| 15 Fragen zu Werders Rückrunde 2011/12 » |
Die Zuversicht von Werders Schlussmann passt ins grün-weiße Stimmungsbild. Die Dauerkrise, die die Mannschaft so beständig begleitet hat in dieser Saison, ist abgehakt. Die größte Unsicherheit ist verflogen, der Grundtenor klingt mittlerweile verhalten optimistisch - die aktuelle Serie von sechs Spielen ohne Niederlage hat das alte Selbstverständnis der Mannschaft wieder hergestellt, es mit jedem Gegner aufnehmen zu können.
Spiel für Spiel hat sich das Team Teile seiner Qualität zurückgeholt. Seit Wochen nun schon blicken Spieler und Sportliche Leitung deshalb zufrieden auf diese Entwicklung, wie am Freitagabend Klaus Allofs. "Von der Mannschaftsleistung her machen wir Fortschritte." Doch es ist eine trügerische Zufriedenheit. Das weiß auch der Sportdirektor.
Denn wieder - zum dritten Mal in kürzester Zeit - hat es nicht gereicht, einen Mitkonkurrenten im Abstiegskampf zu schlagen und damit deutlich zu distanzieren. 1:1 in Frankfurt, 1:1 gegen Stuttgart, 1:1 gegen Mönchengladbach: "Von den Ergebnissen her treten wir auf der Stelle", willigt Allofs mit einem Zögern in diese Analyse ein. Am Freitag hätte Werder die Frankfurter vorentscheidend abhängen können - statt eines Punktes zwischen den Klubs lägen dann derer vier. Oder der Viertletzte Stuttgart: Statt vier Punkten betrüge die Distanz zu den Schwaben sieben Zähler. Womit sich Werder schon längst keine Sorgen mehr machen müsste.
Statt dessen ließen die Bremen wichtige Punkte liegen, wie eben auch am Freitag, als die Mannschaft eine Stunde lang das bestimmende Team war und sich gute Chancen erarbeitete. "Bei der kämpferischen Einstellung kann man ihr keinen Vorwurf machen", urteilte Klaus Allofs, "der Vorwurf lautet, dass sie ihre Vorteile nicht in Tore ummünzt. Deshalb stehen wir da unten."
Trügerisches Polster
So liegt Werder aktuell sechs Punkte vor dem Relegations- (VfL Wolfsburg) und dem ersten direkten Abstiegsplatz (FC St. Pauli). Das ist erst einmal ein ordentlicher Vorsprung und eine sehr gute Basis für die letzten fünf Spieltage - doch man sollte sich von ihm nicht blenden lassen. Denn was nach einer Menge Polster klingt, ist es angesichts der bevorstehenden direkten Duelle mit dem FC St. Pauli in zwei und dem VfL Wolfsburg in drei Wochen gar nicht.
Eine einzige Niederlage in einem dieser beiden Spiele könnte Werder mitten in die Abstiegszone schleudern. Denn: Der Spielplan hält eine weitere Besonderheit parat. Am kommenden Wochenende, wenn im Weserstadion der FC Schalke 04 gastiert, treten zeitgleich die Wolfsburger und die St. Paulianer gegeneinander an. Der noch so bequeme Vorsprung auf die Relegation könnte sich - dieses Schwarzmalen sei gestattet - ganz schnell halbieren.
So eng geht es zu in diesem Jahr im Abstiegskampf zu, dass der VfL Wolfsburg in den letzten fünf Partien sogar vier Mal einem Abstiegskonkurrenten gegenübersteht. Bei Werder sind es drei solcher Sechs-Punkte-Spiele - außer gegen St. Pauli und Wolfsburg geht es am letzten Spieltag zum 1. FC Kaiserslautern. In diesen Spielen gibt es viel zu gewinnen - aber auch viel zu verlieren. Dieses Gewinnen hat Werder zuletzt verpasst, mit den Unentschieden aber immerhin den Status quo beibehalten und diesen als Erfolg verkauft.
Ein richtiger Erfolg aber wäre ein Sieg, nur er wäre der benötigte Befreiungsschlag. Tim Wiese, der Kalkulator, hätte da ein einfaches Rezept, mit dem seine Rechnung aufgehen würde. "Wir müssen mal wieder zu Hause gewinnen." Der letzte Bremer Heimsieg datiert vom ersten Rückrundenspieltag.




