| 15 Fragen zu Werders Rückrunde 2011/12 » |
Die Preisfrage vorab: Wann hat Werder zuletzt auswärts gewonnen? Ja, es dauert etwas, bis sich die Erinnerung über die Bilanz des Schreckens hinweggearbeitet hat. Die drei Pleiten von Schalke (0:5), Bayern (1:4) und Mönchengladbach (0:5) sind außerordentlich präsent, weil sie außerordentlich waren - nicht nur wegen der Höhe der Niederlagen, sondern auch wegen Art und Weise, wie sie zustande kamen. Sie prägten Werders Auswärtsgesicht. Doch das, sagt Klaus Allofs vor dem morgigen Rückrundenstart beim 1. FC Kaiserslautern, könne "nicht das wahre Gesicht von Werder gewesen sein".
Dass die Rückrunde mit einem Auswärtsspiel beginnt, ist nicht mehr als ein Zufall des Spielplans. Für Werder aber soll dieser Zufall zu einer Zäsur werden zwischen Hin- und Rückrunde, um das Bild zu verwischen, das sich eingebrannt hat, weil es auch schon so lange her ist, dass die Bremer auswärts überhaupt erfolgreich waren. Denn die Antwort auf die Preisfrage lautet: Zuletzt auswärts gewonnen hat Werder vor beinahe einem Vierteljahr, Ende Oktober mit 3:1 beim FSV Mainz. Zugegeben, auch der erstaunlich lange Zeitraum resultiert aus den Zufällen des Spielplans, eine Länderspielpause und die Winterpause haben ihn künstlich verlängert.
Diese Diskussion um die zwei Gesichter, die Werder in der Hinrunde zu Hause und auswärts gezeigt hat, ist ob der Platzierung zur Halbzeit der Saison eigentlich verwunderlich. "Grundsätzlich kann man sagen", stellte Allofs fest, "dass wir das Klassenziel erreicht haben." Werder ist Fünfter und steht auf einem Platz, der zur Europa-League-Qualifikation berechtigt. Europa ist das vorgegebene Ziel, Werder ist damit im Soll - und das mit einem außerordentlichen Puffer auf die Plätze, die nicht mehr für einen internationalen Wettbewerb reichen würden. "Bei sechs Punkten Vorsprung", sagt denn auch Innenverteidiger Sebastian Prödl, "wäre es dumm zu sagen, wir wollen Sechster bis Zehnter werden."
Viel deutlicher kann man die Vorgabe für die Rückrunde kaum formulieren, doch die Schwankungen der Hinrunde zeigen auch bei Prödl Wirkung. Der Österreicher ist vorsichtig, er beschreibt deshalb die Bandbreite der Möglichkeiten: "Es besteht die Gefahr, nach hinten zu fallen", warnt er, "aber auch die Chance, sich da oben festzukrallen."
In Belek hat Werder viel für die letztere Möglichkeit getan. Thomas Schaaf hat wie in keinem Trainingslager der vergangenen Jahre an einer Elf festgehalten, hat ihr die Chance gegeben, sich einzuspielen und die richtige Abstimmung zu finden, hat dabei eine neue Viererkette installiert und mit Tom Trybull ein junges Talent ins Mittelfeld eingebaut. Doch kaum zurück in Bremen... brach dieses Ensemble auseinander, weil sich Spieler verletzten oder erkrankten. Schaafs Arbeit von Belek erfuhr einen Dämpfer. Erst seit gestern sind alle, die in der Türkei jene A-Elf bildeten, zurück im Training.
Auf diese Elf will Schaaf auch morgen in Kaiserslautern setzen, er will sein Konzept weiter verfolgen. Trybull zum Beispiel, sagte Schaaf gestern und ließ sich damit ungewohnt offen in die Karten schauen, "hat gute Chancen, am Samstag in der Mannschaft dabei zu sein". In der Innenverteidigung wird er es wie in Belek mit Sokratis und Prödl versuchen, Rechtsverteidiger wird wie Belek Kapitän Clemens Fritz sein. Schaaf: "Man hält an den Dingen fest, aber man braucht nicht nur elf, sondern 14, damit das Konzept weiterverfolgt wird."
Es ist nicht weniger als eine Runderneuerung, auf die Werder setzt. Erste Erfolge hat Klaus Allofs bereits in Belek gesehen. "Die Art und Weise, wie wir dort trainiert haben, wie wir gegen Alkmaar und wie wir in der ersten Halbzeit gegen Anderlecht gespielt haben" - das sei "ein gravierender Unterschied" zu den Auswärtsspielen der Hinrunde gewesen. So gravierend, dass Werders Gesicht in der Rückrunde anders aussehen sollte. Zumindest auswärts.




