| 15 Fragen zu Werders Rückrunde 2011/12 » |
In Belek will Naldo sprechen. Mit Klaus Allofs. Über seinen Wunschwechsel zum SC Internacional nach Porto Alegre noch im Januar. Dass es aber so schnell und so öffentlich gehen würde mit dem Reden, damit hatte keiner gerechnet.
Mittwochabend, viertel vor acht auf dem Sportplatz des Werder-Hotels "Maxx Royal": Kurz vor dem Ende der ersten Trainingseinheit geht Naldo zur Trainerbank und setzt sich zu Klaus Allofs. Während die anderen 27 Profis auslaufen, sprechen die beiden. Minuten später leert sich der Trainingsplatz bis auf Naldo, Allofs, Thomas Schaaf, Mannschaftsarzt Götz Dimanski und Fitnesscoach Yann-Benjamin Kugel. Allofs redet auf Naldo ein, Schaaf redet auf Naldo ein, der Brasilianer antwortet ab und an, verschränkt dabei die Arme. Zu hören ist am Rande des Platzes nichts, es ist wie in einem Stummfilm, nur ohne zwischenzeitliche Texteinblendungen.
Dimanski und Kugel sind derweil schweigende Statisten. Irgendwann scheint Naldo genug zu haben. Er redet viel, wirkt verärgert - und will gehen, die Vorgesetzten einfach so stehen lassen. Allofs spricht, Naldo verharrt, dreht sich um, stemmt jetzt die Hände in die Hüften. Nun spricht vor allem Schaaf. Auch er wirkt verärgert. Mit jedem Satz geht sein Kopf ruckartig Richtung Naldo. Eine geschlagene Viertelstunde dauert das seltsame Schauspiel von Belek, dann geht die Runde vom Platz, vornweg Naldo, dessen Mienenspiel vor allem eines ausdrückt: Wut.
Minuten später redet Thomas Schaaf mit den staunenden Journalisten. Nein, es sei eben keineswegs darum gegangen, Naldo wegen seiner tags zuvor so klar und deutlich formulierten Abwanderungsgedanken zu maßregeln. Er, Schaaf, mache sich "Sorgen, dass er mir ausfällt". Denn Naldo habe im Training "Probleme gekriegt hat mit der Außenseite des Knies", behauptet der Coach. Nicht das verletzte, das andere, ergänzt er.
Das Knie? Beobachtet hat niemand etwas, nicht einmal, dass sich Naldo während des Disputs mal an die lädierte Stelle fasst. Oder dass Dimanski einen prüfenden Blick darauf wirft.
Werders Reisetag nach Belek hatte ein solches Ende nicht erwarten lassen. Am Vormittag bezog Klaus Allofs - noch am Bremer Flughafen - Stellung zu Naldos Wechselwunsch. Fazit: Aussichtslos sollte man dessen Ambitionen nicht nennen. Denn es ist, wie es immer ist: Selbst ein Weggang der Säule Naldo ist denkbar - wenn denn die Rahmenbedingungen stimmen.
Für Naldo scheinen sie zu stimmen, sonst hätte er am Dienstag einen Wechsel nach Porto Alegre kaum derart offensiv als Herzenswunsch kommuniziert. Für Allofs allerdings stimmen die Rahmenbedingungen - so muss es wohl richtig heißen - noch nicht. Denn Werders Sportdirektor verzichtete, anders als noch vor ein paar Wochen bei der Wechseldiskussion um Claudio Pizarro, konsequent auf ein kategorisches Nein zum Transfer von Naldo. "Wir sind verpflichtet, wirtschaftlich zu arbeiten, aber auch sportlich erfolgreich zu sein", postulierte Allofs.
Angesichts schwacher Geschäftszahlen sollten ordentliche Einnahmen willkommen sein, erst recht in Verbindung mit der Einsparung eines Spitzengehaltes in einem Vertrag, der noch anderthalb Jahre läuft. Die Frage aber, mit der sich Allofs vor allem auseinandersetzen muss, wird sich um die Vereinbarkeit von wirtschaftlichen und sportlichen Notwendigkeiten drehen. Kann es sich Werder leisten, Naldo (nicht) zu verkaufen?
Sportlich wäre der Qualitätsverlust enorm. Eins zu eins zu ersetzen ist der Brasilianer nicht, selbst bei desaströsen Spielen wie beim 0:5 auf Schalke machte sich sein Einsatz immer noch positiv bemerkbar. Er könne doch nicht der alleinige Retter sein, schimpfte Naldo nach der Abreibung im Ruhrgebiet über die Vorstellung seiner Neben- und Vorderleute. Aber: Geht es wirklich nicht ohne ihn?
Tatsächlich hatte Werder für die laufende Saison gar nicht mit Naldo geplant, das galt sogar noch zu Beginn dieser Saison, als die Grün-Weißen in Sokratis Papastathopoulos und Andreas Wolf gleich zwei gelernte Innenverteidiger an die Weser lotsten. Der Verein glaubte eher an eine Sportinvalidität des Brasilianers als an dessen Comeback. "Wir haben Naldo anderthalb Jahre lang den Platz freigehalten, gefühlt war es sogar noch länger - ohne dass wir uns Hoffnungen gemacht haben, dass er wieder für uns spielen kann", erklärt Schaaf nun. Einerseits eine Feststellung. Andererseits spricht daraus der Vorwurf, dass sich Naldo nun, als es läuft, als undankbar erweist.
Laut Allofs sei "im Moment kein Angebot für Naldo da", über das es sich intensiv nachzudenken lohne. Was "im Moment" nicht ist, kann aber noch werden. Man könnte die Aussage Allofs als eine Einladung an den SC Internacional verstehen, doch bitteschön eine verhandelbare Grundlage zu schaffen, über die es sich dann doch nachzudenken lohne. Tatsächlich ist ein Kontaktmann des brasilianischen Klubs bereits in Bremen vorstellig geworden. Diesen Kontakt zu Internacional bestätigte Allofs auch: "Es ist richtig, dass ein Beauftragter mit einer Autorisierung des Klubs da war und Gespräche führen sollte. Aber das war nicht seriös."







