0:4 gegen Bayern München

 - 15.05.2010

Werder Bremen erlebt sein Final-Debakel

Von Ben Binkle
Berlin. Bayern München hat Werder Bremen im DFB-Pokalfinale klar die Grenzen aufgezeigt und sich mit einem hochverdienten 4:0 (1:0)-Sieg Titel Nummer 15 gesichert. Werder war in seinem zehnten Pokalfinale über weite Strecken kein Gegner auf Augenhöhe für das stark aufspielende Ensemble des deutschen Meisters, das nun in der kommenden Woche in der Champions League im Endspiel gegen Inter Mailand das historische Triple komplett machen kann.
Enttäuschung pur bei den Werder-Profis Mesut Özil und Claudio Pizarro.
Enttäuschung pur bei den Werder-Profis Mesut Özil und Claudio Pizarro.

Werder-Trainer Thomas Schaaf baute seine Mannschaft vor dem Finale auf zwei Positionen um. In der Abwehr fiel Linksverteidiger Petri Pasanen aus, dafür spielte Sebastian Boenisch in der Viererkette. In der Offensive entschied sich Schaaf für Aaron Hunt und damit gegen Hugo Almeida und Marko Marin, die beide zunächst auf der Ersatzbank Platz nahmen. Dort saß auch Aymen Abdennour, der nach Pasanens Ausfall kurzfristig nachnominiert wurde. Und auch taktisch überraschte Schaaf: Mesut Özil spielte in der Spitze neben Claudio Pizarro.

Den besseren Start im mit 72.954 Zuschauern ausverkauften Berliner Olympiastadion erwischten die Bayern. Einmal mehr war es der zuletzt überragende Arjen Robben, der die erste Chance hatte. Der Niederländer zog auf rechts nach innen und hielt drauf - Tim Wiese riss blitzschnell die Fäuste hoch und klärte zur Ecke (3.). Und auch die brachte Gefahr: Martin Demichelis setzte seinen Kopfball knapp über die Querlatte.

München kontrollierte den Ball und ließ Werder nicht ins Spiel kommen, trotzdem hatten die Bremer die Führung gleich dreifach auf dem Fuß. Claudio Pizarro dribbelte sich in den Strafraum, scheiterte aber an Hans-Jörg Butt. Auch beim Nachschuss von Torsten Frings war Bayerns WM-Keeper zur Stelle, ehe dann Demichelis den dritten Versuch von Hunt blockte (8.).

Nachdem beide Mannschaften ihre ersten Duftmarken gesetzt hatten, wurde das schnelle Spiel etwas ruhiger - zumindest, was das Geschehen in beiden Strafräumen betraf. Bayern wirkte leicht überlegen, ohen daraus Kapital schlagen zu können. Bei einem harmlosen Distanzschuss von Mark van Bommel hatte Wiese keine Mühe (18.). Auch als Robben eher zufällig von der Strafraumgrenze zum Abschluss kam, stand Wiese goldrichtig und nahm das Leder auf (23.).

Der deutsche Meister erhöhte die Schlagzahl und Werder hatte große Mühe, mit dem Tempo mitzuhalten. Franck Ribery spielte mustergültig Robben frei, der scharf vor das Tor flankte. Thomas Müller rauschte am Leder vorbei, der etwas überraschte Ivica Olic setzte den Ball am langen Eck vorbei (24.) - die bis dato beste Chance des Spiels ließen die Bayern ungenutzt.

Werder schien beeindruckt und beschränkte sich vor allem auf die Defensive. Nur selten gab es Entlastung, doch waren die Konter der Grün-Weißen in Ansätzen durchaus gefährlich. Spielerisch dominierten aber weiter die Bayern. Allen voran Arjen Robben. Der Niederländer entwischte einmal mehr zwei Gegenspielern, brachte Müller ist Spiel, der direkt wieder für Robben auflegte. Doch wollte es der Niederländer zu genau machen und zielte knapp am Torwinkel vorbei (30.).

Aufregung gab es dann vier Minuten später. Per Mertesacker sprang der Ball im Zweikampf mit Olic aus kurzer Distanz an die Hand, Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer entschied auf Elfmeter für die Bayern. Arjen Robben ließ nichts anbrennen und verwandelte flach ins rechte Eck zum 1:0 für den Rekordtitelträger (35.) - selbst "Elferkiller" Wiese war beim Schuss des Niederländers machtlos.

