhe.

Können Sie sich noch an das erste Spiel erinnern, das Sie mit Werder gesehen haben?

An das erste Spiel kann ich mich nicht mehr genau erinnern, aber ich kann mich noch genau daran erinnern, wie Kutzop 1986 den Elfer vergeigt hat. Da war ich neun und ich habe geweint. Und ich habe auch noch am nächsten Tag geweint. Und dann haben mich auch noch die Freunde von meinem Vater mit dem Kutzop-Elfer aufgezogen, weil die gewusst haben, dass ich Werder-Fan war. Das war echt hart, weil er es wirklich auf dem Fuß gehabt hat. Ich glaube, es war damals der Innenpfosten und dann ging der Ball wieder raus. Das war echt schlimm für mich!

Das stimmt. Es war ein unvergesslicher Tiefpunkt der Werder-Historie. Aber ein Höhepunkt der jüngeren Vergangenheit war das UEFA-Cup-Halbfinal-Rückspiel am 7. Mai 2009, als Werder den HSV in Hamburg rausgeschmissen hat. Danach sind Sie mit einem „100% Werder“-Shirt durch Hamburg gezogen.

Das war derbe, auf jeden Fall. Wir waren zu viert, mit zwei Werder- und zwei HSV-Fans, im Stadion. Am nächsten Tag bin ich dann mit einem Werder-Shirt durch Hamburg gezogen. Natürlich wurde ich dann auch beleidigt und bepöbelt, aber damit habe ich auch gerechnet. Ich musste das einfach auskosten und es kam ja auch nicht zu Handgreiflichkeiten.

Gibt es denn da noch eine Steigerung von? Was machen Sie denn, wenn Werder beispielsweise am 12. Mai 2010 in Hamburg das Europa League-Finale gewinnt?

Naja, bis ins Europa League-Finale wird der HSV ja auf keinen Fall kommen. Insofern kann ich ja auf jeden Fall im Werder-Trikot steil gehen.

Blicken wir aufs nächste Derby. Wo werden Sie am 20. Dezember sein, wenn Werder in Hamburg die Herbstmeisterschaft holen kann?

Ja, mein Kumpel, der ist HSV-Fan, hat mich schon gefragt, ob wir zusammen hingehen, aber da bin ich leider schon in Thailand im Urlaub. Da werde ich mir das Spiel wohl im Internet angucken müssen.

Sie haben mal gesagt: Was mir am meisten zusagt und mich inspiriert, kriegt auch einen Text. Was muss passieren, das Jan Delay Werder so inspiriert, dass die Grün-Weißen eine Delay-Hymne bekommen?

Wenn man das mal ein bisschen größer sieht, dann ist das auch schon passiert. Genauso wie ich schon immer Udo-Fan war und bin, tauchte der immer schon in einzelnen Stellen meiner Texte auf und genauso ist es mit Werder. Allein schon, weil Werder sich so gut auf derber reimt.

Erwähnen ist schon ok, aber würden Sie auch exklusiv für Werder einen Song schreiben?

Das würde ich sofort machen! Aber das müsste dann auch was Amtliches sein und nicht irgendwie ein exklusiver Beitrag auf der „Compilation Nummer 12“ vom Werder-Fan-Club Buxtehude sein. Das müsste schon das offizielle Ding sein, weil ich mir natürlich den Arsch aufreißen würde, dass es der derbste Song wird.

Würden Sie sich also bereit erklären, zur Deutschen Meisterschaft am 8. Mai 2010 die nächste Werder-Hymne, das offizielle Pendant zu „Lebenslang Grün-Weiß“, zu schreiben und zu singen?

Ich kann garantieren, dass ich bis dahin die nächste Hymne schreibe, aber ob ich es bis dahin singen kann, das kann ich noch nicht garantieren. Das ist ja der Unterschied zwischen Fußball und Musik, von dem ich zu Beginn gesprochen habe: Beim Fußball geht’s um Leistung, aber bei Musik geht’s auch um Kreativität. Und da gibt’s auch manchmal Blockaden oder Löcher oder man ist manchmal nicht zufrieden. Wenn Werder jetzt aber die Meisterschaft gewinnt, würde ich das auf jeden Fall versuchen.

Würden Sie sich jetzt also festlegen? Wenn Werder 2010 die Meisterschaft oder die Europa League gewinnt, schreiben Sie dann den Song dazu?

Ja, auf jeden Fall!

Jan Delay verspricht den Fans eine neue Hymne, wenn Werder deutscher Meister wird.
Jan Delay verspricht den Fans eine neue Hymne, wenn Werder deutscher Meister wird.

Und wie kann man sich das vorstellen? Wie würde sich die Werder-Hymne von Jan Delay anhören?

