| 15 Fragen zu Werders Rückrunde 2011/12 » |
Marin stand also von Beginn an auf dem Platz, so richtig mittendrin im Spiel war er aber nicht. Als einziger Bremer Spieler fiel er leistungsmäßig ab, die Partie lief weitgehend an ihm vorbei. An Einsatzwillen mangelte es Marin dabei nicht. Sein Abtauchen hatte vor allem taktische Ursachen.
Trainer Thomas Schaaf ließ den Nationalspieler außer Dienst als Spielmacher in der Mittelfeldraute auflaufen. Doch auch wenn Marin die Rückennummer zehn trägt, ein echter Zehner ist er nicht. Der 22-Jährige ist kein typischer Passspieler, sondern ein Dribbler. Seine Stärke liegt eher auf der Außenbahn, wo er den Platz für seine Tempoläufe hat. In der Mitte ist es oft zu eng. Und so verschob Marin sein Einsatzgebiet am Sonnabend in Nürnberg auch immer wieder auf die linke Bahn - und fehlte damit oft im Zentrum.
So war es kein gelungenes Startelf-Comeback für Marko Marin. Seine 40 Ballkontakte waren noch ein solider Wert, ebenso die 50 Prozent gewonnener Zweikämpfe. Dafür gibt es in der Schule ein Fleißkärtchen für gute Einstellung. In Sachen Effektivität sieht es bei Marin anders aus. Null Torschüsse, null Torschussvorlagen - in der Werder-Offensive war der Not-Spielmacher Marin überhaupt kein Faktor.
So ging Schaafs taktischer Zug mit Marin trotz des Ergebnisses von 3:1 für Werder nicht auf. Denn Florian Trinks, der für den gebürtigen Bosnier auf die Bank musste, hatte sich zuletzt mit klugen Pässen gut in Szene gesetzt und die Rolle des Spielmachers effektiver ausgefüllt. Er passt vom Typ her besser ins aktuelle Bremer Konzept.
Marin auf der Suche nach seiner Rolle
Für Schaaf bleibt es weiter ein System-Problem: Wohin mit dem hervorragenden Fußballer Marin? Denn eigentlich muss ein Spieler mit Marins Möglichkeiten in der Stammelf stehen. Im Sturm ist angesichts der aktuellen Leistungen von Claudio Pizarro und Sandro Wagner kein Platz, in der Mittelfeldraute kann der starke Individualist seine Fähigkeiten nicht optimal zur Geltung bringen. Zumindest solange Schaaf auf das 4-4-2-System setzt - in einer 4-2-3-1-Variante wäre wieder Platz für Marin.
Bleibt noch die Rolle als Joker. Und da konnte Marin zuletzt überzeugen. Gegen die müdegespielten Abwehrreihen brachte er als Einwechselspieler neuen Schwung und große Torgefahr. Auch wenn Marin mit der Rolle als Teilzeit-Arbeiter nicht zufrieden sein dürfte: Für das Team ist es aktuell die wohl beste Lösung. Und gerade der Teamgedanke steht bei Werder Bremen dieser Tage im Vordergrund.