Und auch nach der Führung blieben die Münchner dominant. Neu-Nationalspieler Thomas Müller hatte das 2:0 auf dem Fuß, setzte den Ball aber nach toller Vorarbeit von Ribery neben das leere Tor (42.). Werders zweite Chance - nach der Dreifach-Möglichkeit in der achten Spielminute - vergab Aaron Hunt, als er einen tollen Pass von Mesut Özil nicht sauber traf und weit über das Tor schoss (44.). Es war die letzte nennenswerte Szene in einer Halbzeit, in der Bayern München verdient führte.

Almeida bringt kurzzeitig Schwung

Thomas Schaaf reagierte und brachte Hugo Almeida für Hunt. Gerade einmal 24 Sekunden brauchte der Portugiese für seine erste Chance. Nach Zuspiel von Özil zögerte Almeida aber etwas zu lange und wurde gerade noch geblockt (46.). Wie verwandelt machte Werder weiter. Wieder war es Almeida, dem nur wenige Zentimeter zum Ausgleich fehlten (48.). Bayerns Antwort folgte prompt - und wieder war Per Mertesacker im Blickpunkt. Einen Eckball köpfte der Innenverteidiger gegen Demichelis, Olic nutzte den unglücklichen Abpraller zum 2:0 (51.). Mitten in die Drangphase der Bremer setzte München den nächsten Nadelstich.

Und Bayern nutzte die Bremer Schockphase, um die endgültige Entscheidung herbeizuführen. Müller hatte die nächste Chance, doch klärte Boenisch gerade noch auf der Torlinie (54.). Aber auch so schien die Partie bereits entschieden. Von Werder kam kaum eine Reaktion, stattdessen legte wieder Bayern nach. Van Bommel schickte Ribery auf die Reise, der alleine vor Wiese die Nerven behielt und auf 3:0 erhöhte (63.). Spätestens da waren alle Zweifel am 15. Titel der Bayern beseitigt.

Während die Münchner Fans im Olympiastadion schon feierten, kam Werder durch Pizarro zumindest mal wieder zu einer Chance, doch lenkte Butt den Kopfball des Peruaners noch über die Latte (65.). Auch die Hereinnahme von Marko Marin und Daniel Jensen ändert nichts daran, dass Werder an diesem Maiabend im Olympiastadion keine echte Chance auf den Titel hatte.

Frustrierter Frings fliegt vom Platz

Torsten Frings fliegt gegen die Bayern vom Platz.
Torsten Frings fliegt gegen die Bayern vom Platz.

Die Bayern nahmen in den letzten 20 Minuten etwas den Fuß vom Gaspedal, Werder bemühte sich um Schadensbegrenzung. Doch waren die Spieler sichtlich entnervt. Nach einem rüden Einsteigen gegen Bastian Schweinsteiger sah Werder-Kapitän Torsten Frings zu allem Überfluss noch die Gelb-Rote Karte (76.) - ein Sinnbild des Bremer Frustes an einem verkorksten Abend.

Der eingewechselte Miroslav Klose hätte per Kopf sogar noch das vierte Bayern-Tor erzielen können, scheiterte aber per Kopf am fehlerfreien Tim Wiese (82.). Was Klose nicht vollbrachte, gelang dann Schweinsteiger. Perfekt bedient von Philipp Lahm schob der Nationalspieler unbedrängt zum 4:0 ein (83.). Die zehn noch verbleibenden Bremen waren nun auch kräftemäßig am Ende: Der Schlusspfiff war wohl eine Erlösung für sie. Während die Münchner feierten, schleppten sich die Werder-Profis mit hängenden Köpfen in die Kabine.






DFB-Pokalfinale

Werder hat das Finale 0:4 gegen Bayern München verloren - war die Niederlage verdient?

43% (1021 Stimmen)
Ja, die Bayern war einfach zu stark für Werder.
6% (143 Stimmen)
Nein, Werder hatte viel Pech in diesem Spiel.
51% (1211 Stimmen)
Werder ist selber schuld, sie haben nicht ihre Leistung abgerufen.

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