Das Ding würde sich natürlich anders als der normale Jan Delay-Song anhören. Er würde natürlich ein bisschen „grölerischer“ sein, aber er würde jetzt auch nicht so stumpf sein wie ein Oli Pocher-Song. Ich könnte mir allerdings auch vorstellen, dass einige Werderaner daran stören würde, dass ich als Hamburger die Werder-Hymne singe.

Aber ist nicht gerade der Reiz daran, dass Sie als Hamburger diese Hymne singen?

Stimmt. Das würde natürlich einige Hamburger auch extrem „dissen“.

Zumal Werder dann gerade am letzten Spieltag gegen Hamburg die Schale oder vier Tage später am 12. Mai im Europa League-Finale in Hamburg den Pott geholt hätte.

Stimmt. Das wäre natürlich die geilste Demütigung, die es für einen Hamburger geben könnte. Und dafür würde ich mir definitiv etwas ganz Besonderes ausdenken!

Was war denn bisher für Sie das derbste Derby?

Das waren definitiv Ende April und Anfang Mai die vier Derbys in 19 Tagen. Das wurde so hochgekocht und das ging medial so hin und her. Auch schon mit dieser Wiese-Olic-Geschichte und dann noch diese Papierkugel und das ganze so geballt in so kurzer Zeit. Das war schon krass und bisher wohl das intensivste, was ich an Derbys erlebt habe.

Sie erwähnten gerade Tim Wiese. Was fasziniert Sie so an dieser Persönlichkeit?

Tim Wiese ist einfach ein derber Typ. Der muss auf jeden Fall Nationaltorwart werden. Deutschland muss sich mal eingestehen, dass Tim Wiese der Einzige ist, der wirklich ein Typ ist – so wie Oliver Kahn. Er ist jemand, vor dem andere Angst haben, jemand, von dem alle wissen, er ist ein Elfmeter-Killer, jemand, von dem andere eingeschüchtert sind. Genau sowas brauchen wir und nicht irgendeinen „Fazke“. Zusammen mit Özil ist Wiese für mich eine der herausragenden Persönlichkeiten bei Werder. Aber man muss auch sagen, dass die ganze Mannschaft sich in einem Jahr sensationell entwickelt hat. Wenn diese Mannschaft wie beim 6:0 in Freiburg einmal so richtig in Fahrt kommt, dann ist das ein Fest. Und das liegt eben auch an diesem überragenden Teamgeist, der Werder so sympathisch macht.

Sind die herausragenden Persönlichkeiten Wiese und Özil in Verbindung mit dem überragenden Teamgeist auch das Geheimnis dafür, dass Werder am 8. Mai 2010 Deutscher Meister wird?

Ich will da eigentlich gar nicht drüber reden, weil ich ein bisschen abergläubisch bin. Aber nach dem Spiel in Freiburg habe ich das erste Mal gedanklich damit gespielt. Die Gedanken machen mich auch nicht abergläubisch, aber aussprechen mag ich es nicht. Deshalb: Ich würde es mir wünschen und würde mich sowas von freuen, aber ich möchte keine Prognose abgeben.

Und viele Werder-Fans werden sich das allein deshalb schon wünschen, um von Jan Delay dann die neue Werder-Hymne zu hören.

Das mache ich gern!






Werder Bremen

Nach dem Abgang von Tim Wiese, Claudio Pizarro, Tim Borowski & Co. wird die Werder-Mannschaft ein anderes Gesicht bekommen. Wen sehen Sie als zukünftigen Führungsspieler?

7% (252 Stimmen)
Aaron Hunt
2% (77 Stimmen)
Sebastian Mielitz
11% (406 Stimmen)
Naldo
54% (2005 Stimmen)
Sokratis
1% (19 Stimmen)
Lukas Schmitz
15% (555 Stimmen)
Clemens Fritz
5% (188 Stimmen)
Marko Arnautovic
2% (61 Stimmen)
Philipp Bargfrede
3% (166 Stimmen)
einen anderen Spieler

TOP bei Werder


Online-Dossier

Viele Verträge laufen bei Werder im Juni 2012 aus, es sind spannende Wochen an der Weser zu erwarten. In unserem Online-Dossier haben wir Nachrichten, Videos, Fotostrecken und Umfragen zu diesem Thema gesammelt.

Aktuelle Fotostrecken

Unsere Leser...

...schreiben im Forum
...kommentieren Artikel
Bochumer Labor bestätigt gefährlichen Keim
schnull am 25.05.2012
Es ist ein Trauerspiel, wie amateurhaft mit der Hygene in unseren Kliniken umgegangen wird.…
Klimaschützer: Untätigkeit kostet Billionen von Euro
darko am 25.05.2012
> linonk am 25.05.2012 um 09:03:45 > > Die verschiedenen Urane stehen am Ende der…

WESER-KURIER Kundenservice