| 15 Fragen zu Werders Rückrunde 2011/12 » |
Bremen. Als Martin Harnik noch für Werder spielte, spielte er im Angriff. In der Regel jedenfalls - nicht aber an jenem grauen Oktobernachmittag vor vier Jahren. Werder trat auf Schalke an, und weil sich Rechtsverteidiger Clemens Fritz am Vormittag mit Leistenbeschwerden abgemeldet hatte, improvisierte Thomas Schaaf auf der defensiven Außenbahn mit dem Aushilfsverteidiger Harnik. Heute Abend (18.30 Uhr) spielt Werder wieder auf Schalke, wieder stellt sich diese Rechtsfrage: Wer springt ein? Denn so einfach ist es keineswegs, Ersatz für den gelb-gesperrten Stammverteidiger Sokratis zu finden.
Beim Training am Donnerstag war Sebastian Prödl das rechte Glied in der Viererkette, beim Abschlusstraining gestern Nachmittag übte der 24-Jährige im Schneeregen an selbiger Stelle. Dass er auch heute sein Einsatzgebiet dort an der rechten Außenlinie findet - für ihn ist es mehr als nur noch eine Vermutung: "Es sieht so aus." Schaaf hält sich dazu zwar bedeckt, stellt aber immerhin fest: Der 1,94-Meter-Mann "ist eine Option".
Mal wieder, möchte man soufflieren. Denn Prödl verfügt über gewisse Erfahrung auf dieser Position: Der Innenverteidiger musste schon einige Male als rechter Verteidiger ran, zum Beispiel in der Champions League gegen Inter Mailand und Panathinaikos Athen (2008) oder in der Liga unter anderem gegen Mainz (2010), zuletzt wieder in der Königsklasse gegen Twente Enschede (2010). Geliebt hat der Österreicher den Stellungswechsel nie. "Ich sehe mich", sagt Prödl, "als Innenverteidiger."
Aber Werder braucht nun einmal Aushilfen auf jener Seite. Denn so gern die traditionelle Klage über die Qualität von Bremer Linksverteidigern angestimmt wird - rein quantitativ war dieser Arbeitsplatz meist ausreichend mit Fachpersonal besetzt. Das kann man von der anderen Seite der Abwehrkette nicht behaupten: Zuletzt fanden sich im Bremer Kader 2008 zwei echte Rechte, Clemens Fritz und Patrick Owomoyela. Nach Owomoyelas Wechsel zu Borussia Dortmund vor dreieinhalb Jahren griff Schaaf bei einem Fritz-Ausfall auf umgeschulte Innenverteidiger wie Pasanen oder Prödl zurück. Oder er improvisierte in der allergrößten Not - siehe Harniks Schalke-Ausflug, den der Stürmer übrigens (nach anfänglichen Eingewöhnungsproblemen) mit Bravour bestand.
Die Ursache für die heutige Rechtsproblematik aber liegt im Mittelfeld. Denn Ersatz für den gesperrten Sokratis (übrigens ein gelernter Innenverteidiger) wäre ja vorhanden. Aleksandar Ignjovski könnte rechts spielen, Clemens Fritz sowieso. Sie beide aber werden heute im Mittelfeld benötigt - und bilden gegen die offensiv starken Schalker ein defensiv denkendes Gegengewicht. Schaafs Alternative: Er könnte Florian Trinks und Marko Marin gleichzeitig aufs Feld schicken. Doch zu den Stärken beider gehört nicht gerade die Rückwärtsbewegung, weshalb höchstwahrscheinlich nur einer der beiden in der Startelf stehen wird. Interessanterweise dürfte dies - den Schluss lassen die Trainingseindrücke dieser Woche zu - der 19-jährige Trinks sein, während Ex-Nationalspieler Marin nach seiner Genesung wohl auf die Bank muss.
So wird Werder in der Schalke-Arena auf Sicherheit bedacht sein. "Wir müssen kompakt stehen", betont Prödl und richtet sich schon einmal auf Schwerstarbeit ein. "Die Schalker kommen ja gern über ihre linke Seite." Zum Beispiel mit Prödls Landsmann und Nationalelfkollegen Christian Fuchs, dem bärtigen Linksverteidiger. Oder mit Lewis Holtby, der allerdings angeschlagen ist. Oder mit dem ebenso jungen wie schnellen Julian Draxler. Viel Zeit für eigene Ausflüge nach vorn wird Sebastian Prödl vermutlich nicht haben, seine erste Bürgerpflicht dürfte - der fußballerischen Ausbildung entsprechend - die Absicherung nach hinten sein. So gesehen hatte der gelernte Stürmer Harnik anno 2007 einen Vorteil.




